OMG: Raab gewinnt die TV Total PokerStars.de Nacht

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Im 16. Anlauf ist es tatsächlich passiert. Stefan Raab hat trotz aller Gegenwehr den Turniersieg nicht mehr abwenden können.

Als die Eagles sich 1981 trennten, machte schnell das Wort die Runde davon, dass sie erst wieder zusammen spielen würden, wenn die Hölle zufriert. Dementsprechend hieß das Wiedervereinigungskonzert auch „Hell freezes over".

Und als vor gut 2000 Jahren drei Weise aus dem Morgenland sich aufmachten, um mit der vagen Richtungsangabe „unter dem leuchtenden Stern" einen Säugling zu finden, standen die Erfolgsaussichten nicht besonders gut.

So ähnlich muss man sich das vorstellen, wenn man das erfassen will, was gestern Abend auf ProSieben zu sehen war. Stefan Raab hat die Pokernacht gewonnen. Halleluja. Das passiert etwa gneauso oft wie ein Sieg von Eddy the Eagle bei der Vier-Schanzen-Tournee.

 

stefan-raab "Ne Chance auf die Straße hat jeder immer.

Professor Poker

Raab versuchte wie üblich, mit pseudopokerphilosophischem Unsinn Eindruck zu schinden und lag mit seinen Einschätzungen zuverlässig meilenweit daneben, vergaß aber nie, gleichzeitig seine Hand so offenkundig preiszugeben, dass man selbst in der dritten Reihe wusste, wann er welchen Draw hatte.

Kostprobe? Raab checkt sich verzweifelt von Straße zu Straße, trifft auf dem River gegen Roche seine Straße, fragt dann die Dealerin, ob er jetzt noch checkraisen kann, „falls ich jetzt checke und sie setzt", und setzt dann von vorne 5000 Chips in einen Pot von 2700.

Auf Roches anschließende höfliche Erkundigung nach seiner Hand („Hattest du die Straße, du Sack?") erklärt Raab, „man soll nie sagen, was man hatte, sogar dann nicht, wenn es etwas echt Gutes war". Mike Caro, übernehmen Sie!

Roche spielt nach eigener Aussage inzwischen täglich im Internet und hatte sogar das Qualifikationsturnier verfolgt, um den siegreichen Kandidaten aus Rosenheim zu studieren. Nach eigener Aussage wollte sie „das Spiel nicht erst am Abend vor der Sendung lernen wie Cora Schumacher".

Howard trug dunkle Sonnenbrille und Ringe mit Totenköpfen. Die Brille erklärte er damit, dass er für die Flugreise (!) von München nach Köln 24h gebraucht hatte. Für die Ringe blieb er die Erklärung schuldig, sah aber am ehesten so aus, wie man sich das von einer Sendung über ein schmuddeliges, illegales Glücksspiel vorstellt.

Außerdem gewinnt Howard den Titel des Humorbarons des Abends für einen Witz, in dem ein Papagei ohne Beine, eine nackte Ehefrau und ein UPS-Lieferant vorkam. Raab konterte mit einem weiteren Papageienwitz, der immerhin sogar Jesus einschloss.

Hoppla, zum Glück ist der Online-Qualifikant Herbert aus Rosenheim pikanterweise Polizist. Das Turnier fand also quasi unter den Augen des Gesetzes statt. Ein schönes Detail am Rande, wenn es morgen wieder heißt, Hilfe, unsere Jugend verfällt dem Zockerwahn.

Man kann sagen, was man will, der Unterhaltungswert einer solchen Sendung ist jedenfalls deutlich höher als die Frechheiten, die dem Fernsehvolk Samstag Abends bei den Öffentlich-Rechtlichen vorgesetzt werden.

 

charlotte roche "Ich bin schon hochgradig abhängig."

Fuck you

Wenn einer schon „Payman" heißt, was soll man da erwarten? Floppt zwei Paare und ist nicht in der Lage, die Hand zu schützen, z. B. durch so etwas Absurdes wie eine Bet. Peyman ist übrigens iranischer Abstammung und sein persischer Name bedeutet ungefähr „der sich runterblinden lässt".

Trotzdem war es Charlotte Roche, die sich von dem clever spielenden Elton aus einer Hand bluffen ließ, obwohl sie ein schönes paar Damen auf der Hand hielt. Da kann man mal sehen, wie gut wir getippt haben.

Und so war es auch die Dame, die sich von Raab in die Grütze reden ließ und als Erste den Tisch verlassen musste. Schade, denn Roche zeigte sich gut vorbereitet, doch ihr fehlte ein bisschen Erfahrung. Und Glück. Die Überschrift zu diesem Abschnitt lesen Sie bitte als Roches Kommentar.

Herbert räumte nach Charlotte also auch Peyman vom Tisch, danach trafen Elton (T-T) und Howard Carpendale (A-Js) aufeinander. Elton floppte das Full House (8-8-T), aber Raab nutzte die Chance nach einem König auf dem Turn, Carpendale Mut zu machen, indem er ihm eine mögliche Straight erläuterte, obwohl der südafrikanische Barde da schon drawing dead war.

Carpendale wurde von Welke zurecht beglückwünscht, weil er sich von der Raabschen Logorrhoe am wenigsten beeindrucken ließ. Er erklärte das damit, dass er Raab wegen dessen Sprechtempos sowieso nicht verstünde.

Mach den Cada

Eigentlich heißt das ja, mit dem schlechteren Paar das Set zu treffen, aber Raab gab dem Spruch gestern eine neue Bedeutung. Mit Q-2o bezahlte er ein All-in von Elton (A-5s) und traf zwei Paare auf dem Flop.

 

elton-tvtotal "Hoffentlich gewinnt Herbert."

Der sichtlich genervte Elton ging in der nächsten Hand blind all-in nd war auch danach nicht mehr in der Lage, seine Souveränität oder seine Chips zurückzugewinnen.

Raab spielte seine profunden Kenntnisse dagegen unerbittlich weiter aus, ging vor dem Flop gegen Herbert all-in, anstatt den Small Stack Elton anzugreifen, und erklärte den beiden besseren Spielern am Tisch, was sie zu tun hätten. Letztlich trafen Herbert mit K-J gegen Elton mit A-Q aufeinander, und der Online-Qualifikant war der Glücklichere: Er traf den König auf dem River.

The fat Lady sings

Tatsächlich kam also Raab ins Finale, in dem er gleich in der ersten Hand von vorn auf dem Flop einen Call annoncierte. Auch nach 16 Pokernächten ist Raab von der Beherrschung des Poker-Slangs immer noch so weit entfernt wie Österreich von der Hochseeschifffahrt.

Während am Tisch die Spannung stieg, war es in der Losers Lounge die Angst vor einem Sieg Raabs, vor allem vor den Konsequenzen: „Was glaubst du, was wir uns dann auf ewig anhören müssen?" (Elton).

Trotzdem kam es so, und Raab konnte in seinem fünften Heads-up erstmals gewinnen. Mit J-8 gegen A-2. Eine weitere Demonstration fortgeschrittener Pokerkunst ging zu Ende, und die vor Sarkasmus triefenden Glückwünsche der Kollegen und des Kommentatorenduos nahm Raab mit der ihm eigenen Selbstverständlichkeit entgegen.

Überlassen wir daher den letzten Satz dem tapferen Polizisten, der auf Oliver Welkes Frage, ob er geglaubt habe, an Stefan im Heads-up scheitern zu können, antwortete: „Eigentlich nicht."

Bis zum nächsten Mal, und immer dran denken: "Ne Chance auf 'ne Straße hat jeder immer." (Dr. S. Raab)

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Dirk Oetzmann 2010-02-24 15:47:40

Die Redaktion dankt! Eine solche Pokershow ist für einen Redakteur eben eine genauso dankbare Geschichte wie Westerwelle als Außenminister für einen Kabarettisten :)

Patrick 2010-02-24 12:56:36

schließe mich dem an. gratulation! geiler artikel und desaströser abend bei raab. da sieht man, ein funken glück bleibt beim poker und davon hatte raab einen ganzen radlader voll. das glück ist mit den dummen, zu oft und leider!

Alexander 2010-02-23 18:30:40

lol * der geilste Artikel aller Zeiten! Gratz an den Autor .-)
PS. Alles andere ist unkommentierbar... was für ein Desaster auf Pro7....