Mike Sexton über High Roller, Rebuy Events und eine falsche Geldrangliste

Mike Sexton
Mike Sexton.

Zurzeit wird viel darüber diskutiert, welche Rolle Super High Roller Events mit Rebuy-Möglichkeit spielen und wie sie die Ewige Geldrangliste beeinflussen.

Der wirtschaftliche Aspekt

Erstens: Solange Angebot und Nachfrage bestehen, wird es Super High Roller geben. Ganz einfach. Zweitens: Manche Spieler und manche Casinos lieben Rebuy-Events, und andere nicht.

Rebuy-Events bedeuten für gewisse Spieler einen Vorteil (nämlich die, für die Geld keine Rolle spielt). Sie geben internationalen Stars zusätzliche Gründe, zu Turnieren zu reisen (was den Sponsoren gefällt), generieren größere Preispools und bringen die Veranstalter dazu, größere Preispools zu garantieren.

Aber: Bei einem Rebuy-Event sind die Gewinnchancen nicht gleich verteilt. Es ist also jedem selbst überlassen, ob er mitspielen will.

Drittens: Die „Ewige Geldrangliste“ stimmt nicht, und zwar wegen der Super High Roller (SHR) mit Rebuy-Möglichkeit. Das stimmt. Finden Sie sich damit ab.

Und jetzt kommt’s: Das war immer schon so! In der Geldrangliste sind nämlich weder Gebühren noch Rebuys berücksichtigt, und schon gar nicht, wie viele Prozente der Spieler verkauft hat (das kann man ja auch gar nicht nachvollziehen).

Weit von der Realität entfernt

Reden wir über die Verfälschung. Glaubt denn irgendjemand, dass die Zahlen in der Steuererklärung eines Topspielers denen in der Ewigen Geldrangliste auch nur ähneln?

antonio esfandiari big one3
Glaubt irgendjemand, dass Antonio 1 Mio. Buy-in selbst bezahlt?

Das tun sie nicht, und das ist auch richtig so. Es geht dabei keineswegs darum, dem Staat Steuern zu entziehen, sondern darum, dass Turniergewinne einfach nichts mit realem Einkommen zu tun haben.

Sagen wir z. B., dass ein Spieler im Verlauf eines Jahres 400.000 Dollar an Turnierprämien erspielt hat. Er hat vermutlich rund 200.000 Dollar für Buy-ins und etwa 50.000 für Reisen und Unterkunft ausgegeben.

Außerdem hat er möglicherweise einen Backer, der 50% an den Gewinnen hält. Damit sinken die Einnahmen dieses Spielers auf 75.000 Dollar. Nicht viel im Vergleich zu den 400.000.

Die Geldrangliste

Antonio Esfandiari ist laut Hendonmob.com mit 26 Mio. Dollar die Nummer 1 in der „Ewigen Geldrangliste“ (nur Turniere).

Nimmt irgendwer ernsthaft an, dass er wirklich so viel Geld erspielt hat oder dass er der reichste Pokerspieler der Welt ist? Nun, hat er nicht, und ist er nicht.

Aber wegen der Art und Weise, wie die Datenbanken die Daten aufnehmen, ist er es – und zwar zurecht!

Daniel Negreanu hat kürzlich bei einem 100.000 Dollar Event 550.000 gewonnen. Allerdings hat er sich fünf Mal in das Turnier eingekauft (meinen Respekt vor diesem Durchhaltevermögen), also 500.000 Dollar ausgegeben.

Ich selbst kam bei beiden One Drop Turnieren 2012 und 2013 ins Geld (das haben nur Antonio und ich geschafft) und habe 1,3 Mio. Dollar gewonnen, aber auch 1,1 Mio. bezahlt.

50% meiner Anteile hatte ich verkauft. Damit lag mein Profit „nur“ bei rund 100.000 Dollar, aber meine Turnierprämien stiegen um 1,3 Mio.

Der Punkt ist, die Turnierprämien spiegeln niemals den Profit. Außerdem haben wir Cash Games hier komplett ausgeklammert.

Soll das ein Witz sein?

Ich bin immer wieder irritier und amüsiert, wenn jemand versucht, Antonio seine Leistung abzusprechen und zu sagen: „Er hat ja gar keine 18 Mio. gewonnen. Er hatte nur 15-20%.“

Soll das ein Witz sein? Was heißt denn hier nur? Das entspricht 2,7-3,6 Mio. Dollar, für jeden Spieler der Welt eine gewaltige Summe und wahrscheinlich der größte Cash der Karriere.

The dollars
Was heißt hier "nur 15-20%"?

Und dann kommt noch einiges an Nebeneinkünften hinzu, die Antonio jetzt und in Zukunft wegen dieses Sieges kassieren wird. Sie sind beträchtlich und in jedem Fall vollkommen verdient!

Prozente sind unwichtig

Ein weiser Mann hat mal zu mir gesagt: „Es beeindruckt mich viel mehr, wenn es jemand schafft, sich eine Million Dollar zu leihen, als wenn jemand eine Million Dollar besitzt.“

Dieser Spruch hat mir immer gefallen. Wer so gut ist, dass andere ihm ihr Geld anvertrauen, beeindruckt mich mehr als die, die sich das Buy-in locker leisten können.

Ich bewundere Spieler, die Staker haben, und ich rate Spielern immer, Prozente zu verkaufen, wenn sie sich ein Turnier nur so leisten können.

Mein Respekt gilt allen Spielern, die am BIG ONE teilnehmen, unabhängig davon, wie viele Prozente sie halten.

In fünf bis zehn Jahren

Und übrigens, in fünf bis zehn Jahren wird es keinen Spieler mehr in den Top 20 der Ewigen Geldrangliste geben, der nicht am Finaltisch des WSOP Main Events, des BIG ONE for ONE DROP oder mehreren SHR Events gesessen hat.

Nicht einen. Finden Sie sich damit ab.

Das Original erschien im PartyPoker-Blog.

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