Mentale Vorbereitung auf die WSOP mit Jared Tendler

jared tendler

Jared Tendler gilt weltweit als Experte für die mentalen Aspekte von Poker. Sein Buch „The Mental Game of Poker“ gilt in der Branche als wegweisend. Der Profi-Coach gibt bei uns Tipps für Amateure.

Die World Series of Poker ist die anspruchsvollste Turnierserie der Welt. Nur wer körperlich und psychisch auf der Höhe ist, kann hier bestehen.

Sieben Wochen, 61 Events und viele Millionen Dollar Preispool üben enormen Druck auf die Spieler aus, und wer damit nicht klar kommt, sollte lieber zuhause bleiben und die WSOP 2012 im Fernsehen anschauen.

Jared Tendler, früher als Coach für Golfspieler tätig, schrieb mit „The Mental Game of Poker“ ein Buch, das zu einem Meilenstein in der Pokerliteratur geworden ist. Wir haben ihn nach ein paar einfachen Tipps für Amateure befragt, die sich in den Dschungel WSOP wagen wollen.

PL.com: Welche Erfahrungen haben Sie bei der WSO gemacht? Welche Einstellung haben Sie zu ihr?

JD: In diesem Jahr fahre ich zum vierten Mal zur WSOP. Bei meinem ersten Besuch hatte ich von Poker auf diesem hohen Niveau noch keine Ahnung. Ich war ziemlich überwältigt, aber auf eine angenehme Art und Weise. Ich konnte viel darüber lernen, wie Spitzenspieler denken.

In den letzten drei Jahren habe ich dann eine Reihe von Spielern gecoacht.

Ich liebe die Action, und ich finde, die WSOP ist eine großartige Serie. Alle, die dabei sind, besitzen diese Leidenschaft für Poker, und ich mag Spitzensport. Da die WSOP einer der Höhepunkte im Jahreskalender ist, ist die Atmosphäre hier unglaublich intensiv. Das aus direkter Nähe mitzuerleben, ist aufregend.

Im letzten Jahr blieb ich, bis die Bubble der November Nine im Main Event platzte. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich sehen konnte, wie Spieler unter dem Druck zusammenbrachen.

Vor diesem Erlebnis hatte ich nicht genug Kenntnisse, um zu verstehen, wann jemand diesen Punkt erreichte

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"Ich mag Spitzensport."

Mein Spezialgebiet ist Golf, und ich kann allein durch zusehen, wie jemand den Schläger schwingt, viel über seinen mentalen Zustand herauslesen. Jetzt beginne ich, dasselbe bei Pokerspielern zu entdecken.

PL.com: Bei der WSOP stehen die Spieler unter starkem Druck, sowohl was die tatsächlich Spielzeit als auch die Summen angeht, um die gespielt wird. Was sind für die Spieler die größten Hemmnisse, und wie können sie damit umgehen?

JD: Druck legt Schwächen bloß, und wenn man nicht weiß, wo die eigenen taktischen und mentalen Schwächen liegen, kann man unter Druck böse Überraschungen erleben.

Kontrolle bedeutet zu wissen, wo die eigenen Schwächen liegen. Selbst wenn man diese nicht einfach ablegen kann, muss man sich ihrer zumindest bewusst sein.

Druck bedeutet für mich, dass die Energie sinkt, die ich dafür aufbringen kann, Probleme zu durchdenken und Entscheidungen zu treffen.

Deshalb sieht man Spieler so oft lange nachdenken. Sie versuchen, eine Entscheidung zu treffen, aber man sieht ihnen an, dass sie minutenlang keine einzigen neuen Gedanken fassen können, sondern immer wieder dasselbe durchkauen.

Druck kann auch dafür sorgen, dass man schneller denkt, deshalb treffen manche Spieler ihre Entscheidungen sehr schnell. In den meisten Fällen hatten diese Spieler nicht die Möglichkeit, alle Informationen in ihre Entscheidung einfließen zu lassen. Es kommt dann häufig zu schlechten Entscheidungen, weil die Spieler nicht logisch und systematisch daran gearbeitet haben.

Pius Heinz
Konzentration ist entscheidend.

Ich interessiere mich vor allem für die Technik von Pokerspielern, Entscheidungen zu treffen. Das ist genauso charakteristisch wie der Schwung eines Golfers oder der Wurf eines Basketballers. Diese Technik ist von fundamentaler Bedeutung, und sie kann unter Druck zusammenbrechen.

Je mehr man über mentale Technik weiß, desto besser kann man mit Druck umgehen.

PL.com: Wie lernt man, in einer Drucksituation wie einem WSOP-Event bessere Entscheidungen zu treffen?

JT: Zunächst sollte man sich klarmachen, dass Druck eine gute Sache sein kann. Druck bedeutet Energie, und Energie bedeutet Treibstoff, den man sich zunutze machen kann. Es geht also nicht darum, den Druck komplett loszuwerden, sondern drum, dem übermäßigen Druck standzuhalten, der Probleme verursachen kann.

Dafür muss man zunächst die Situationen und Anzeichen übermäßigen Drucks erkennen, dann lernt man, diesen Druck abzumindern, so wie man die Musiklautstärke herunterdreht, um klar und ruhig nachdenken zu können.

Eine geeignete Technik, die ich in meinem Buch erläutere, heißt „Logikinjektion“. Dazu gehört tiefes, regelmäßiges Atmen, die eigenen Handlungen bewusst zu verlangsamen und sich einen Spruch zurechtzulegen, den man sich in dieser Situation im Stillen immer wieder vorsagt. Dieser Spruch ist dazu da, das Tempo herauszunehmen.

Das kann etwas ganz Simples sein, z. B. „ich werde unter dem Druck nicht zerbrechen“. Zwingen Sie sich dazu, alles langsamer zu machen, vernünftig zu überlegen und so gut zu spielen, wie Sie können.

PL.com: Wie wichtig ist es, das mentale Spiel des Gegners zu kennen? Kann man sich auf Spieler konzentrieren, die nicht ihr bestes Spie zeigen können?

JT: Definitiv, aber ich stehe auf dem Standpunkt, dass das eigene mentale Spiel wichtiger ist, denn es verbessert auch die Fähigkeit, zu verstehen, wie die Gegner denken.

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"Druck kann eine gute Sache sein."

In meinem Buch lege ich ein Konzept dar, das sich mit der Analyse gegnerischer Spielqualität vom A- bis zum C-Game befasst.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Ich kenne einen Spieler, der so gut geworden ist, dass er genau weiß, wo sein Gegner steht. Er kann dessen Spiel so gut lesen, dass er die Schwächen aufdecken und ausnutzen kann.

Wir reden hier zwar über Poker, aber bei Golf ist es genau dasselbe.

Denken Sie nur ein paar Jahre zurück, als Tiger Woods die Golfszene dominiert hat. Der Unterschied zwischen ihm und dem damals zweitbesten Phil Mickelson war qualitativ eigentlich minimal. Aber Tiger war an einem schlechten Tag mindestens drei Schläge besser als Phil an einem schlechten Tag.

PL.com: Nennen Sie uns ein paar grundlegende Dinge, die Amateure und Low-Level-Spieler anwenden könne, um bei der WSOP bestehen zu können, ohne sich Trainer oder Mental-Coaches zu leisten.

JD: Zunächst sollten Sie Ihre Erwartungen auf ein Minimum reduzieren. Man darf sich schon vorstellen, ein Event zu gewinnen, aber bitte nicht ernsthaft. Konzentrieren Sie sich nur auf die nächste Hand.

Ich rate deshalb davon ab, zu viel zu träumen, weil man dann in Situationen, in denen der Druck plötzlich ansteigt, sich nicht richtig auf den Moment konzentriert, sondern im Hinterkopf zu viele andere Gedanken herumschwirren.

Der zweite Punkt ist, tricksen Sie sich nicht selbst aus. Viele Low-Level-Spieler versuchen besser zu sein, als sie sind, und das sowohl in taktischer wie auch in mentaler Hinsicht.

Man muss seine eigenen Grenzen kennen. Nur dann bleibt man in seine eigenen Komfortzone und weiß, was man zu tun hat.

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