Markus Golser – nach dem Goldrausch

Markus Golser
Markus Golser.

Markus Golser war in Wien einstmals ein Pokerwunderkind und dominierte lange die österreichische Szene. Vor drei Jahren verschwand er dann von der großen Bühne. Nun ist der mittlerweile 40-Jährige zurück und spielt in Wien den EPT-Main Event.

Wir haben ihn gefragt, wie es sich anfühlt mittlerweile ein Poker-Oldie zu sein, wieso er heute auch auf lukrative Privat-Games verzichtet und warum Wien immer noch die beste Pokerstadt Europas ist.

PZ: Markus, man hat dich lange nicht mehr mit EPT-Chips gesehen. Warum die lange Pause?

MG: Es war Zeit. Der Sponsor (Anm. d. Red.: FullTiltPoker) hatte sich von einem Tag auf den anderen in Luft ausgelöst und irgendwie war bei mir auch ein wenig die Luft raus.

Also hab ich vor drei Jahren das letzte NLHE-Turnier und vor zweieinhalb Jahren das letzte PLO-Turnier gespielt. Eigentlich war ich auch hier nur zum Cash Game.

Aber dann haben sich soviel, auch Wiener Altstars für den Main Event  eingekauft, dass ich mir am Samstag sagte: das kannst du nicht verpassen.

PZ: Eine Rückkehr in den Schoß der Familie

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Golser in Las Vegas - gute Zeiten während des Booms erlebt.

MG: Ja, irgendwie schon. Ich hatte über viele Jahre Super-Erfolge in Österreich und habe ja auch international die österreichische Szene fast im Alleingang präsentiert.

Ich kenne hier in Wien die Spieler und auch die Veranstalter. Wir haben gerade während des Booms viele tolle Jahre gemeinsam erlebt. Da freut man sich schon über das Wiedersehen.

PZ: Das klingt ja tatsächlich so, als wenn du auch sonst nicht mehr allzu nah am Berufsspielerstand leben würdest?

MG: Bis vor zwei, drei Jahren hab ich acht bis zehn Monate im Jahr nur gespielt. Davon sind zwei bis drei übrig geblieben. Ich spiele immer noch unheimlich gern, habe aber keine richtige Zeit mehr dafür.

PZ: In der Genese des Berufsspielers befindest du dich also in welchem Stadium?

MG: Wenn du es unbedingt so nennen willst: im Stadium des allein erziehenden Vaters. Ich habe einen sechsjährigen Sohn, und dem gehört in unserer Heimatstadt meine ganze Aufmerksamkeit.

PZ: Was ist mit CardCoaches?

MG: Immer noch eins von den Projekten, denen ich meine Zeit widme. Die Seite ist zwar erstmal offline, aber im Hintergrund wird weiter daran gearbeitet.

PZ: Zurück zum EPT Main Event, bist du der Sache noch gewachsen?

MG: Gelernt ist gelernt (lacht). Ich brauche eine Eingewöhnungszeit, sagen wir hier waren es zwei, drei Stunden.

Dann hab ich ein Gefühl für die Spieler und die diversen Situationen und dann bin ich wieder drin. Gerade an den ersten zwei, drei Tagen ist ja so eine EPT kein Wunderwerk.

PZ: Dann diskutierst du nicht mehr stundenlang über Hände oder befragst die Freunde in deiner 300 Namen umfassenden Skype-Liste?

MG: So was hat es doch bei unsereins sowieso nie gegeben. Ich kenne ein paar Spieler persönlich richtig gut. Zu denen halte ich Kontakt.

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Hofburger Festsaal - wo soll es eine vergleichbare Location geben?

Und dann gibt’s die Leute, die erkennt man, wenn man sich sieht. Aber ansonsten spielt Poker in meinem Privatleben keine überragende Rolle.

PZ: Noch nicht mal Einladungen zu den teuren Cash Game-Partien mit Reichen und Prominenten?

MG: Das gibt’s natürlich hin und wieder. Aber erst kürzlich hab ich eine sehr lukrative Partie in Salzburg bei einem sehr bekannten Spieler ausgeschlagen, weil ich einfach keine Zeit mehr dafür habe.

PZ: Musstest du eigentlich „auf Entzug gehen“?

MG: Am Rand einer Sucht war ich glaub ich nie. Und mental war ich immer sehr stark. Ich konnte richtig dicke Summen verlieren und hatte das am nächsten Tag aus dem Kopf. Klar bin ich auch mal tilt gegangen, aber danach nicht tagelang Amok gelaufen.

PZ: Und online?

MG: Spiele ich auf jeden Fall nicht mehr $200/ $400 PLO, wie in meinen wilden Tagen. Das macht man, wenn man jung ist und sich beweisen will, dass man der tollste Hecht im Teich ist.

Ich muss meinen Platz in der Hackordnung nicht mehr genau definieren. Das Wunderwort heißt dann: Table-Selection. Ich spiele heute von $2/$4 bis $25/$50 PLO.

Die niedrigeren Limits nur Heads-up und nie mehr als vier Tische gleichzeitig.

PZ: Noch ein Wort zu Wien. Ist das immer noch die tollste Pokerstadt Europas?

MG: In Wien war immer die Action, hier musste man sein. Hier wurden während der Concorde Million und anderen Turnierserien die hohen Cash Games gespielt.

Gerade vor dem Euro war das hier einfach der Platz, wo man die großen Früchte ernten konnte.

MArkus Golser
Golser bei der EPT Wien - mental war ich immer sehr stark.

Dann gab es zwar mal Paris und London, aber in Wien ist immer am meisten unternommen wurden, um die Szene groß und attraktiv bleiben zu lassen.

Montesino, Poker Lounge, das CCC und dazu die jüngste Gesetzgebung – auch in Zukunft wird Wien in Sachen Poker in Europa die erste Geige spielen.

Oder glaubt Ihr, es wird je wieder eine Location wie die Wiener Hofburg geben?

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