Männer rein ins Ladies Event - die Kontroverse

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Lady Shaun Deeb.

Poker ist kein physisch anspruchsvoller Sport wie Fußball oder Tennis. Natürlich ist es körperlich anstrengend, tagelang 12h am Stück auf einem Stuhl zu sitzen und auf hohem Niveau Poker zu spielen, aber gleiches gilt beispielsweise auch für Schach, und da ist ebenfalls keine Geschlechtertrennung vorgesehen.

Genauer gesagt gibt es zwar eine Weltmeisterschaft für Schachspielerinnen, die aber von vielen Frauen bewusst ignoriert wird, z. B. auch von Judit Polgár, der wohl besten Schachspielerin der Welt. Natürlich macht es keinen Sinn, eine gemischte Box-WM auszutragen, aber bei Poker sind Frauen gegenüber den Männern in keiner Weise benachteiligt, was soll also der Quatsch?

In der Randsportart Snooker gibt es beispielsweise ebenfalls keinerlei Trennung zwischen Männern und Frauen, und auch hier ist nicht einzusehen, warum Männer diese Billardvariante besser beherrschen sollten als Frauen. Tun sie aber, denn es ist noch nie einer Frau gelungen, sich auch nur für ein einziges Turnier der Main Tour zu qualifizieren.

Gleichberechtigung

Vollends zur Farce wird die Veranstaltung, wenn man bedenkt, dass Männer ja gar nicht vom Ladies Event ausgeschlossen werden können, weil dies den Gleichberechtigungsparagrafen im amerikanischen Recht verletzt. Männer haben immer wieder an Frauenturnieren teilgenommen und werden das auch weiterhin tun, solange es diese unsinnigen Veranstaltungen gibt.

Übrigens teilt eine Reihe von Profispielerinnen die Ansicht einer Judit Polgár, die sich grundsätzlich jedem Gegner stellen will, und nicht einer vermeintlich schwächeren Auswahl. Schwächer?, höre ich da die PC-Junkies brüllen, das ist bösartig, frauenfeindlich. Mag ja sein, aber das Bracelet aus dem Ladies Event ist eben „nur das Bracelet aus dem Ladies Event". Möglicherweise müssen die Spielrinnen der unangenehmen Wahrheit ins Auge sehen, dass sie mit den Männern nicht mithalten können. Das Ladies Event wurde ursprünglich eingeführt, damit die Frauen sich die Zeit vertreiben konnten, während die Männer die richtigen Turniere spielten. Dass daraus ein Bracelet-Event entstanden ist, ist ein reines Zugeständnis.

„Frauen sind schlechte Spieler. Sie am Tisch zu haben, bedeutet leicht verdientes Geld." Diese Sätze stammen nicht von einem bösen Machospieler, sondern aus einem Fernsehinterview mit Annette Obrestad, die bekanntlich besser Poker spielt als die meisten Männer auf diesem Planeten. Möglicherweise sollte man vor lauter krampfhafter Korrektheit nicht die Augen davor verschließen, dass Männer und Frauen eben nicht gleich sind. Und wenn Frauen z. B. nicht die Aggressivität aufbringen können, die auf Dauer notwendig ist, dann sind sie eben schlechter als Männer. Ist denn das so schlimm? Gebt es doch einfach zu.

Gehen wir doch zusammen aufs Klo

Alles nur böse Vorurteile? Während des Ladies Event der WSOP 2010 verständigte sich der gesamte Tisch 61 darauf, eine Pause einzulegen und geschlossen die Toiletten aufzusuchen. Der Dealer sollte eben solange warten, bis alle wieder zurück waren. Nachdem alle Spielerinnen wieder am Tisch saßen, stand Tisch 67 geschlossen auf und verschwand ebenfalls in Richtung gekachelter Nebenräume. Da rede noch einer von Klischees.

Das Ladies Event hat keinerlei Existenzberechtigung. Genauso könnte man ein Turnier nur für Asiaten anbieten, oder eines nur für Europäer. Wie wäre es denn mit einem Turnier nur für blonde Linkshänder?

Shaun Deeb ist albern und verkleidet sich als Frau

Schon klar, es wirkt nicht gerade wie ein politisches Statement, das Shaun Deeb da abgegeben hat, als er sich im ausgeblichenen Fliederkleidchen mit Lippenstift an den Tisch gesetzt hat, denn angeblich wollte er ja auf die Ungerechtigkeit des Ladies Events aufmerksam machen. Andererseits bin ich nicht so sicher, ob er durch irgendeine andere Aktion genauso viel Aufmerksamkeit erregt hätte. Es waren immer extreme Aktionen notwendig, die ein wenig aus dem Rahmen schlugen, um Grundlegendes zu verändern. Das galt für die Gleichberechtigung von Frauen ebenso wie für die von Schwarzen oder die Beendung der Sklaverei.

Nach allem, was ich weiß, ist Shaun Deeb nicht gerade ein politischer Mensch. Seine Motivation dürfte daher eine andere gewesen sein: Er wusste, dass das Turnier soft und leicht verdientes Geld sein würde. Und komme mir jetzt bitte keiner mit der Frage, warum er nicht einmal ins Geld gekommen ist. Deeb verlor einen Coin Flip und die Turniersiegerin spielte hier ihr erstes WSOP-Event, also fangen wir das Thema „Skill Game" besser gar nicht erst an.

Machismo

Die Atmosphäre, heißt es, sei im Ladies Event besonders entspannt und angenehm. In den offenen Turnieren benähmen sich viele Männer flegelhaft, sexistisch, testosterongesteuert und beleidigend. Hallo? Ganz was Neues. Dass die meisten Männer ständig reden und sich aufführen wie Hähne vor dem Kampf (sie sind übrigens auch genauso clever wie das Federvieh), ist doch altbekannt, und es mag zwar nicht richtig sein oder sogar unfair, aber eine Pokerpartie wird nie ein Kaffekränzchen. Wenn das der zarten Damenseele zu rau ist, bitteschön, wer keine Hitze aushält, sollte nicht in die Küche gehen. Außerdem, wer sagt denn, dass Männer dieses Verhalten nichts ausmacht? Haben Frauen denn das Monopol auf Sensibilität?

Gleichberechtigung ist keine Trumpfkarte, die man nur dann zieht, wenn es gerade genehm ist. Zu viele Frauen  verwechseln gleichberechtigte Behandlung mit Vorzugsbehandlung.

Der wahre Machismo wird nicht durch die Männer verkörpert, die die Frechheit besitzen, sich auf den Gleichberechtigungsgrundsatz zu berufen und eine erlaubte Handlung vorzunehmen, sondern durch die Veranstalter, die weiterhin an einer Veranstaltung festhalten, die aus dem Machismo geboren ist und nicht zuletzt dafür heute belächelt wird. Das Ladies Event ist eine Reliquie aus der Zeit, als Frauen sowieso nur als Begleitung des männlichen Spielers wahrgenommen wurden, und nicht etwa als eigenständige Person.

Es ist sogar eine Reminiszenz, denn es ist Beleg für die Auffassung, dass man für die netten Mädels auch ein Turnier veranstalten muss, denn die sollen doch auch was zum Spielen haben, gelle? Nicht die Teilnahme und das hämische Beklatschen gebusteter männlicher Mitspieler (so geschehen bei der WSOP), sondern der Boykott des Ladies Events durch alle Spielerinnen, die Poker ernst nehmen, wäre ein wirklicher Schritt zur Gleichberechtigung.

Lesen Sie hier, was die Gegenseite dazu sagt.

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Gute Infos, danke!