Nichts geht mehr im Land der Zaren

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Ende der Vorstellung.

In Russland wurden am 1. Juli 2009 fast alle Casinos geschlossen. Dabei hat Russland Poker erst 2007 als Sport anerkannt. Nun sollen vier Gaming-Zonen eingerichtet werden. Die liegen aber ungünstig und sind noch lange nicht fertig. Fallbeispiel für die Zukunft oder eine Posse aus der Taiga?

Dass Putin ein erklärter Gegner jeder Form von Glücksspiel ist, war den Teilnehmern der Konferenz bekannt. Seinerzeit nannte er „psychosoziale Gründe" als Grundlage des Verbots. Reicht das aber als Rechtfertigung dafür, einen ganzen Industriezweig abzuwürgen? Bei der „Eelex 2009", die kürzlich in Moskau stattfand, diskutierten Staatsvertreter und Repräsentanten der Gaming-Branche über die Zukunft ihres Berufsstands und die wirtschaftlichen Konsequenzen in Russland. Der Stein des Anstoßes: Landesweit wurden alle Casinos am 1. Juli 2009 geschlossen. Die Basis dieser Entscheidung ist ein Gesetz (Bundesgesetz Nr. 244), das im Jahr 2006 erlassen wurde und der Kontrolle des Glücksspiels dienen soll.

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Ernüchterung bei der Eelex 2009.

Russische Geografie

Die Positionierung der vier „Glücksspielzonen", in denen auch zukünftig gespielt werden darf, mutet teilweise bizarr an: Neben der Exklave Kaliningrad an der Ostsee wurden die Region Kuban am Schwarzen Meer, ein Teil des Altai-Gebirges im südwestlichen Sibirien und ein Teil der Pazifikküste im Fernen Osten ausgewählt. In keiner der Regionen ist die erforderliche Infrastruktur vorhanden, abgesehen von der „Siberian Coin" genannten Region im Altai-Gebirge wurde mit dem Bau der Casinos noch nicht einmal begonnen. Dafür finden sich leider keine Investoren, die sich für die zwar landschaftlich reizvolle, aber einsame Region als Gaming-Metropole interessieren. Ebenso wie der Fernost-Region fehlt es an Straßen sowie Wasser- und selbst Stromanbindung. Die russische Regierung schätzt die Kosten des gewaltigen Projekts auf insgesamt ca. 730 Milliarden Rubel (ca. 1,9 Milliarden Euro).

Potenzielle Investoren gibt es aber nur für Kaliningrad und das Schwarze Meer. Alle anderen Regionen sind selbst den Russen schlicht zu abgelegen. „Da ist es ja billiger und schneller, nach Tiflis, Tallinn oder Riga zu fliegen, als den vierstündigen Flug nach Barnaul zu unternehmen und dann weitere vier Stunden im Auto zu sitzen, um ins Altai zu fahren", kommentierte Samoil Binder von der Russischen Gesellschaft für die Entwicklung der Glücksspielindustrie stellvertretend für seine ebenfalls skeptischen Kollegen. Binder schätzte, dass die Regionen bei positiver Entwicklung frühestens in 35 Jahren profitabel sein werden.

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Vier Gaming-Enklaven im Riesenreich.

Poker nur mit Schiedsrichter

Im Jahr 2007 wurde Poker durch das russische Sportministerium offiziell als Sport anerkannt. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Form von Poker auch als Sport angesehen wird. Vielmehr verläuft die Grenze zwischen Sport und Glücksspiel in Russland fließend. Deshalb werden reine „Poker Clubs" auch in Zukunft in Russland geduldet. Allerdings gilt es, dafür eine Reihe von Auflagen zu erfüllen. So müssen bestimmte Strukturen und Zeitpläne eingehalten werden. Das sollte kein Problem sein. Außerdem müssen die Angestellten ein 3-4-jähriges Studium der Sportwissenschaft oder Vergleichbares vorweisen. Da wird es schon schwieriger. Und da es sich um einen Sport handelt, sind Dealer und Floorman auch nicht mehr ausreichend als maßgebliche Instanzen am Pokertisch. Vielmehr braucht es nun einen Schiedsrichter. Wie genau dessen Funktion aussehen soll, konnte jedoch auch David Chichua vom Moskauer Pokerbund nicht erläutern. Sicher ist jedoch, dass auch Poker verboten wird, wenn es die Grenze zum Glücksspiel überschreitet. Die Zahl der Auflagen ist hoch, die der erlaubten Clubs soll aber in der Hauptstadt auf 16 beschränkt werden. Bei über 10 Mio. Einwohnern eine eher überschaubare Zahl. Doch selbst diese werden es schwer haben. Laut den Mitgliedern der Russischen Pokervereinigung werden die Clubs nicht annähernd so viel Geld abwerfen wie Casinos.

Die Zukunft

Es wird 3-5 Jahre dauern, bis die geplanten Bauten fertig gestellt sind, und das ist noch eine optimistische Schätzung. Die wirtschaftlichen Folgen bezifferten die Experten auf etwa zwei Milliarden Steuerausfälle pro Jahr. 350.000 Arbeitsplätze gehen verloren, das Durchschnittsalter der Beschäftigten beträgt 24 Jahre. Die Vertreter der Gaming-Industrie zeigten sich ratlos, denn die neuen Gaming-Zonen werden die Ausfälle nicht kompensieren können.

Es ist zu erwarten, das ein großer Teil der Spieler aufs benachbarte Ausland oder ins Internet wechseln wird. Auf mittlere Sicht wird Putins Regierung wohl auch die Online-Spieler ins Visier nehmen. Schon jetzt ist Spielen im Internet illegal, wenn der Anbieter in Russland sitzt. Allerdings sind die Möglichkeiten im globalen Netz so vielfältig, dass Russland vor allem mit Verdienstausfällen zu kämpfen haben wird, denn nun fließt das Geld ins Ausland ab.

 

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