November Nine Countdown 10: Apokerlypse Now

The July 10
Die July Ten.

Eine Stunde vor dem vorläufigen Ende des WSOP 2009 Main Events sind an Tag 8 noch 12 Spieler im Turnier. Ausscheiden will jetzt niemand, aber drei müssen noch, bevor der Finaltisch feststeht. Der Showdown im Rio Bellagio wird für zwei von ihnen zum Trauma.

Die Chipleader Eric Buchman und Stephen Begleiter üben ständig Druck auf die kleinen Stacks aus. Billy Kopp, der sein Studium für die WSOP unterbrochen hat, spielt seit Tagen in Hochform und war ebenfalls mehrmals der Spieler mit den meisten Chips. Jordan Smith hat in diesem Jahr schon ein Bracelet gewonnen und ist Dritter in Chips. Und Darvin Moon sitzt wie schon seit einer Woche da und trifft und trifft. Einer von ihnen wird gleich zwei der anderen vom Tisch nehmen.

21.56 Uhr, Level 33: $120.000/$240.000, Ante $30.000

Das Grab des Billy Kopp

Es läuft in diesem Sommer wie noch nie für den Mann aus Kentucky. Ein achter und ein elfter Platz stehen bereits zu Buche, satte $130.000, außerdem ein zweiter Platz bei einem WSOP Circuit Event im Mai, der Bayou Poker Challenge in New Orleans. Im Main Event nahm er u. A. Peter Eastgate und Joe Hachem vom Tisch. Mit 20 Mio. Chips liegt Kopp nun komfortabel im Rennen. Er hat viel gewagt und viel gewonnen. Und er ist gerade im Begriff, den Fehler seiner Pokerkarriere zu machen und sich sein eigenes Grab zu schaufeln.

Billy Kopp
Vor dem Entsetzen - Billy Kopp.

Mit 5 3 erhöht Kopp aus früher Position. Er will seine Hand stärker aussehen lassen, als sie ist. Das aggre3ssive Spiel hat sich bisher ausgezahlt, und es hat kaum noch jemand den Mut, um eine großen Pot zu spielen. Kopp versucht das auszunutzen und hat beinahe Erfolg. Der Raise auf 600.000 geht durch bis zum Small Blind. Dort sitzt Darvin Moon, der Alptraum der Profis.

Moon ist nicht der beste Spieler und weiß das auch. Es ist ihm beinahe selbst peinlich. „Egal, was ich spiele, ich treffe alles", sagt er. „Was soll ich machen?" Call. Der Flop fällt K 9 2. Ein einfarbiges Board und daher nicht ungefährlich. Vor allem für die anderen, denkt sich Kopp, der den Flush gefloppt hat. Auf Moons Check setzt Kopp 750.000. Kopp hat keinen Grund, slow zu spielen. Man weiß nie, ob bei Moon nicht das Karo Ass sitzt. Call.

Die 2 auf dem Turn sieht ungefährlich aus, abgesehen davon, dass nun ein Full House möglich ist. Moon checkt noch einmal und Kopp will den Pot jetzt gewinnen. Bet 2Mio. Jetzt geschieht etwas Merkwürdiges: Moon checkraist auf 6 Mio. In diesem Moment hätte Kopp die Schaufel noch wegwerfen können. Ein Bluff des Holzfällers aus Maryland ist hier extrem unwahrscheinlich, ein Full House denkbar, ebenso der höhere Flush. Vielleicht hätte Kopp sich mit einem Call retten können, doch er entscheidet sich fatalerweise dafür, Stärke zu zeigen und geht all-in.

Auch Moon wird sich gefragt haben, ob er einen Fehler gemacht hat, denn die Nuts hielt er bei Weitem nicht. Ein Call bedeutet, den Großteil seiner 25 Mio. Chips aufs Spiel zu setzen, und das kurz vor dem Finaltisch. Aber er fühlt sich gut, denn auch er hat den Flush gefloppt: mit J Q. Vielleicht erkennt er die Gefahr des Full Houses gar nicht, vielleicht sieht er sich einfach vorn. Call.

Kopp sieht sofort, dass Moon nicht nur mehr Chips hat, sondern er auch drawing dead ist. Man sieht Tränen in seinem Gesicht aufsteigen. Er hat gerade sein gesamtes Turnier mit 5-3 verspielt. Noch bevor der bedeutungslose River fällt, springt Kopp auf und stürmt aus dem Casino. Diese Hand wird ihn jedoch sein Leben lang verfolgen, so schnell er auch laufen mag.

22.00 Uhr, Level 33: $120.000/$240.000, Ante $30.000

Der letzte Coin Flip des Jamie Robbins

Robbins kämpft schon seit Stunden als Shortstack um sein Turnierleben. Es ist bereits sein vierter Cash bei dieser WSOP, und es wird auf jeden Fall der mit Abstand größte. Was Robbins nun braucht, ist eine Chance. Drei Stunden zuvor hatte er mit Assen gegen Akenheads K-Q verloren. Danach ging es bergab.

Jamie Robbins
Jamie Robbins knackt die Asse.

Vor einer Stunde hatte er noch 1,4 Mio. und war abgeschlagen Letzter. Dann kamen Pocket Zehnen. Keine Frage, was zu tun war: all-in. Joe Cada callt und lächelt: A-A. auf dem Board K-6-2-5 ist Robbins erledigt, in Gedanken schon draußen auf der Straße, mit dem Autoschlüssel in der Hand. River: T. Boom!

Robbins hat vor seiner Verdopplung Ludovic Lacay gehen sehen und Nick Maimone, nun stehen auch Ben Lamb und James Calderaro auf. Bis auf Lamb hatten alle weit mehr Chips als er. Und dann die Hand, in der Kopp ausscheidet. Ein $40.000.000 Pot! Schwindelerregend.

Während Moon noch seine Chips stapelt, erhält Robbins K Q. Bei noch elf Spielern und 2,3 Mio. Chips Grund genug für ein All-in. Es ist Phil Ivey, der sich Robbins genau ansieht und den Call annonciert. Mit A T. Die Hand ist Ivey ein Drittel seiner 6,3 Mio. wert. Er behält Recht.

Auf dem Rainbow-Board erscheint keine Karte, die höher als eine Acht ist, und Robbins kann sich immerhin ohne Selbstvorwürfe verabschieden, auch wenn er die spontane Enttäuschung erst überwinden muss.

22.59 Uhr, Level 33: $120.000/$240.000, Ante $30.000

Zu viele Asse für Jordan Smith

Bei nur noch zehn Spielern wird der letzte Tisch eröffnet, auch wenn am Final Table offiziell nur neun Spieler sitzen. Es dauert eine Weile, bis die Auslosung durchgeführt und die Chips verteilt sind - immerhin sind es in diesem Jahr über 190 Mio.!

Jordan Smith
Gewann sein Bracelet ohne Ass - Jordan Smith.

Für Jordan Smith ist es das beste Jahr seiner Karriere. Er hat schon zwei Turniere gewonnen, eins davon erst vor zwei Wochen bei dieser WSOP, das andere bei der WPT im Januar. Mit 15,4 Mio. Chips ist er jetzt fünfter von zehn und kann den Abend in Ruhe zu Ende spielen. Begonnen hatte er als 19. Von 27. Auf den mittlerweile komplett gefüllten Rängen herrscht atemlose Spannung.

Aber das Schicksal scheint Größeres mit ihm vorzuhaben: Schon nach wenigen Händen findet er Pocket Asse und erhöht auf 650.000. Leider will niemand mitspielen. Robbins ist enttäuscht, wie oft bekommt man eine solche Chance schon? Immerhin kann Smith gleich in der nächsten Hand noch einmal die Blinds und Ante mitnehmen.

Manchmal meinen es die Karten gut mit einem, muss sich Smith gedacht haben, als er nur 20 Minuten später im Small Blind wieder zwei Asse vor sich liegen hat: A A Vor allem, weil Buchman vor ihm erhöht und Moon vom Button aus bezahlt hat. Dieses Mal kann niemand eine bessere Hand halten. Also Re-Raise auf 2,6 Mio. und den Pot entweder mitnehmen oder nur gegen einen Gegner spielen.

Buchman verabschiedet sich, aber Moon geht mit. Über sechs Mio. im Pot. Jetzt stellt Smith die Falle. Auf dem Flop 8 4 2 kann eigentlich nichts schiefgehen. Abgesehen von einem möglichen Flush Draw, für den Smith ja den Re-Draw zu den Nuts hätte, ist dieser Flop so ungefährlich wie nur möglich.

Tatsächlich lässt sich Moon nach Smiths Check zu einer Bet von 4 Mio. hinreißen. Der richtige Moment für ein All-in. Jetzt muss der Holzfäller wegwerfen. Eigentlich. Es ist nur so, dass Moon keine guten Karten braucht. Er trifft alles. Z. B. ein Set Achten mit 8 8.

Smith ist nicht der erste Spieler des WSOP Main Events, der mit Assen ausscheidet (in diesem Jahr ging dies u. A. auch Phil Hellmuth so), aber in dieser Situation in so kurzer Zeit zweimal Pocket Asse zu bekommen und damit zwei solche Ergebnisse zu erzielen, macht seine Eliminierung zu einem tragischen Höhepunkt.

Der neue Chipleader Darvin Moon gewann nur in den beiden Händen gegen Kopp und Smith 35 Mio. Chips, genauso viele, wie der Zweitplatzierte Eric Buchman insgesamt hält.

Der November Nine Countdown:

  1. November Nine Countdown 10: Apokerlypse Now
  2. November Nine Countdown 9: James Akenhead
  3. November Nine Countdown 8: Antoine Saout
  4. November Nine Countdown 7: Phil Ivey
  5. November Nine Countdown 6: Kevin Schaffel
  6. November Nine Countdown 5: Joseph Cada
  7. November Nine Countdown 4: Jeff Shulman
  8. November Nine Countdown 3: Steven Begleiter
  9. November Nine Countdown 2: Eric Buchman
  10. November Nine Countdown 1: Darvin Moon

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