November Nine Countdown 4: Jeff Shulman

Jeff Shulman

Er ist nicht nur der einzige November Niner, der schon einmal am Finaltisch der WSOP saß, er ist auch der einzige, der sein Bracelet in den Müll werfen will, wenn er es gewinnen sollte. Warum der Mitherausgeber der Zeitschrift CardPlayer so wütend ist und warum er das Bracelet trotzdem behalten wird.

Die Pressepolitik von Harrah's ist ein kontroverses Thema für die Medien. In seiner Eigenschaft als Mitherausgeber und Redakteur der Zeitschrift CardPlayer - neben Bluff das bekannteste Pokermagazin - ist Shulman verständlicherweise unzufrieden. Harrah's handhabt die Medien derartig restriktiv, dass es unabhängigen Vertretern kaum noch möglich ist, mehr über die WSOP zu berichten als wie das Bellagio von außen aussieht.

Dazu Shulman selbst: „Also, ich liebe Poker und ich habe mich für das Main Event registriert in der Hoffnung, es zu gewinnen. Noch wichtiger ist für mich aber, die ganze Branche zu unterstützen und spielerfreundlicher zu gestalten. Dafür muss allerdings eine Menge daran geändert werden, wie die WSOP auf höchster Ebene organisiert wird."

Jeff Shulman
Vorher,...

Ein Medienboykott oder zumindest ein deutliches Zeichen der Medien wäre durchaus angebracht, und Jeff Shulman versucht, ein solches zu setzen. Dass er dafür zum „Bad Boy" des Final Tables gemacht und von vielen Pokerfreunden angefeindet wird, ist für ihn leicht zu verschmerzen, zumindest wenn er gewinnt. Die Aufmerksamkeit, die er bekommen wird, kann durch die Ankündigung, das Armband „in den Müll zu werfen", nur wachsen. Schließlich gibt es so etwas wie negative Publicity nicht, und Shulman weiß das genau.

Seine Kritik ist dennoch zu einem guten Teil berechtigt, und auch während de sMain Events weiß er von Ereignissen zu berichten, die in einem solchen Event nicht passieren dürften. Etwa die Geschichte von einer bildschönen Frau, die an Tag 1 am selben Tisch saß wie Shulman und für ihr Verhalten bestraft worden wäre, wenn sie nicht so gut ausgehen hätte. Zumindest behauptet Shulman, dass der Floorman sich wörtlich so geäußert hat.

Scherz oder nicht, so etwas hat bei der WSOP nichts zu suchen.

Sollte Shulman allerdings nicht gewinnen, wird man ihm jede abwertende Äußerung gegenüber den Veranstaltern als unfaires Nachhaken auslegen, und das könnte seiner Zeitschrift mehr schaden als ihm die zusätzliche Aufmerksamkeit nützt. Außerdem gehört es ja zu seinen Pflichten, zu versuchen, mehr Menschen für Poker zu interessieren, anstatt sie abzuschrecken.

Jeff Shulman
...nachher.

Natürlich wird er das Main Event Bracelet nicht wegwerfen. Zum einen ist dies der wichtigste Preis in der Pokerwelt, und Shulman liebt das Spiel viel zu sehr, um ihm schaden zu wollen. Außerdem hat er sich extra einen Coach angeheuert, der ihn auf den Finaltisch vorbereiten soll, und dabei handelt es sich um keinen Geringeren als Phil Hellmuth, den erfolgreichsten Turnierspieler aller Zeiten.

Offenbar will Shulman auf keinen Fall noch einmal erleben, was ihm im Main Event vor neun Jahren passiert ist. Er ging als massiver Chipleader an den letzten Tisch, erlitt einen Bad Beat und wurde schlussendlich „nur" Siebter. Am Ende setzte sich damals Chris Ferguson die Krone des Weltmeisters auf.

Jeff Shulmans Vater Barry gewann vor einigen Wochen das Main Event der WSOP Europe in London. Bisher gibt es ein Vater-Sohn-Gespann, dass generationsübergreifend WSOP Bracelets gewonnen hat: Doyle und Todd Brunson. Es wäre allerdings das erste Mal in der Geschichte der WSOP, dass Vater und Sohn die beiden Main Events der WSOP gewinnen, und das auch noch im selben Jahr.

Phil Hellmuth
So muss ein Coach aussehen, dann klappt's auch mit dem Bracelet.

Shulman spielt nicht sehr viele Turniere, hat aber in denjenigen, die er spielt, ist er überdurchschnittlich erfolgreich. Zwölf Cashes stehen allein bei WSOP-Turnieren bereits zu Buche, wenn auch noch kein Turniersieg. Seine Preisgelder belaufen sich in Turnieren auf ca. 1,3 Mio. Dollar.

Shulmans Stil ist eher geprägt von ständigen kleinen Stichen als von Hyperaggressivität. Er versucht seiner Gegner nicht möglichst schnell zu erledigen, sondern zermürbt sie über Stunden hinweg, und wenn es sein muss, über Tage.

Vor seinen Gegnern zeigt Shulman deutlich mehr Respekt als gegenüber Harrah's. Nachdem er gesehen hat, wie z. B. Begleiter und Schaffel in den letzten Monaten in internationalen Turnieren abgeschnitten haben, ist ihm klar, dass es nicht leicht wird, sich ganz nach vorne zu spielen.

Im Gegensatz zu allen anderen November Ninern hat sich Shulman seit Juli eine Auszeit genommen und sich ausschließlich um seine Familie gekümmert. Zwischen Tag 8 und unserem Interview hat er sich außerdem entschlossen, sich wieder zu rasieren.

Jeff Shulman

  • Spitzname: nicht bekannt
  • Siegchancen laut WSOP-Umfrage: 5,62%
  • Chips: 19.580.000
  • Seat: 9

Der November Nine Countdown:

  1. November Nine Countdown 10: Apokerlypse Now
  2. November Nine Countdown 9: James Akenhead
  3. November Nine Countdown 8: Antoine Saout
  4. November Nine Countdown 7: Phil Ivey
  5. November Nine Countdown 6: Kevin Schaffel
  6. November Nine Countdown 5: Joseph Cada
  7. November Nine Countdown 4: Jeff Shulman
  8. November Nine Countdown 3: Steven Begleiter
  9. November Nine Countdown 2: Eric Buchman
  10. November Nine Countdown 1: Darvin Moon

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