November Nine Countdown 1: Darvin Moon

Darvin Moon

Sechzig Millionen - eine 6 mit sieben Nullen - Chips hat der Mann, der als Führender an den Finaltisch geht. Es handelt sich nicht etwa um einen erfahrenen Profi, sondern um einen Holzfäller aus Maryland. Was für den Leser merkwürdig klingt, ist für den Chipleader vollkommen unerklärlich.

Es scheint, als sei niemand überraschter über Moons Abschneiden bei diesem Main Event als er selbst. Er bezeichnet sich als „Kleinstadtmensch", und das möchte er auch bleiben. Mit entwaffnender Offenheit erklärt Moon wiederholt in Interviews, dass er sich für einen der schlechteren Spieler des Turniers hält.

Über 6000 der Spieler seien besser als er, führte Moon aus, und auch an den Tischen wies er gerne darauf hin, dass er sich seiner Schwäche bewusst sei. „Sobald es hier wirklich ums Karten spielen geht, seid Ihr mir so weit voraus, dass ich keine Chance habe ... Mit den Karten, die ich bekomme ist es einfach. Wie schwer ist es, Asse und Könige zu spielen ... Einmal ging ich mit Damen gegen Asse all-in und flopp Quads ... Die ganze Woche war es einfach unglaublich, was ich für Karten bekommen habe."

Moons Understatement geht soweit, dass man denken könnte, es sei nur eine Masche. Immerhin hat auch er versucht, mit 2-3 Blinds zu stehlen, und wenn er Poker normalerweise auch nur in seinem kleinen heimeligen Club spielt, ist er doch ein erfahrener Spieler.

Das Kartenglück, von dem er spricht, existiert allerdings tatsächlich. Auch wenn die ESPN-Episoden bei Weitem nicht alle Hände zeigen, sieht man doch, dass niemand sooft mit Königen und Assen aufwacht wie Darvin Moon. Hinzu kommen reihenweise gefloppte Sets (wie in der letzten Hand der July Ten, als Moon ein Re-Raise vom SB mit Pocket Achten gegen Smiths Asse bezahlte und tatsächlich einen Flop 8-4-2 traf. Ein Flop, aus dem Smith einfach nicht herauskommen konnte.) oder Hände wie A-J auf einen Flop K-Q-T.

Moon selbst scheint es geradezu peinlich zu sein, so vom Glück verfolgt zu werden.

Wenn es je einen Spieler gegeben hat, von dem man erwartet, dass er auch einen großen Chipvorsprung noch verspielt, ist das Darvin Moon. Interessanterweise gehört er selbst zu seinen größten Kritikern. Andererseits spielt Moon im wahrsten Sinne frei auf. Er  weiß, dass er kein High-Stakes-Spieler ist und dass er in eine Welt hineinblickt, in die er nicht gehört. Auszuscheiden könnte er wohl am besten von allen neun Spielern verkraften.

Er ist in diesem Jahr, was Dennis Phillips letztes Jahr war. Und es könnte ihm genauso ergehen. Er kommt mit einem großen Vorsprung an den Tisch, macht zwei oder drei Fehler, verliert einen großen Batzen seiner Chips und wird nervös. Phillips gelang es im letzten Jahr, wieder zurückzukommen und immerhin Dritter zu werden. Platz drei liegt natürlich auch für Moon in Reichweite.

Kaum vorstellbar allerdings ist, dass er tatsächlich das Turnier gewinnt. Und sollte der Fall eintreten, welche Folgen hätte das für die Pokerbranche?

Auf der einen Seite wäre er wohl nur ein höchst mittelmäßiger Botschafter, der nicht allzu viel Geld reinvestieren würde, und man kann ihn sich auch nicht recht auf Reisen nach Europa, Australien oder in die Karibik vorstellen. Moon, der weder Computer noch Email-Adresse besitzt, hat bis heute jede Art von Sponsoring abgelehnt. Das ehrt ihn, macht ihn aber für Investoren uninteressant.

Andererseits ist Moon ein typischer Durchschnittsamerikaner, und wenn er ein Main Event gewinnen kann, an dessen Finaltisch auch Phil Ivey sitzt, dann kann es jeder gewinnen. Vermutlich würde eine Welle von Ostküstenwaldarbeitern plötzlich die Casinos überschwemmen.

Darvin Moon

  • Spitzname: Dennis Phillips
  • Siegchancen laut WSOP-Umfrage: 6,57%
  • Chips: 58.930.000
  • Seat: 1

Der November Nine Countdoen:

  1. November Nine Countdown 10: Apokerlypse Now
  2. November Nine Countdown 9: James Akenhead
  3. November Nine Countdown 8: Antoine Saout
  4. November Nine Countdown 7: Phil Ivey
  5. November Nine Countdown 6: Kevin Schaffel
  6. November Nine Countdown 5: Joseph Cada
  7. November Nine Countdown 4: Jeff Shulman
  8. November Nine Countdown 3: Steven Begleiter
  9. November Nine Countdown 2: Eric Buchman
  10. November Nine Countdown 1: Darvin Moon

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