Michael Körner – „Ohne Kompromisse“

Michael Körner
Die Pokerstimme schlechthin im deutschen Fernsehen - Michael Körner.

Deutschlands Pokerkommentator Nr. 1 Michael Körner über die Entwicklung von GHR, die Unterschiede zu TV Total und den Wahnsinn Pokerfernsehen.

Pokerzeit: Hallo Michael, erstmal eine Frage, die Du vermutlich schon oft gehört hast. Wie wird man Pokerkommentator beim Fernsehen?

Michael Körner: Der Sender hatte damals ein Rechtepaket von einer englischen Produktionsfirma gekauft. Darin enthalten waren Sendestunden mit Darts, Bowling und Poker.

Den Chefs waren meine Vorlieben bekannt, ich habe schon immer gerne gespielt – gezockt, wie man es auch nennt.

Und andere Kommentatoren, die es machen wollten, gab es eigentlich auch nicht.

Pokerzeit: Vorher warst Du aber Basketball-Kommentator, oder?

Michael Körner: Ich bin seit 1993 Sportreporter, die Schwerpunkte waren schon immer Basketball und Tennis.

Manchmal helfe ich beim Fußball aus, beim Handball. Ganz selten auch Motorsport.

Pokerzeit: Gerade ist die neunte Staffel der German High Roller zu Ende gegangen. Wie bewertest Du die Entwicklung der Sendung?

Michael Körner: Nun ja, dazu muss man wissen, dass diese Sendung aus sehr viel Herzblut entstanden ist.

Jeder von uns – damit meine ich unsere kleine Poker-Redaktion und auch die entsprechenden PokerStars-Verantwortlichen und die zuständige Produktionsfirma – wollten damals ein deutsches High Stakes Poker.

German High Roller, 2012
German High Roller - mit viel Herzblut entstanden.
 

Und wir wollten es ohne Kompromisse.

Die Entwicklung finde ich persönlich positiv.

Wir haben Kult- und Reizfiguren mit hohem Wiedererkennungswert (Pascha), Prominenz (Boris), die Elite (Kronwitter, Reinkemeier etc.), die Geschäftsleute (Lehmann, Kürschner etc.) und sogar noch PLO.

Pokerzeit: Wie entscheidet der Sender, welche Spieler er einlädt?

Michael Körner: Das entscheidet PokerStars zusammen mit dem Produzenten. Zwecks Vorschlägen wird auch mit uns Rücksprache gehalten. Da geht‘s ganz einfach um die gesunde Mischung.

Pokerzeit: Gibt es denn auch Spieler, die die Einladung zur Show abgelehnt haben?

Michael Körner: Schwierige Frage. Eher nicht. Manchmal muss man gar nicht einladen, die kommen schon von ganz alleine... :) Aber es kommt natürlich vor, dass sie wissen wollen, wer denn noch so mitspielt.Pokerzeit: Gemeine Frage. Ha(tte)st Du einen Lieblingsspieler?

Michael Körner: Finde ich gar nicht so gemein. Bei Hold‘em hat mir zuletzt Reinkemeier schon sehr gut gefallen. Ich mag auch den Stil von Jan Heitmann, nicht nur weil er ein toller Kollege ist. Und da ich Reinkemeier auch beim Turnierpoker richtig gerne mag, ist das schon eine Art Lieblingsspieler.

Bei PLO mag ich Jan-Peter Jachtmann. Der schert sich einen Dreck um Kritik und spielt meines Erachtens sehr gut. Ronny Kaiser allerdings auch.

Pokerzeit: Und wie sieht es mit einer Lieblingshand der Serie aus? Eine, an die Du Dich besonders gern erinnerst?

Michael Körner: Ui, da gibt es viele. Ganz plump tatsächlich, wie Hermann Pascha die Asse von Pius Heinz knackt, weil er da tatsächlich geweint hat – so emotional war das. Spieltechnisch der Call von Heitmann gegen den Bluff von Heinz in einem 100k-Pott.

Pascha Jachtmann
Pascha und Jachtmann - Spieler mit hohem Reiz und Wiedererkennungswert.
 

Pokerzeit: Die Spieler bringen ihr eigenes Spielkapital mit, aber ein Honorar bekommen sie schon, oder?

Michael Körner: Nein, sie bekommen kein Honorar, anders als bei High Stakes Poker. Sie bekommen nur Hotel und Anreise erstattet. Es ist eine sehr angenehme Atmosphäre, sie kommen alle freiwillig.

Pokerzeit:  Und wie werden die Co-Kommentatoren ausgesucht? Das sollten ja Fachleute mit Poker- und Sprachkompetenz sein. Wer wird gefragt, und bekommen die Honorar?

Michael Körner: Auch das geschieht in Zusammenarbeit mit PokerStars als Veranstalter. Wir setzen da mittlerweile auf bewährte Kräfte (Heitmann/Danzer).

Genau, Fachleute, die gut geradeaus reden können und den Kommentator nicht bloß stellen, wenn er eine fachlich beschränkte Frage stellt... Ein kleines Honorar wird vergütet.

Pokerzeit: Bei Heitmann und Danzer hat man den Eindruck, dass sie mit Dir perfekt harmonieren. Trefft Ihr Euch auch außerhalb von GHR mal bzw. sprecht Ihr Euch vorher ab?

Michael Körner: Absprachen gibt es bei mir nicht, da ich extrem auf spontane Geschichten stehe. Wir haben uns auch schon mal außerhalb getroffen, ich habe mit beiden auch schon eine längere Doku gedreht. Aber es sind Pokerspieler und Jan nun auch Familienvater, die sind schlecht greifbar...

George hat zudem die letzten Jahre in Mannheim gewohnt, also ein bisschen weg von mir. Aber ich kann gar nicht genug den Charakter der beiden loben. Sie gehören in meine persönlichen Top 10 der anständigsten Menschen, die ich je getroffen habe.

Pokerzeit: Aus meiner Sicht sind die GHR auf einem Niveau angekommen, wo es nur noch sehr wenig zu verbessern gibt. Was glaubst Du, könnt Ihr in Zukunft noch besser machen?

Michael Körner: Oh, das ist eine spannende Frage, weil ich darüber sehr viel nachdenke.

Generell gefällt mir der Ton noch nicht so hundertprozentig.

Damit meine ich nicht die Technik, eher die Möglichkeit für den Zuschauer, noch mehr die Gespräche, die Dynamik, die Interaktionen am Tisch mitzubekommen.

Da könnte ich mich jetzt Stunden auslassen. Für mich steht der Zuschauer im Mittelpunkt, auch derjenige, der nichts mit Begriffen wie "4bet shove" oder "implied odds" anfangen kann. Ich möchte jeden auffangen, der reinzappt.

DAHER AUCH AB UND AN MAL EINE BESCHRÄNKTE FRAGE...

Pokerzeit: Mir scheint, die Formulierung hat sich irgendwie eingebrannt... (Anm.: In dem Artikel „German High Roller – Eine Lobhudelei“ lobten wir GHR über den grünen Klee, machten aber eine entsprechende Bemerkung…)

Jan Heitmann GErman High Rollers
So etwas wie ein Lieblingsspieler - Jan Heitmann.
 

Michael Körner: Nein, passt schon. Ich werde öfters kritisiert.

Nur allmählich habe ich das Gefühl, ich sollte den Kritikern tatsächlich mal mitteilen, was die Aufgabe eines Kommentators ist.

Er ist der verlängerte Arm des Zuschauers. Er stellt die Fragen, die der Zuschauer nicht stellen kann.

Zumindest dann, wenn ein Experte neben ihm sitzt.

Pokerzeit: Im Sport regiert generell citius, altius, fortius. Heißt "Schneller, höher, weiter" für GHR, dass die Blinds noch steigen werden?

Michael Körner: Das glaube ich nicht. Die Pötte waren zuletzt ja schon sehr hoch, natürlich auch befeuert durch die Straddles. Auch kein einfaches Thema. Die Zuschauer werden da natürlich ziemlich gefordert.

Pokerzeit: Der große Pokerboom Mitte des letzten Jahrzehnts ist vorbei, Poker eher zu einem Allgemeingut für eine kleine, aber feine Zielgruppe geworden. Wie haben sich dadurch die Einschaltquoten verändert und welches Zukunftsszenario der Pokerszene stellst Du Dir vor?

Michael Körner: Die Quoten sind nicht mehr so hoch wie in der Boomzeit, da war die Neugier natürlich größer. Trotzdem erreichen wir mit unseren Sendungen immer noch ein junges Publikum, was in der heutigen Zeit immer schwieriger wird.

Das Zukunftsszenario im TV/Internet ist momentan die Million-Euro-Frage...

Die Sehgewohnheiten ändern sich aktuell massiv.

Wenn man sieht, wie der Zuschauer TV konsumiert, parallel dazu die entsprechenden Social-Media-Plattformen bevölkert, wie die Youtube-Channels aus dem Boden sprießen, wie auch kostenpflichtige Abrufe aus dem Internet getätigt werden...

soziale netzwerke
Soziale Netzwerke - "die Sehgewohnheiten ändern sich massiv."
 

Das ist alles der totale Wahnsinn.

Wie man Poker da platzieren kann, das kann ich noch nicht sagen. Ich weiß nur, dass sich alles verändert, radikal.

Pokerzeit: Wie steht der Sender SPORT1 generell zu Poker. Hat das Spiel/Sendeformat Zukunft?

Michael Körner: Absolut. Die Zusammenarbeit mit PokerStars würde ich mal als vorbildlich bezeichnen. Bitte hab aber Verständnis, dass ich für solche Zukunftsfragen ebenfalls nicht der richtige Ansprechpartner bin.

Pokerzeit: Natürlich kann ich Dir auch Fragen zu Stefan Raabs TV Total Pokernacht nicht ersparen. Wie unterschiedlich geht man als Moderator an die beiden Sendungen heran?

Michael Körner: Gute Frage.

Bei Raab versuche ich mich deutlich im Hintergrund zu halten.

Die Zuschauer wollen die Unterhaltung am Tisch mitbekommen, die Sprüche, die Mätzchen.

Ich versuche mich da nur kurz einzubringen, Lücken zu erwischen, kurze Statements abzuliefern. Bei GHR ist mehr Zeit für Analyse. Und natürlich auch ein anderes Niveau.

Pokerzeit: Könnte man also sagen, dass die TV Total Pokernacht als reine Unterhaltungssendung konzipiert ist, während die German High Roller eher als Show für das Fachpublikum angelegt sind?

Michael Körner: Wobei ich mir wünschen würde, dass die Elemente des einen auch im anderen Format zu finden sind. Aber klar, Raab ist Unterhaltung. Es wird aber meines Erachtens immer wieder auf beeindruckende Weise gezeigt, wie unterhaltsam ein Kartenspiel sein kann.

Ich bitte das nochmal zu überlegen: Wir reden hier über EIN KARTENSPIEL! Menschen, die beim Kartenspiel zuschauen, im Fernsehen!!

Pokerzeit: In den USA haben Pokermoderatoren wie Gabe Kaplan oder Norman Chad Kultstatus. Inwieweit orientierst Du Dich an deren Art zu kommentieren?

Michael Körner: Überhaupt nicht, weil das nicht geht. Ein guter Kommentator muss so sein, wie er ist, ohne sich zu verstellen.

Sonst merkt der Zuschauer sehr schnell, dass ihm da jemand was vormacht. Ist auch beim Moderator so, da erst recht.

Gabe Kaplan ist schon gut, sehr trocken, mit 2-3 Sprüchen pro Folge, leichtes Understatement – so was mag ich. Norman Chad ist mir eine Nummer zu viel. Das ist ab und an mal ganz lustig, aber auch etwas ausgelutscht. Trotzdem liebe ich die Folgen von der WSOP. Das ist großes Fernsehen.

Pokerzeit: Wie sieht es mit deinem eigenen Pokerspiel aus? Wann sehen wir Dich bei einem Turnier oder gar am Tisch bei den German High Rollern?

TVtotalPokerStars.deNacht5
TV Total - zeigt, wie unterhaltsam Poker im Fernsehen sein kann.
 

Michael Körner: Ich nehme mir schon seit Jahren vor, mehr live zu spielen. Mein großes Problem ist aber die Zeit. Ich spiele recht viel online und arbeite derzeit mehr an meinem Spiel als jemals zuvor.

Pokerzeit: Aha. Cashgame oder Turniere? Hold'em oder PLO?

Michael Körner: Alles. Komplett durcheinander. Momentan leider zu viel Heads-up SNG, Hyperturbo..... Am liebsten spiele ich 8-Game.

Pokerzeit: Und die GHR kommen aber nicht infrage? Wär doch interessant für die Zuschauer, gesponsert vom Sender oder PokerStars?

Michael Körner: Nein. Wenn schon, dann mit eigener Kohle, so wie alle anderen auch. Also wenn die Bankroll passt, dann...

Pokerzeit: Da würden sich auf jeden Fall viele Zuschauer freuen. Letzte Frage: Ende Februar wird die zehnte Jubiläumsstaffel der GHR gedreht. Kannst Du uns schon verraten, ob dafür etwas Besonderes geplant ist?

Michael Körner: Ja, es wird anders als sonst, aber nicht dramatisch. Mehr kann ich noch nicht verraten.

Pokerzeit: Schade. Nicht mal ein bisschen was?

Michael Körner: Wir spielen nicht im Alpine Palace.

Pokerzeit: Danke vielmals für die Zeit, die Du Dir genommen hast. Und für die offenen, ausführlichen und sehr substantiellen Antworten!

Das könnte Sie auch interessieren:

assets/photos/_resampled/croppedimage12580-daniel-negreanu-wsop-2014-shuffle-up-and-deal.jpg

Triple Barrel – Negreanu wettet, Finanzgericht Münster besch(t)euert, Ruthenberg dominiert

Daniel Negreanu sorgt mit seiner Aussage er würde eine Million Dollar wetten, dass er die High Stakes mit zwei Wochen Vorbereitung schlagen könne, für viel...

19 August 2014
assets/photos/_resampled/croppedimage12580-Humberto-brenes-ps-blog.jpg

Triple Barrel – Acht Pros gekündigt, PokerStars in New Jersey, Moorman unglaublich

Gleich mehrere Profis scheiden bei PokerStars und Ultimate Poker aus, in New Jersey stehen PokerStars und Full Tilt vor dem Durchbruch und Chris Moorman hat...

14 August 2014
assets/photos/_resampled/croppedimage12580-Chun-Lei-Zhou1.JPG

Triple Barrel – Samrostan blutet, neuer Pokerfilm, kommende WCOOP

Einer der größten und berühmtesten Wale auf den Highstakes bekommt ein blaues Auge verpasst, mit Gutshot Straight gibt es einen neuen Pokerfilm und die World...

07 August 2014
assets/photos/_resampled/croppedimage12580-Paul-Phua1.png

Triple Barrel – Paul Phua auf freiem Fuß, Bellagio überfallen, Micro Millions beendet

Phil Ivey und Andrew Robl helfen dem chinesischen Highroller Paul Phua aus dem Knast, das weltberühmte Bellagio wird von einem Räuber überfallen und der krönende...

29 Juli 2014

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Comment is under moderation. Thank you!

Noch keine Kommentare