Negreanu vs. Duke - die Schlammschlacht des Jahres

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28 August 2010, Von: The Hand
Geposted in: Blog
Negreanu vs. Duke - die Schlammschlacht des Jahres
Am Anfang war das Wort, und das Wort war V…e. Am 19. August sprach Daniel Negreanu in einem Interview mit dem Magazin PokerPlayer UK über Männer, die sich in Ladies Events einkaufen. Negreanu hatte seine eindeutige Meinung dazu bereits während der WSOP in einem Videoblog erläutert: Männer sollten die Ladies Events respektieren und ihnen wenigstens diese wenigen Turniere lassen, in denen keine „rülpsenden und furzenden Kerle mit Tampons als Card Protectors am Tisch sitzen".

Über diese Darstellung kann man natürlich geteilter Meinung sein.

Neben einigen anderen meldete sich auch Annie Duke zu Wort und trat überraschend für Männer in Ladies Events ein. Sie begründete dies mit dem Argument, der Ausschluss von Männern sei sexistisch und gesetzlich außerdem nicht durchsetzbar. Soweit die Ausgangslage.

Daniel Negreanu, bekanntlich selten um ein offenes Wort verlegen, brachte diese Äußerung so auf die Palme, dass er sich in dem obigen Interview wie folgt erklärte: „Was mich wirklich aufregt ist, dass diese Frau die Dreistigkeit besitzt, sich auf ihrer Webseite als „beste Spielerin der Welt" zu bezeichnen. Auf der einen Seite tritt sie ein für die Gleichbehandlung der Geschlechter und überhaupt aller, aber wenn es ihr passt, dann ist sie plötzlich die beste Spielerin der Welt. Also sage ich „was ist das für eine Frechheit, du Sch...v...e (im Original: „fucking cunt")? Du behauptest, dich für die Sache der Frauen zu engagieren, aber gleichzeitig beanspruchst du, besser zu sein als alle anderen."

 

Dieser Ausschnitt aus dem Interview erhitzt inzwischen die Gemüter - und in manchen Fällen wohl auch die Schöße - von Spielern, Journalisten und Kommentatoren weltweit. Howard Lederer sprang seiner Schwester verständlicherweise bei, zumindest per Twitter. Auch eine amerikanische Bloggerin fühlte sich sogleich bemüßigt, sich bei PokerStars zu beschweren und ihre Enttäuschung über Negreanu auszudrücken.

Daraufhin erhielt sie eine Antwort einer Mitarbeiterin, die sich der Tragweite des Vorfalls offenbar nicht bewusst und im Übrigen wohl auch nicht befugt war. Darin wird erklärt, dass es nunmal Reibungspunkte zwischen zwei Spielern wie DN und AD gäbe, aber DN das Recht habe, seine Meinung zu sagen. Keine sehr glückliche Antwort, und schon am 25. August erschien eine Richtigstellung, in der PokerStars erklärte, die Support-Mitarbeiterin habe ihre Kompetenzen überschritten.

Da war es allerdings für die dritte Runde schon zu spät: Inzwischen hatte Annie Duke ihr Leid nicht nur getwittert, sondern auch einen „offenen Brief an PokerStars" in ihren Blog gestellt. Darin stellt sie DNs Äußerung mit rassistischen, antisemitischen und schwulenfeindlichen Parolen gleich und fragt sich laut, ob man sich z. B. in der NFL genauso ausdrücken dürfe und trotzdem Rückendeckung vom Sponsor erhalte.

 

Während DN sich ganz offensichtlich im Ton vergriffen hat, vergreift sich AD hier allerdings komplett und unverhältnismäßig in der Liga. Fehlt nur noch der Hitler-Vergleich.

Nun schlägt die Geschichte weitere Wellen. Noch am selben Tag verfasst Tony G. einen Blogeintrag auf PartyPoker, in dem er sich als neutralen „Mediator" anbietet („Ich bin die Schweiz"), der zwischen DN und AD vermitteln will. Nun kennt man Tony G.'s Vorliebe für Eintracht und Harmonie - daher auch die Konflikte mit Phil Hellmuth (schon länger), Dave Ulliott (seit kurzem), Neil Channing, Roland de Wolfe, Annette Obrestad, Barry Shulman und Mike Matusow (diese Liste ist offensichtlich unvollständig) - und deshalb ist das wohl nur ein ähnlicher Werbegag wie damals, als G. angeblich Isildur1 zum PartyPoker Big Game eingeladen hatte. Immerhin eine originelle Idee.

Zu einer Entschuldigung bei AD ließ sich DN bisher nicht hinreßen. Allerdings versuchte er schon am 22. August in einem Videointerview mit Kimberley Lansing an Tag 1B der Legends of Poker in Los Angeles, ein paar Dinge richtigzustellen. Danach hätte er „das c-Wort nie benutzt, wenn [er] gewusst hätte, dass das gedruckt wird." Vielmehr hätte er sich unter Freunden gewähnt, entschuldige sich aber bei allen Frauen, da sie gerade in Nordamerika besonders empfindlich gegen dieses Schimpfwort seien.

 

Das heißt nichts Anderes als: DN wollte nicht Frauen allgemein beleidigen, AD aber schon. Er hasst AD leidenschaftlich. Deshalb die allgemein gehaltene Entschuldigung. Glaubhaft erscheint allerdings, dass DN  so nicht gerne in der Öffentlichkeit zitiert werden will. Passt einfach nicht zu seinem Image. Warum das c-Wort allerdings in den USA schlimmer sein soll als in Australien, Südafrika oder England, erschließt sich mir nicht. Aber das nur am Rande.

Um zu verstehen, warum DN nicht einen Zentimeter zurückweicht, und sich - soweit lehne ich mich mal aus dem Fenster - auch in Zukunft nicht bei AD entschuldigen wird, muss man wissen, dass die Abneigung zwischen den beiden bereits Jahre zurückreicht.

Schon vor einigen Jahren ließ sich DN ausführlich darüber aus, woher seine tief sitzende Abneigung gegen AD kommt. In einem Blogeintrag, damals bei Full Contact Poker, beschrieb DN, wie Annie Duke am Spieltisch versuchte, andere Spieler zu übervorteilen, schwor und dabei log, anderen Spielern in die Karen sah (auch DN selbst), Hole Cards des Gegners aus dem Muck nahm und umdrehte und einiges mehr, und schließlich auch die erste Begegnung der beiden, bei der sie DN wie einen Idioten behandelte. Erst später, als er berühmt geworden war, wandelte sie sich zu einem äußerst netten Mädchen, „vordergründig natürlich nur", wie DN schreibt.

 

Über AD gibt es durchaus noch andere Geschichten, etwas über das Playboy Charity Turnier 2007, als sie den damals betrunkenen Steve Dannemann zum Schummeln animierte. Der damals geschädigte Terence Chan erklärte die Vorkommnisse in seinem Blog ausführlich.

Daniel Negreanu hat sich seinen Namen nicht umsonst wegen seines freundlichen, umgänglichen Charakters gemacht. Es ist bekannt, dass er durchaus austeilt, und wer austeilt, muss auch einstecken können. Von Annie Duke ist bekannt, dass sie nicht unbedingt viele Freunde in der Branche hat. Anschuldigungen gibt es ihr gegenüber so viele, dass nicht alles aus der Luft gegriffen sein kann.

Negreanu hat einen Fehler gemacht und sich im Ton vergriffen. Keine Frage. Darauf reagiert man aber nicht, indem man aus einer Mücke einen Elefanten macht, ihn bei seinem Chef verpetzt und versucht, ihm beruflich zu schaden. Mein Eindruck ist, dass Annie Duke tatsächlich gerne ein falsches, unsauberes Spiel spielt, und das ist aus meiner Sicht deutlich schlimmer.

Außerdem möchte ich gerne mal wissen, wer heute überhaupt noch gesponsert würde, wenn ich mir so überlege, was ich schon an Kommentaren über Phil Hellmuth gelesen habe.

- Dirk Oetzmann

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