Sechs Wege, einen TAG-Fisch zu schlagen (und keiner zu werden)

Anfänger lernen sehr früh, dass „tight-aggressive“ – kurz TAG - der richtige, ja der optimale Spielstil ist.

Zu diesem Stil gehört, dass man seine Hände sorgfältig auswählt (also tight spielt) und seine guten Hände aggressiv durchzieht.

Das Problem dabei ist allerdings, dass die meisten Spieler ihre Strategie aus Büchern lernen, also nur in der Theorie beherrschen.

Soll heißen, sie spielen „wie“ ein TAG, aber sie wissen aber nicht, warum sie das tun, was sie tun.

Das führt dazu, dass man einen leicht ausrechenbaren ABC-Stil annimmt.

Diese Spielerkategorie ist nicht in der Lage, sich auf die Gegner einzustellen und macht viele Fehler. Deshalb nennt man sie auch TAG-Fische.

Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Sie selbst in diese Kategorie fallen, dann lesen Sie hier die Sieben Eigenschaften, die Sie zu einem TAG-Fisch machen.

Wie man einen TAG-Fisch erkennt

mike halioua 27115
Es gibt nicht mehr so viele Fische.
 

Poker wird zunehmend schwieriger, denn es sitzen immer mehr Regulars und immer weniger Fische an den Tischen. Das gilt für Online-Poker noch mehr als für Live-Poker). Wenn Sie trotzdem profitabel spielen wollen, müssen Sie lernen, die Regulars und die Fische zu schlagen.

Der TAG-Stil wurde entwickelt, um die Fische auszunehmen. Noch vor ein paar Jahren gab es so viele schlechte Spieler, dass es ganz einfach war, sich von den Regulars fernzuhalten. Die Fische warfen mit ausreichend Geld um sich, um alle zufriedenzustellen.

Diese Zeiten sind jedoch vorbei, und heute kann man die Regulars weder umgehen noch ignorieren.

Vielmehr muss man die TAG-Fische als solche identifizieren lernen und mit ihnen Geld zu machen.

Ein TAG-Fisch ist nicht so leicht zu erkennen wie ein normaler Fisch. Es reicht nicht, sich nur die VP$IP (= „voluntarily puts money in pre-Flop“) und PFR (= „pre-Flop Raise“) Raten anzusehen und zu sagen: „Aha, das muss ein TAG-Fisch sein.“

Man muss sehr genau aufpassen. Wenn Sie als Regular gegen einen Regular antreten, ist die Chance ziemlich groß, dass Sie beide häufig dieselben Partien spielen.

Also seien Sie wachsam und machen Sie sich Notizen. Informationen sind für den Erfolg entscheidend.

Sechs typische Kennzeichen eines TAG-Fisch

Dies sind die häufigsten Merkmale:

  • Regelmäßige C-Bets auf dem Flop, aber nicht mehr danach.
  • Ständige Wiederholung desselben Musters ohne Variation.
  • Überschätzen der Implied Odds.
  • Zu looses Spiel aus den Blinds und früher Position.
  • Hang zum Tilt
  • Gleiche Spielstrategie gegen alle Gegner.

Wie man einen TAG-Fisch schlägt (und was man tut, wenn man selbst der TAG-Fisch ist)

1) Den richtigen Zeitpunkt erkennen

Der schwierigste Teil unserer Anti-TAG-Fischstrategie besteht darin, die Schwächen unseres Gegners genau zu bestimmen.

Es hängt uns und Ihnen wahrscheinlich schon zum Hals heraus, aber wir müssen es trotzdem noch einmal sagen: Passen Sie auf!

dario minieri 16688
Regeömäßige 3-Better sind leicht zu schlagen.
 

Die Zeiten sind vorbei, in denen man ohne groß nachzudenken zehn Tische spielen konnte. Man muss ständig auf der Hut sein.

Sie wollen das Geld Ihres Gegners und er will Ihres. Also bleiben Sie einen Schritt voraus und achten Sie auf jede Kleinigkeit.

Serien-C-Better und Einfach-Barreler kann man relativ leicht überlisten.

Achten Sie darauf, auf welchen Boards der Gegner setzt. Bezahlen Sie den Flop und schnappen Sie sich den Pot auf dem Turn, indem Sie setzen, wenn er checkt.

Ein gutes Bespiel sind Boards mit einem Ass. Sie eignen sich hervorragend für C-Better, aber auch viele andere Spieler nutzen eine solche Chance für eine Bet.

Notieren Sie sich, wie häufig Ihre Gegner noch aufgeben, nachdem sie den Flop eines Boards mit einem Ass gesetzt haben. Sollten sie zu häufig auf dem Turn checken, können Sie den Pot relativ einfach gewinnen.

Das gilt auch für alle anderen Boards. Achten Sie auf Bets, C-Bets und die zweite Barrel. Welche Hand benötigt der Gegner, um zwei Mal setzen zu können?

Mit dieser Information können Sie leichter entscheiden, ob Sie ein zweites Mal bezahlen möchten, obwohl Sie vielleicht nur eine schwache Made Hand halten.

*** Wenn Sie der TAG-Fisch sind:

Werden Sie sich darüber klar, dass Sie nicht immer einfach c-betten und dann aufgeben können.

Manchmal müssen Sie eine Hand aufgeben, ohne weiter zu setzen, vor allem dann, wenn Sie zu häufig in Floats laufen.

In anderen Situationen müssen Sie ein zweites Mal feuern, also sehen Sie sich die Statistiken Ihres Gegners an (dafür benötigen Sie eine Poker-Tracking-Software) und achten Sie vor allem auf die Quote der Folds auf eine zweite Barrel.

Zeigt der Gegner Schwächen und gibt zu häufig auf, dann wissen Sie, was Sie zu tun haben.

2) Statisches Spiel ausnutzen

Ein typischer Tag-Fischfehler ist die Angewohnheit, immer nach demselben Muster vorzugehen.

Beispielsweise gibt es Spieler, die auf jedem Board mit einem Ass setzen, aber auf dem Turn nicht fortsetzen, wenn sie kein Ass halten.

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Ich weiß, was du in der letzten Hand gespielt hast.
 

Weitere Beispiele:

- Ein Spieler, der auf einem trockenen Board immer bezahlt und den Turn erhöht, wenn er ein Set hält.

- Ein Spieler, der immer den Flop erhöht, wenn er zum Nut Flush Draw zieht und dann auf dem Turn checkt, wenn der Draw nicht ankommt.

Solche Spieler gibt es reihenweise. Wahrscheinlich spielen sie mehrere Tische und passen nicht wirklich auf.

Sie spielen ihr Schema durch, weil es funktioniert und weil sie nicht wissen, oder es ihnen egal ist, dass gute Spieler das bemerken und sich entsprechend anpassen.

Also passen Sie auf und reagieren Sie. Wenn diese Spieler immer auf dieselbe Weise agieren, sollten Sie nach ein paar tausend Händen in der Lage sein, sie auf eine ziemlich genaue Range setzen können und entsprechend reagieren.

Wenn der Gegner mit seinem Set also immer den Flop nur bezahlt und dann auf dem Turn erhöht, setzen Sie nur fort, wenn Sie die Nuts oder beinahe die Nuts halten.

Um solche Fehler ausnutzen zu können, müssen Sie das Spiel Ihres Gegners durschauen und sich darauf einstellen. Also nehmen Sie sich die Zeit, in Ihrem Hold’em-Manager nachzusehen, wie die Gegner auch gegen andere Spieler gespielt haben.

Je mehr Sie über Ihre Gegner wissen, desto besser werden Sie gegen sie spielen.

Schon bald können Sie zu Folds und Calls greifen, die gegen einen unbekannten Gegner nicht möglich wären. Machen Sie Ihre Hausaufgaben, sie sind eigentlich ganz einfach.

*** Wenn Sie der TAG-Fisch sind:

Machen Sie sich klar, dass sie eine Hand nicht immer gleich spielen können.

Sie sind sonst leicht auszurechnen und ein einfacher Gegner. Ein Grundmuster zu haben ist gut, aber man muss auch in der Lage sein, zu variieren.

Wenn Sie gewisse Spielzüge immer wiederholen, machen Sie es dem Gegner leichter. Wechseln Sie die Strategie, damit Ihre Gegner nie genau wissen, woran sie sind.

3) Angekommene Draws nicht auszahlen

TAG-Fische neigen dazu, die Implied Odds zu überschätzen. Sie bezahlen zu häufig mit Gutshots und schwachen Flush Draws und erwarten dann, ausgezahlt zu werden, wenn sie treffen.

Ihr Problem ist, dass sie nicht oft genug treffen. Und wenn sie es tun, werden sie nicht oft genug ausgezahlt, um die vorhergehenden Calls zu rechtfertigen.

Kurz gesagt, sie verlieren Geld.

jose ramon ponce mohamed 23702
Zahlen Sie den TAG-Fisch nicht aus.
 

Solche Spieler sind relativ einfach zu schlagen. Zahlen Sie sie nicht aus, wenn sie ihre Draws treffen.

Man gewinnt hier schon, wenn man einfach mit guten Händen setzt und die Gegner ohne Odds drawen lässt.

Außerdem sollte man gegen dies Spieler eine zweite Barrel ansetzen, denn sie bezahlen gerne eine Bet auf dem Flop, aber oft keine zweite auf dem Turn.

*** Wenn Sie der TAG-Fisch sind:

Sie sollten Implied Odds nicht überbewerten. Nur wenn Ihr Gegner ein LAG-Fisch ist, sind diese wirklich gegeben.

Treten Sie aber gegen einen Regular an, ist das wahrscheinlich nicht der Fall.

Anstatt hier passiv zu callen und dann zu folden, wenn man nicht trifft, sollten Sie solche Hände als Semi-Bluffs spielen. Nutzen Sie den Draw als Plan B und erhöhen Sie.

Im Idealfall wird der Gegner folden, der Draw ist dann erst Plan B. Sollte er nämlich bezahlen, könne Sie immer noch treffen.

4) Mehr 3-Bets, mehr Barrels

Ein TAG-Fisch spielt aus früher Position und aus den Blinds oft zu loose. Hält ein TAG-Fisch UTG 5 6, denkt er, das ist eine schöne Hand, und erhöht.

Tischdynamik spielt in diesem Denken keine Rolle. Mit dieser Hand erhöhen sie sonst auch, und wo kämen wir hin, wenn wir das jetzt nicht mehr machen.

tom dwan4
Loose Spieler müssen bestraft werden.
 

Solche Spieler gehören bestraft. Dafür erhöhen Sie Ihre 3-Bet-Rate oder bezahlen häufiger vor dem Flop, um dann den Pot zu stehlen, wenn der Gegner den Flop verfehlt, was häufig der Fall sein wird.

Auch die Spieler, die zu häufig ihre Blinds verteidigen, sind lohnenswerte Ziele. Sie spielen zu viele schwache Hände, die sich auf dem Flop kaum verbessern.

Schwache Hände sind sogar in Position schwer zu spielen, ganz zu schweigen ohne Position. Machen Sie Ihrem Gegner das Leben schwer, indem Sie häufiger feuern und sie mit ihren schwachen Händen aus dem Pot drängen.

Sollte der Gegner sich anpassen, indem er häufiger callt, sollten Sie tighter werden und sich mehr auf Value Bets verlegen.

*** Wenn Sie der TAG-Fisch sind:

Achten Sie mehr auf die Tischdynamik, bevor Sie aus früher Position eröffnen. Sitzen Sie an einem Tisch mit vielen aggressiven 3-Bettern, verabschieden Sie sich lieber von der Idee.

An einem tighten Tisch mit wenigen Spielern, die zu 3-Bets neigen, sind Raises aus früher Position eher erfolgreich.

Entscheidend ist, dass Sie herausfinden, wann Sie loose eröffnen können und wann nicht.

Wenn Sie in den Blinds sitzen, denken Sie daran: Jedes Mal, wenn Sie eine 3-Bet vor dem Flop callen, bezahlen Sie dafür ohne Position weiterspielen zu dürfen.

Ohne Position zu spielen ist extrem schwierig – vor allem mit schwachen Händen. Spielen Sie aus den Blinds und in früher Position lieber tighter.

Wenn Sie loose spielen wollen, dann warten Sie zumindest darauf, in Position zu kommen.

5) Auf die Tilter achten

Tilt ist ein böses, grünäugiges Monster.

Ein Regular, der schnell auf Tilt ist, wenn ein paar Hände nicht so laufen, wie er will, ist nichts anderes als ein TAG-Fisch.

Halten Sie die Augen offen. Ändert ein Spieler nach ein paar verlorenen Pots plötzlich seine Spielweise, dann stellen Sie sich darauf ein.

Möglicherweise hat sich ein Niot gerade in einen Maniac verwandelt.

mike matusow3
Tilt ist ein böses, grünäugiges Monster.
 

Manchmal zeigt sich Tilt auch auf andere Weise. Manche Spieler lassen sich nicht verrückt machen, eröffnen aber jede Hand und versuchen zu bluffen. Sie greifen nach jeder sich bietenden Chance.

Wieder andere Spieler entscheiden sich plötzlich zu Calls, wo sie sonst folden würden. Andere wiederum werden ganz tight.

Es ist entscheidend, dass Sie erkennen, welchem Spielertyp Sie gegenübersitzen, damit Sie entsprechend darauf reagieren können.

*** Wenn Sie der TAG-Fisch sind:

Realisieren Sie Ihren Tilt. Geben Sie es zu, wenn es passiert. Das ist er erste Schritt zur Besserung.

Tilt ist das Ende Ihres A-Games. Das ist eine alte, aber wichtige Weisheit.

Wenn Sie Ihr A-Game nicht spielen können, spielen Sie gar nicht.

Es gibt immer eine neue Partie. Spielen Sie dann, wenn Sie wieder Ihr Bestes geben können.

6) Lernen, verstehen, anpassen

Ein TAG-Fisch spielt gegen alle Gegner gleich.

Ihn kümmert es nicht, welchen Stil sie spielen. Für ihn gibt es, wenn überhaupt, nur drei Kategorien:

  • den Nit
  • den Fisch
  • den guten Spieler

Innerhalb dieser Kategorien machen Sie keine Unterschiede. Aber es gibt nicht einmal zwei gleiche Spieler. Jeder hat seine kleinen Eigenheiten.

Wer gegen jeden Gegner gleich spielt, macht einfach nur immer die gleichen Fehler.

Um gegen solche Spieler zu bestehen, müssen Sie in der Lage sein, anders zu spielen. Gerade gegen solche Spieler.

patrik antonius3
Lernen, verstehen, massieren, konzentrieren.
 

Analysieren Sie den Spielstil Ihres Gegners, auch wenn es Zeit und Arbeit kostet. Suchen Sie nach Schwachpunkten und nutzen Sie sie aus. Dadurch unterscheiden sich die guten Spieler von den durchschnittlichen.

Sie müssen lernen, verstehen und sich anpassen.

Wenn Sie das beherrschen, schlagen Sie nicht nur die Nits und die Fische, sondern sogar einige der richtig guten Spieler.

*** Wenn Sie der TAG-Fisch sind:

Behandeln Sie jeden Spieler auf eigene Weise. Lernen Sie die Spielweisen der Gegner kennen und machen Sie sich klar, warum diese so spielen, wie sie spielen.

Jer mehr Sie über Ihre Gegner wissen, desto besser können Sie gegen sie spielen. Seien Sie aufmerksam und achten Sie auf Kleinigkeiten.

So einfach ist das.

Zusammenfassung

Es gibt keinen einfachen Weg, einen TAG-Fisch zu schlagen. Es ist eine Menge Arbeit.

Sie müssen sich von einem passiven zu einem aktiven Spieler entwickeln und dabei die Spielweise der anderen beobachten und verstehen.

Ein TAG-Fisch lehnt sich zurück und wartet auf die Fische. Regulars hofft er durch Cooler zu schlagen. Gewinner spielen aktiv Poker.

Sie suchen nach Schwachstellen in der gegnerischen Spielweise, und Sie versuchen, diese aktiv auszunutzen.

Poker ist kein Spiel, bei man nur die Hände spielt, in die man involviert ist. Auch bei den Händen, in denen man nicht mitspielt, muss man auf die Kleinigkeiten achten und Informationen sammeln.

Information ist ein scharfes Schwert. Wer mehr Informationen sammelt als der Gegner, gewinnt.

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toyberg 2012-10-06 18:54:49

Um beim Cashgame nicht durch Bad Beats ausgesuckt zu werden, gibt es seit neuestem eine Versicherung. Man bekommt immer den mathematisch korrekten Betrag von einem Pot, egal ob man die Hand gewinnt oder verliert. Wie das geht? Schau einfach mal nach. Ein Test mit Spielgeld ist auch möglich.


http://bit.ly/SzPS9L