Mike Sexton – „Knallharter Konkurrenzkampf“

Mike Sexton
"Jeder sollte zwei Jahre lang seinem Land dienen."

Wieso Mike Sexton fast in den Vietnamkrieg gezogen wäre, warum er „eher“ Republikaner ist und weshalb er seine Freundin nicht nach Venedig mitnehmen würde.

Er ist einer der Grandseigneurs in der Pokerszene und der wichtigste Repräsentant von WPT und PartyPoker – Mike Sexton, WSOP-Bracelethalter, TV-Kommentator, seit einiger Zeit auch Modekritiker.

Und nicht nur das, wie unser Kollege Giovanni Angioni herausfand, der mit Sexton am Rande der WPT in Venedig sprach.

Sie haben Ihr Leben Poker gewidmet, aber es gab eine Zeit, da war Mike Sexton in einer ganz anderen Welt zuhause, auch wenn das heute schwer vorstellbar ist. Sie waren als Freiwilliger bei der Armee.

Ja, das ist richtig. Ich war ziemlich nahe daran, eine Karriere beim Militär einzuschlagen. Mir gefiel es da sehr gut.

Ich war ziemlich sportlich, und ich wollte immer gerne aus Flugzeugen springen und so, also habe ich mich zu den Fallschirmjägern gemeldet, und bei denen hatte ich eine Menge Spaß.

War das nicht eine eher sensible Zeit?

Ja, das war zur Zeit des Vietnam-Kriegs, aber wenn man jung ist, denkt man nicht viel darüber nach, was man tut.

Wenn ich heute zurückblicke, wird mir klar, dass ich damals Glück hatte, weil meine Einheit gerade erst aus Vietnam zurückgkommen war und ich deshalb nicht ausrücken musste.

Mike Sexton
Fernsehmoderator Sexton - "Mein Leben hätte ganz anders verlaufen können."

Damals hätte sich mein Leben in eine völlig andere Richtung entwickeln können.

Aus heutiger Sicht – würden Sie es wieder tun?

Ehrlich gesagt, ja, das würde ich. Ich finde, jeder sollte zwei Jahre Militärdienst leisten. Egal, ob man das Essen serviert, putzt oder im Feld ist, ich finde infach, dass man seinem Land zwei Jahre zur Verfügung stehen sollte.

Das ist meine feste Überzeugung.

Während des letzten Wahlkampfs haben Sie die Republikaner unterstützt und sind mit Doyle Brunson auf Twitter über Obama hergezogen...

Also wenn man mich in eine Schublade stecken will, dann wohl eher in die republikanische. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch Positives an den Demokraten finde.

Einer der größten Förderer der Republikaner ist Sheldon Adelson, der eine sehr harte Linie gegenüber Online-Poker vertritt. Wie können Sie Anhänger derselben Partei sein?

Sagen wir es mal so: Die Demokraten regieren seit fünf Jahren und haben nichts für Online-Poker getan. Momentan scheinen alle Politker Angst davor zu haben, Stellung zu beziehen.

Sie haben Angst vor religiösen und sonstigen Gruppierungen, vor jedem, der vielleicht aufsteht uns sagt, „das ist aber schlecht für die Familie und bla bla bla“.

Was mich wirklich stört ist, dass den Menschen die Freiheit genommen wird, zu spielen, wenn sie das möchten. Unabhängig davon, ob man Online-Poker jetzt mag oder nicht.

Natürlich werden sich manche Leute in Schwierigkeiten bringen und zuviel Geld verlieren, wenn Gambling legalisiert wird, aber das kann man heute auch schon.

Sie gehen einfach ins Casino, zum Pferderennen, spielen Lotto. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu ruinieren. Aber jeder ist für sich selbst verantwortlich.

Zusammengefasst: Wenn jemand gegen Gambling ist, habe ich damit kein Problem. Aber dann müsste man auch alles Andere verbieten, was damit zu tun hat.

Mike Sexton
"Ich bin gar nicht so förmlich."

Man kann nicht einfach sagen, dass Poker im Casino in Ordnung ist, aber nicht zuhause. Das ist einfach verrückt.

Ich bin davon überzeugt, dass Poker innerhalb der nächsten zwei Jahre in mindestens 20 US-Staaten reguliert wird. Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann.

Sehen Sie Unterschiede zwischen Poker in den USA und in Europa?

Heute kaum noch. Als ich anfing, gab es vielleicht 20-40 wirklich gute Spieler, und die Kerle, mit denen wir spielten, waren solche Typen wie Amarillo Slim und Puggy Pearson.

Heute ist das ganz anders. Da sind die jungen Spieler Uniabsolventen, clever, mit sehr viel Hintergrundwissen. Und es sind tausende.

Heute würde ich jedem zur Vorsicht raten, der sich mit Turnierpoker den Lebensunterhalt verdienen will. Man muss mental enorm stark sein, wenn man sich in dieser Szene durchsetzen will.

Man ist ständig unterwegs – im Gegensatz zum Cash Game Spieler – und man tritt immer wieder gegen dieselben superstarken Gegner an. Da braucht es schon eine Menge Charakter.

Heute ist es so, als würde man bei der PGA Golf Tour mitspielen wollen. In Gesellschaft einer Elite von Spielern herrscht ein knallharter Konkurrenzkampf.

Und wie steht es mit den Spielorten? Angeblich ist das Niveau in Europa irgendwie niedriger als in den USA.

Es gibt Orte, wo man sich gut um die Spieler kümmert, und solche, wo das nicht der Fall ist.

Wenn einem bewusst ist, dass sie Speler weite Reisen unternehmen, um zu spielen, reagiert man meistens auch entsprechend.

Mike Sexton
"Wenn ich so zurückdenke, habe ich Glück gehabt."

Venedig ist z. B. sehr attraktiv, aber kein Ort, wo man seine Freundin mitbringen würde. Das ist ein wichtiger Aspekt.

Wer große Felder und hohe Preisgelder sucht, kommt wahrscheinlich nicht hierher.

Sie sind heute mal wieder perfekt gekleidet. Wie kommt’s?

Ich habe die Eröffnungsshow geleitet, da war das selbstverständlich. Und dann war ich einfach zu faul, um mich umzuziehen. Normalerweise bin ich gar nicht so förmlich.

Ich finde, jeder sollte anziehen, was er will.

Wirklich?

Es ist nicht so, dass ich jedem eine Krawatte umbinden will. Aber wenn man den Finaltisch erreicht, sollten zumindest lange Hosen und ein Hemd selbstverständlich sein. Das ist doch wirklich nicht zuviel verlangt.

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