MTT mit 3000 Spielern, Teil 2

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Im ersten Teil dieses Artikels widmeten wir uns der eigenen Zielsetzung und dem Prinzip Glückspilz. Im zweiten Teil durchlaufen wir ein ganzes Turnier von der konservativen Eröffnung bis zum Push-and-Pray.

Losing Players bezeichnen Turniere mit großen Teilnehmerfeldern gern als Lotterie, während Winning Players dauerhaft gut abschneiden.

Konservative Eröffnung

„Nur weil du kannst, heißt das nicht, dass du musst." Diesen Satz hat mein Vater zu mir gesagt, als ich noch in der Grundschule war, und ich halte mich noch immer daran.

Nur weil man in einem Turnier gamblen kann (und muss), heißt das nicht, dass man das auch immer tun sollte.

Wenn das Verhältnis zwischen Ihrem Stack und der CPR (Cost per Round, also die Blinds und Ante addiert) größer ist als 20:1, haben Sie keinen Grund zu Gamblen. Mit einem solchen Wert können Sie „richtig" Poker spielen, wie man auch sagen könnte.

Phil Laak
„Meine Strategie lautet: das Glück erzwingen."

Das heißt, Sie können praktisch in jeder Situation folden, callen oder raisen. Allerdings bedeutet das nicht, dass Sie die Gelegenheit nicht nutzen sollten, wenn sie sich denn günstig ergibt.

In dieser Phase des Turniers können Sie es sich leisten, konservativ zu spielen und Coin Flips zu vermeiden. Es gibt sogar Profis, die grundsätzlich nicht all-in gehen, wenn sie nicht mehr als das 100-fache der CPR als Stack besitzen, unabhängig davon, wie stark ihre Hand ist.

Sie argumentieren, dass selbst eine 80% Chance nicht groß genug für ein All-in ist. Deshalb folden sie sogar AA im ersten Blind Level, wenn es z. B. um einen Main Event geht.

Ich halte diese Philosophie für gleichermaßen richtig und falsch. Natürlich stehen die Chips für Ihr Verbleiben im Turnier - Sie müssen sie also unbedingt verteidigen. Ohne Chips kein Turnier.

Wenn Sie an Ihrem Tisch der mit Abstand beste Spieler sind, macht es durchaus Sinn, in einer solchen Situation zu folden. Mit einem großen Stack können Sie gegen neun schwächere Spieler auch anders Chips akkumulieren.

Wenn die Situation aber eine andere ist, möchten Sie natürlich einen möglichst großen Pot aufbauen, wenn Sie eine Gewinnerhand halten. Zu Beginn eines Turniers ist es daher am besten, großen Pots auszuweichen, wenn Sie auf einen Coin Flip hinauslaufen oder Sie vielleicht sogar schlechter dastehen.

Wenn das Verhältnis Chips:CPR aber kleiner als 6:1 ist, gelten die Optionen Call, Raise oder Fold nicht mehr für Sie. Bei der nächsten Hand spielen Sie auf jeden Fall um Ihren ganzen Stack, denn Sie sind grundsätzlich pot-committed.

Push-and-Pray

Online-Turniere entwickeln sich gerade in der Endphase zu einem regelrechten All-in-Festival. Lassen Sie sich nicht weiter beeindrucken. Gute Spieler gehen nicht willkürlich, sondern systematisch vor.

Dan Harrington hat geschrieben, man sollte lieber ein Risiko eingehen, um das Verhältnis Chips: CPR über 20 zu halten, als ein Risiko eingehen zu müssen, um dieses Verhältnis wieder zu erreichen.

Richtiges Timing ist fast noch wichtiger als die Hände, die sie bekommen. Da sie nicht wissen, ob die nächste Hand, die Sie bekommen, besser oder schlechter sein wird, können Sie sich nur auf Ihr Timing und die näher kommenden Blinds verlassen.

Als Erster in eine Hand einzusteigen ist grundsätzlich besser als der erste Caller zu sein. Ein Beispiel:

Ihr Stack-CPR-Verhältnis ist auf 6 geschrumpft, und Sie warten auf eine Hand, mit der Sie all-in gehen können. Sie bekommen K Q. Nehmen wir an, Ihr Gegner hat noch ein Stack-CPR-Verhältnis von 5 und sitzt auf A 6.

Wenn Sie all-in gehen, wird Ihr Gegner möglicherweise folden. Wenn dieser aber vor Ihnen die Hand eröffnet, geht er vermutlich selbst all-in.

Mit K-Q liegen Sie gegen sehr viele Hände hinten, mit denen ein Gegner all-in pusht, der aber dieselbe Hand folden würde, wenn er damit ein All-in bezahlen soll. Der Erstschlag, wie Harrington ihn nennt, ist also wichtiger als die Karten.

In einer solchen Situation suchen Sie sich den Spieler und den Zeitpunkt aus, der am besten für ein All-in geeignet ist. Gehen sie lieber gegen einen Stack all-in, der größer ist als Ihrer. Wenn Sie gegen einen Spieler mit kleinerem Stack verlieren, der vielleicht eher bereit ist, die Chance zum Verdoppeln zu nutzen. Bleiben sie mit ein oder zwei Big Blinds zurück, was mit einem Ausscheiden praktisch gleichbedeutend ist.

Bei etwa gleich großen Stacks macht es Sinn, einen Versuch mit maximalem Profit zu starten. Allein das erfolgreiche Stehlen der Blinds ist nun bereits so wertvoll, dass sich das Risiko lohnt, vor allem, wenn Sie bedenken, dass sich der Gewinn potenziert, wenn Sie das nächste Mal verdoppeln.

Auf der Bubble

Daniel Negreanu
Einer der besten Spieler auf der Bubble.

Zunächst mal ist die Bubble für Sie uninteressant, wenn Sie auf Sieg spielen. Konzentrieren Sie sich darauf, die richtigen Moves zu machen, um an den letzten Tisch zu kommen.

Dabei sei gesagt, dass kaum jemand sich von dem Druck der Bubble freimachen kann. Wenn diese sich davon beeinflussen lassen, hat das auch Auswirkungen auf Sie.

Da die Mehrheit der Spieler nur versucht, ins Geld zu kommen, werden Sie vermeiden, kurz vor Erreichen der Geldränge in eine Situation zu geraten, in der plötzlich ihr Turnier auf dem Spiel steht. Das ermöglicht Ihnen, häufiger die Blinds zu stehlen und Ihre Gegner häufiger zu einem Fold zu zwingen.

Beobachten Sie genau, wer auf der Bubble nicht mehr spielen will. Schießen Sie sich auf diese ein und bauen Sie Ihren Stack auf. Wenn ein anderer Spieler an Ihrem Tisch dasselbe Prinzip zu verfolgen scheint, gehen Sie diesem für den Moment aus dem Weg. Ein aggressiver Gegner kann Sie in einen Pot verwickeln, der größer ist als der, den Sie eigentlich spielen möchten.

Wenn es außerdem sieben Spieler an Ihrem Tisch gibt, die ihre Blinds ohne Gegenwehr aufgeben, sollten Sie kein Risiko eingehen und sich in eine Hand mit ungewissem Ausgang hineinziehen lassen.

Achten sie jedoch auf Folgendes: Ein Spieler mit kleinem Stack spielt wahrscheinlich schon Push oder Fold, d.h. er wird mit einer halbwegs vernünftigen Hand jeden Raise Ihrerseits mit einem All-in beantworten. Diese Spieler suchen den Coin Flip und möchten entweder mit einem Re-Steal gewinnen oder ausscheiden. Push-oder-Fold-Spieler sind also mit Vorsicht zu behandeln.

Schlussbemerkung

Ich habe mich, wie Sie vielleicht bemerkt haben, nicht über das Spiel am Final Table ausgelassen. Das Problem dabei ist, dass sehr viele Faktoren eine Rolle spielen. Blinds, Stacks, Spielerverhalten uvm. machen es meiner Ansicht nach praktisch unmöglich, allgemeine Richtlinien aufzustellen.

Es war mein Ziel, mit diesem Artikel darzustellen, wie Sie Ihr Spiel dem Ziel anpassen können, mehr Finaltische zu erreichen. Ich hoffe, wir sehen uns dann dort.

 

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