Lykov verlässt Mütterchen Russland

Maxim Lykov
Keine Zukunft in Moskau - Maxim Lykov.

Maxim Lykov liegt auf dem fünften Platz der ewigen russischen Geldrangliste. Er fühlt sich seinem Vaterland eng verbunden, doch die politische Situation zwingt ihn nun zum Auswandern.

Lykov begann in seiner Studentenzeit in Moskau zu pokern. Jetzt, zehn Jahre danach, verlässt er seine Heimat und zieht mit seiner Frau nach Lettland.

Lykov ist Mitglied im Team PokerStars und Träger eines EPT-Titels sowie eines WSOP-Bracelets. Er hat in Live-Turnieren mehr als drei Millionen Dollar gewonnen.

Riga, sein nächster Wohnort, soll aber nur eine Übergangsstation auf dem Weg nach Europa sein.

Unser russischer Kollege Artur Kurvits von PokerListings.ru sprach mit Maxim Lykov am Rande des Pokerfestivals in Prag.

PL: Maxim, wie war dein Jahr?

ML: Ich war ziemlich beschäftigt damit, alles für den Umzug vorzubereiten. Es geht ja in ein anderes Land, und wir hatten einige Probleme mit Papieren und Visa. Jetzt sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen, und bald geht es los nach Riga.

Wir werden dort eine Weile bleiben und dann nach Zentraleuropa weiterziehen.

Was Poker betrifft, kann ich nicht klagen. Anfang des Jahres habe ich intensiv an meinem Spiel gearbeitet, und im Frühling gab es dann die ersten Ergebnisse – sowohl live als auch online konnte ich ein paar Turniere gewinnen.

kranich lykov
Lykov neben Moritz Kranich - Turniere mit hohen Buy-ins.

Dann kam Las Vegas. Ich habe dort ziemlich viel Zeit verbracht und eine Menge WSOP-Turniere gespielt.

Allerdings hatte ich keinerlei gute Resultate, deshalb war ich ziemlich enttäuscht. Also habe ich mich wieder mehr auf Online-Poker konzentriert und bin ca. alle zwei Monate zu einem EPT-Event gefahren.

Ich möchte mich in Zukunft auf Turniere mit hohen Buy-ins konzentrieren.

PL: Ist dein Umzug eine Flucht oder eine Emigration?

ML: Beides. In Moskau zu leben macht keinen Sinn mehr, es ist eine total verstopfte Stadt.

Die Mittelklasse ist aufgebracht, vor allem nach den letzten Entscheidungen der Politik. Es ist, als wollten sie die Situation absichtlich verschlechtern.

Das ist einer der Gründe, warum meine Frau und ich beschlossen, wegzugehen. Wir haben schon einmal sechs Monate in Thailand verbracht und einige Zeit in Europa.

Deshalb glaube ich nicht, dass wir Schwierigkeiten haben werden, uns woanders zurechtzufinden.

PL: Wird es eine Reise ohne Rückfahrkarte?

ML: Definitiv ja, nach Moskau gibt es kein Zurück. Natürlich kann es familiäre Gründe geben, die die Situation wieder ändern, aber mir ist es ernst.

berlin
Berlin oder Amsterdam - Hauptsache Europa.

Ich sehe für Moskau in den nächsten 20 Jahren keine positive Entwicklung. Eigentlich für ganz Russland nicht.

Wir wollen an einem Ort leben, der sicher und wirtschaftlich besser aufgestellt ist.

Um Poker geht es dabei gar nicht. Es ist eine generelle Entscheidung. Ich bin ein typischer Vertreter der Mittelklasse, und der geht es immer schlechter. Und ich bin Moskau einfach leid.

PL: Aber du hältst weiter die russische Flagge hoch?

ML: Ja, solange es meine persönliche Situation nicht erfordert, die Staatsbürgerschaft zu wechseln, bin ich selbstverständlich Russe.

Außerdem weiß heutzutage sowieso jeder, wo du herkommst. Selbst wenn ich in Deutschland wohnen würde, ich bliebe immer der Spieler aus Russland.

PL: Wie hat sich das Pokerverbot in Russland ausgewirkt?

ML: Wir haben jetzt mehr Pokerclubs als je zuvor – und alle sind illegal.

Wir sollten verantwortungsvoll handeln und Spielzentren schaffen. Diejenigen, die vor vier Jahren erbaut wurden, befinden sich an so idiotischen Orten, dass sie sofort wieder aufgegeben wurden.

PL: Da ist es leichter, das Land zu verlassen.

ML: Das ist nicht der Grund. Ichkümmere mich um meine Familie. Ich will, dass sie und ich an einem besseren Ort leben.

PL: Wie geht es jetzt weiter?

ML: Erst einmal umziehen. Moskau verlassen und später weiterziehen, vielleicht nach Berlin oder Amsterdam.

Was Poker betrifft, mache ich genauso weiter wie in diesem Jahr. Ich werde ein bisschen grinden und ab und zu zu großen Turnieren fahren. Aber ohne Stress.

PL: Alles Gute!

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