Niki Jedlicka: „Nach 2007 war alles wie ein Freeroll“

Niki Jedlicka

Der Wiener Niki Jedlicka ist innerhalb der deutschsprachigen Pokerszene eine Legende. 2007 machte er auf den Online-High Stakes – als 20-Jähriger – in nur fünf Monaten 3,5 Millionen Dollar Gewinn und war danach nicht mehr wirklich zu fassen. Meist war von ausgedehnten Reisen, abenteuerlichen Lebensentwürfen und ultrateuren Live-PLO-Cash-Game-Partien zu hören. Bei der EPT wollte er – der Lokalmatador - erst gar nicht antreten und entdeckte dann doch seine Liebe zu NLHE-Turnieren neu. Wir sprachen mit ihm über das Heads-up im Eureka High Roller Event gegen Eugene Katchalov, seine weitere Lebensplanung und warum er in Rozvadov nicht gegen Leon Tsoukernik antreten will.

PZ: Niki, man hat dich seit Ewigkeiten nicht mehr auf einer EPT gesehen. Was hat dich hier in die Hofburg gelockt?

NJ: Ich wollt mir erst nur die Location ansehen. Und dann hab ich im Eureka-Main Event so viele bekannte Gesichter gesehen, dass ich doch Lust bekam zu spielen.

Und obwohl ja Turniere und No Limit Holdem schon lange nicht mehr mein Ding sind, hat mir das dann doch soviel Spaß gemacht, dass ich auch den High Roller gespielt habe ...

PZ: Wo du im Heads Up auf Eugene Katchalov getroffen bist – einen der besten Live-Turnierspieler der Welt. Fehlt dir dafür mittlerweile nicht ein bisschen die Erfahrung?

NJ: Ich habe immer viel aus dem Bauch heraus gespielt und außerdem halte ich mich – ohne arrogant zu sein – für den besseren Live-Spieler als Katchalov. Besonderen Respekt hatte ich also nicht.

PZ: Du warst mit 20 schon Poker-Millionär und danach – nach eigener Aussage - nie wieder richtig pleite. Fehlt einem da – bei diesen vergleichbar überschaubaren Preisgeldern – nicht auch irgendwann die Motivation?

NJ: Ich hab mich nie groß mit Poker-Theorie beschäftigt und wohl auch über weite Strecken ein übles Bankroll-Management gehabt.

Aber ich konnte mich immer auf mein Talent und vor allem auf meinen Ehrgeiz verlassen.

Niki Jedlicka
Heads-up gegen Eugene Katchalov in Wien.

Da geht es dann in so einem Moment nicht mehr ums Geldverdienen, sondern darum den Anderen, mit hochklassigem Poker in die Knie zu zwingen.

PZ: Hier in Wien war eine teure PLO Cash Partie im Gange. Da hast du nicht gefehlt?

NJ: Natürlich nicht. Wir haben da mehrere Tage teilweise bis früh fünf Uhr gespielt. Manchmal Full Ring manchmal auch nur zu viert.

Die Limits lagen am Anfang bei $50/$100 später bei $100/$200. Ich hab ganz gut gewonnen. Mehr will ich dazu nicht verraten.

PZ: Das ist ja ein bisschen deine Welt: die hohen Live-PLO Cash Games. Du wirst eine Menge Einladungen zu privaten Runden erhalten. Wann wird eine solche Partie interessant für dich?

NJ: Die Limits sollten schon entsprechend hoch sein. Aber mir geht es auch um den Spaß.

Und wenn da zwei, drei Leute dabei sitzen, die sich den möglichen Verlust nicht leisten können, ist es schnell vorbei mit den berühmten „good vibes“.

PZ: Dann wärst du doch der richtige Kandidat für ein Heads-up gegen Leon Tsoukernik im Kings Casino. Man hört ja immer wieder, dass sich da schon einige Top Pros die Finger verbrannt haben sollen.

NJ: Für meine Begriffe, zu viele. Ich hab gar keine Anhaltspunkte dafür, dass es da nicht mit rechten Dingen zugehen könnte.

Aber mit einem Casino-Besitzer in seinem eigenen Casino um solche Summen zu spielen, halte ich grundsätzlich für problematisch.

PZ: Dann bleibst du lieber in Wien? Wo kann man denn hier richtig gut High Stakes Cash Games spielen?

NJ: Im Casino Wien gibt es seit Kurzem regelmäßig eine Cash Game High Roller-Woche namens „Cercle Prive“.

Nikolaus Jedlicka
Niki Jedlicka bei den Aussie Millions 2008 - "ich hasse Vegas".

Da kann man täglich €50/€50 PLO und NLHE und €50/€100 Seven Card Stud spielen. Das ist ausgezeichnet organisiert.

Und da tauchen dann neben einigen Geschäftsleuten auch die jungen deutschen Pros auf, die hier in der Stadt wohnen.

PZ: Von denen du einige kennst?

NJ: Ja, nicht alle. Aber mit Thomas Mühlöcker gehe ich seit langem ins Freibad uns spiele mit ihm auch in einer Freizeitmannschaft Fußball.

Und nun habe ich auch schon Kilian Kramer besser kennen gelernt. Die beiden wohnen ja hier mit Martin Finger und Timo Pfützenreuter in einer WG.

PZ: Genießt du bei diesen Legendenstatus? Immerhin hast du dich schon mit den Besten der Welt gemessen und ihnen Millionen abgenommen, als die meisten Anderen noch gar nicht an Poker gedacht haben.

NJ: Das wird immer total übertrieben. Online ist das sowieso total virtuell mit der Berühmtheit.

Und Live war es so, dass ich mich hauptsächlich im Concorde aufgehalten habe. Da war es normal, dass man sich kennt.

Jetzt zur EPT bin ich allerdings zweimal in der Öffentlichkeit von mir völlig fremden Menschen angesprochen wurden. Das hab ich so lange nicht erlebt.

PZ: Wenn du dir heute die jungen Spieler ansiehst, kommst du dir da nicht manchmal vor, wie aus einer anderen Zeit?

NJ: Na ja, ein bisschen schon. Poker hat mich früh sehr reich gemacht. Nach dem extrem erfolgreichen Jahr 2007 hat sich Poker für mich eigentlich wie ein permanentes Freeroll angefühlt.

PZ: Keine Motivation noch mehr Geld zu machen, um noch mehr Optionen im Leben zu haben?

NJ: Diese Gedanken schleichen sich tatsächlich langsam ein. Früher war bei mir alles über 100.000 Dollar Spielgeld.

Doch ich richte gerade meine neue Wohnung in Wien ein. Und dann sieht man diese ganzen, sehr schönen und teilweise extrem teuren Möbel.

Und da ertappe ich mich schon ab und zu dabei, wie ich darüber nachdenke, in welcher Partie ich mir diesen bestimmten Schrank oder jenen besonderen Tisch erspielen könnte.

Leon Tsoukernik
Leon Tsoukernik - grundsätzlich problematisch.

PZ: Und was bringt die Zukunft?

NJ: Für einen richtigen Beruf ist es irgendwie zu spät. Momentan mache ich nicht viel, außer Reisen, ein bisschen nach den Investitionen sehen und zuweilen Poker zu spielen.

Allerdings entfache ich gerade ein bisschen Feuer für ein interessantes Projekt. Dazu werde ich allerdings jetzt noch nichts sagen.

PZ: Keine WSOP in Las Vegas?

NJ: Ich hasse Las Vegas und war nur einmal -  zwei Tage im Herbst – da. Die World Series wird wohl auch 2014 auf mich verzichten müssen.

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