„Das Leben schreibt die besten Geschichten“

Matt Salsberg
500 Dollar für Golfschläger von Full Tilt.

Weeds-Produzent Matt Salsberg über Turnierpoker, seine neue Poker-Fernseherie und Golfschläger-Rechnungen von Full Tilt Poker.

Salsberg Staffel 2: Der amerikanische Drehbuchschreiber und Produzent von „Weeds“ peilt seinen zweiten Erfolg bei einem internationalen Turnier an.

Erst Mitte September feierte er bei seinem Sieg bei der WPT in Paris mit $478k seinem bisher bei Weitem größten Erfolg.

PZ: Sprechen wir zunächst über Poker. Ist San Remo das neue Paris für Sie?

MS: Wollen wir es hoffen. Bis jetzt lässt sich das Turnier ziemlich gut an. Bei WPT und EPT sind die Strukturen wie für mich gemacht. Ich bewege mich in meiner Comfort Zone, und es ist natürlich auch einfach gut gelaufen.

PZ: Höhe- und Tiefpunkte bisher?

MS: Einen großen Fehler hat ein Spieler an meinem Tisch schon am ersten Tag gemacht. Er erhöhte aus dem Cut-off, bekam eine 3-Bet vom Button, und ich ging mit Pocket Königen noch einmal drüber.

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Weeds-Poster - 50 passende Leute im Turnierbereich.

Er 5-bettete mich, aber ich blieb in der Hand. Schließlich kam es zum All-in, und er hielt Buben. Das war meiner Ansicht nach ein Fehler seinerseits, aber er hatte auch genug Chips, um sich das leisten zu können.

PZ: Und eigene Fehler?

MS: Keine großen, aber ein paar kleine. Bei dieser Hand bin ich mir nicht ganz sicher. Ich halte A-K im Big Blind und calle ein Raise. Flop K-J-x. Check, Check. Turn blank. Ich setze und er bezahlt. River Zehn. Ich setze noch einmal, er erhöht und ich weiß, dass er A-Q hält und angekommen ist.

Ich folde und er zeigt mir A-Q. Ich hätte wohl einen größeren Fehler gemacht, wenn ich vor dem Flop noch einmal erhöht hätte, denn dann wäre er vielleicht einfach all-in gegangen, und ich hätte viel mehr verloren.

Ich versuche aber in solchen Situationen den Pot klein zu halten. Hätte ich meine Bets doppelt so groß angesetzt, hätte ich ihn wahrscheinlich trotzdem nicht zum Fold zwingen können.

Er war ziemlich short, und ein Shortstack wirft selten A-Q weg.

PZ: Aus der Sicht eines Fernsehproduzenten, trifft man an Pokertischen eigentlich Charaktere, die auch in eine Serie passen würden?

MS: Ich kann mir hier niemanden vorstellen, den ich in „Weeds“ auftreten lassen würde. aber ich entwickle derzeit eine neue Fernsehserie über Pokerspieler, und für die könnte ich problemlos 50 Leute im Turnierbereich nennen, die perfekt in das Konzept passen würden.

Es geht um eine Gruppe junger Spieler, die sich auf die Tour begeben, um Poker zu spielen. Es wird eine Serie mit Comedy-Anspruch, aber relativ realistisch. Etwa so wie bei „Entourage“.

PZ: In den letzten Jahren sind eine Reihe von Filmen und Dokus über Poker erschienen. War das aus Ihrer Sicht gut oder schlecht für Poker?

MS: Das kommt darauf an. „Rounders“ war sicher gut für Poker. Aber manchmal machen wir einen Fehler, wenn wir versuchen, ein möglichst großes Publikum zu erreichen – und dann wird solchen Filmen zwangsläufig eine Liebesgeschichte aufgepropft.

Matt Salsberg
Salsberg online - 500 Dollar Rechnung für ein paar Golfschläger.

Ich weiß nicht, ob Sie z. B. den Film „Lucky you“ mit Drew Barrymore gesehen haben, denn der war, also sagen wir mal, nicht besonders gut.

PZ: Der war furchtbar. Welcher ist Ihr Lieblings-Pokerfilm?

MS: Rounders.

PZ: Nicht der Klassiker Cincinnatti Kid?

MS: Den finde ich etwas veraltet.

PZ: „Rounders“ ist ja auch nicht erst gestern erschienen. Gibt es seitdem nichts Vergleichbares?

MS: Stimmt schon, aber es sind seitdem auch nicht viele Filme dazu erschienen. 2005 gab es die Serie „Tilt“ auf ESPN, aber da haben sie es etwas übertrieben. Das war nicht mehr realistisch. zu stilisiert und zu melodramatisch.

ich versuche in meiner Serie, authentisch darzustellen, wie es für die Jungs ist, plötzlich ständig unterwegs zu sein. Jungs Anfang 20, die noch nie von zu Hause weg waren und auf einmal in der verrückten Welt der High Stakes aufwachen.

Ich will zeigen, wie sie damit umgehen, und damit, wenn man eine Menge Geld gewinnt und dann wieder verliert. Ständig unterwegs zu sein und Menschen zu treffen, die sich Freunde nennen, aber keine sind, während deine eigentlichen Freunde am Tisch plötzlich zu Feinden werden.

Wir werden aber dafür Schauspieler einsetzen, es wird also kein Reality TV, sondern eine Serie mit richtigem Drehbuch.

PZ: Wann wird die Serie erscheinen?

MS: Das ist noch nicht sicher. Wir werden noch daran arbeiten müssen, deshalb gibt es noch keinen Termin.

PZ: Fühlen Sie sich mehr als Pokerspieler oder als Autor?

Matt Salsberg
Big Stack Salsberg - Sieht aus, als wäre es eine gute Entscheidung.

MS: Mehr als Autor. Aber als Autor, der viel zu viel Poker spielt. Es ist so: Ich verbringe mehr Zeit mit Poker als mit Schreiben, aber ich verdiene mehr Geld mit Schreiben als mit Poker.

Also sollte ich eigentlich auf hohen Levels gar nicht spielen, aber es macht mir eben so viel Spaß, und ich liebe die Herausforderung.

Ich wollte immer mal ein großes Turnier gewinnen, und Paris war deshalb wirklich etwas ganz Besonderes für mich.

PZ: Stichworte Full Tilt, Bernard Tapie, PokerStars. Hätten Sie sich eine solche Geschichte je ausdenken können?

MS: Das Leben schreibt die besten Geschichten. Manchmal schreibe ich eine Story, und dann fragen mich Leute, „wie bist du denn bloß darauf gekommen?“, und dann antworte ich, „das basiert auf einer wahren Geschichte“.

Hier hatten wir es natürlich mit einer besonders kniffligen Situation zu tun. Früher oder später musste so etwas wohl passieren. Die Gesetze waren zu vage und es gab zu viele Probleme mit den Zahlungsabwicklern.

Wenn man bei Full Tilt 500 Dollar einzahlt und dann eine Rechnung bekommt, auf der steht, dass man für 500 Dollar Golfschläger gekauft hat, dann ist einem doch klar, dass da früher oder später jemand nachhaken wird.

PZ: Golfschläger? Ist das Ihr Ernst?

MS: Ja klar! Ich habe Rechnungen zuhause, auf denen steht ich hätte Golfschläger oder andere Sportsachen gekauft. Die bekam ich immer, wenn ich bei Full Tilt eingezahlt hatte. Genau dafür hat man sie schließlich festgenagelt. Bankbetrug.

Wir alle lieben Poker, live und online, deshalb verschließen wir manchmal die Augen vor dem, was außen herum passiert, selbst wenn es wirklich kritisch wird. Deshalb hatten die Spieler auch nicht wirklich erwartet, dass so etwas Drastisches passieren könnte.

PZ: Und was passiert bei Ihnen als Nächstes?

MS: Mal sehen. Ich war bei Partouche und dann in Paris. Danach flog ich an die Ostküste und spielte die Borgata Open.

Ich hatte es nicht eilig, zurück nach LA zu fliegen, und nach meinen Sieg in Paris hatte ich schon beschlossen, noch einmal nach Europa zurückzukommen.

Also fuhr ich nach Cannes zur WSOPE. Tag 1 lief denkbar beschissen. Ich schied mit Assen gegen A-K aus, pre-Flop all-in, also so ziemlich die beste Situation, die es gibt.

Dann begann ich, über San Remo nachzudenken. Ich war eine Zeitlang unschlüssig, aber letztlich kam ich doch hierher, und es sieht so aus, als wäre das eine gute Idee gewesen.

(Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ist      Matt Salsberg Chipleader bei noch 38 verbliebenen Spielern.)

Das Interview führte Giovanni Angioni

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