Ein Käfig voller Narren – die Sache mit Männern in Ladies Events

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2 Februar 2015, Von: Dirk Oetzmann
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Ein Käfig voller Narren – die Sache mit Männern in Ladies Events

Vielleicht haben Sie es ja mitbekommen. Ein Mann hat das Ladies Event der EPT Deauville gewonnen. Das ist natürlich albern, aber lassen Sie uns mal über das wahre Problem dieses Phänomens reden.

Die Frage, ob es Männern erlaubt sein sollte, in Ladies Events mitzuspielen, ist so alt wie die Events selbst. Denn genauso lange machen die Männer das schon.

Erinnern Sie sich noch an Shaun Deeb als Frau verkleidet im WSOP Ladies Event? Das war 2010, und danach hat man kaum noch etwas zu dem Thema gehört.

Was teilweise daran liegt, dass das so ziemlich die unlustigste Art war, mit dem Thema umzugehen, die man sich vorstellen kann.

Seitdem, was gestern hier in Deauville passiert ist, ist das anders. Jetzt ist das Thema wieder an der Tagesordnung.

Um die 20 männliche Spieler nahmen am Ladies Event teil. Dabei hatte es insgesamt nur 84 Teilnehmer.

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Auch schon wieder über vier Jahre her.

Als noch 14 Spieler übrig waren, saßen noch sieben Männer an den beiden verbliebenen Tischen.

Am Rande bemerkt: Es gab auch ein Men’s Event. Vier Frauen spielten dort gegen 280 Männer. Chapeau, meine Damen. Damit wissen wir nun auch, wer hier wirklich Eier in der Hose hat.

Weiter unten lesen Sie, warum es überhaupt ein Männerturnier gab. Sie werden staunen.

Aber zurück zu den Damen. Unser französischer Kollege Tommy Mandel hat alle sieben Verbliebenen nach ihrer Motivation befragt. Und das sind die Antworten:

„Ein Freund von mir spielt gerade den High Roller Event“, „Das da ist meine Freundin“, „Es schien mir eine lustige Idee“, „Es gab kein anderes Turnier“, „Das ist eine lange Geschichte“. Ein Befragter weigerte sich zu antworten.

Vielleicht habe ich ja einfach keinen Sinn für Humor, weil ich das nicht lustig finde, aber was das Turnierangebot betrifft, es gab tatsächlich am selben Tag ein Men’s Event mit demselben Buy-in und derselben Struktur. Das war also schlicht eine Falschaussage.

Bekanntlich ist es eigentlich so: Es gibt keinen Grund für Männer, bei einem Frauenturnier mitzuspielen.

Beziehungsweise, einen gibt es doch.

Es ist der arroganteste, abschätzigste Grund, den man sich denken kann. Männer machen das, weil sie glauben, besser zu sein als Frauen – oder vielleicht sogar, weil sie wirklich besser sind?

Bei der EPT Deauville hat ein Mann den Ladies Events gewonnen. Thierry Derkx ist nun die beste Spielerin der Woche (hüstel).

Er wird bald verstehen, dass er sich und auch vielen anderen damit einen Bärendienst erwiesen hat.
Der Shitstorm auf Facebook hat bereits begonnen.

Übrigens ist Derkx ironischerweise der Leiter einer Sportakademie in Paris. Bravo, Thierry, möchte man ausrufen, du verstehst was von Fair Play.

Ich schätze, er hat sich etwas Spott durchaus verdient, denn dieses Verhalten ist einfach albern, egal ob es erlaubt ist oder nicht.

Aber sehen wir uns kurz an, warum es überhaupt einen Men’s Event gab. Das war nämlich keine Retourkutsche gegen die Männer, und es ging auch nicht darum, ihnen eine Ausrede wegzunehmen.

Es ist das Gesetz! In Frankreich darf man von Gesetzes wegen keinen Ladies Event ohne einen Men’s Event anbieten. Das wäre diskriminierend. Man darf nicht mal als Club Frauen einen Gratis-Cocktail versprechen. Weil: Diskriminierung! Ach, die Grande Nation.

Aber gut, das hört sich natürlich ein bisschen idiotisch an, aber letzten Endes ist es auch ganz einfach fair, wenn man ehrlich ist. Albern, aber fair.

Es kommt also auf den männlichen Sinn für Fairness an, wenn es um Ladies Events geht. Man muss nicht alles machen, nur weil es erlaubt ist. Ein bisschen Respekt hier und da können auch nicht schaden.

Ich käme mir im Ladies Event blöd vor. Ich würde auch nicht an einem Turnier für Linkshänder oder Blauäugige oder Dreadlock-Träger mit Meerjungfrauentätowierungen teilnehmen. Wo ist das Problem?

Das Problem ist, und das wird jetzt weh tun, meine Damen, dass Männer sich gar nicht in eure Turniere drängen würden, wenn sich das nicht lohnte.

Es lohnt sich nämlich.

Man sagt immer, das Frauen genauso gut spielen können wie Männer, aber wo ist der Beweis? 25% Männer im Ladies Event, und bei noch zwei Tischen ist es schon die Hälfte. Und dann gewinnt auch noch einer.

Wer sind also hier die besseren? Ich will auch gar nichts hören von Vanessa Selbsts enormen Skills oder der zweifachen EPT-Gewinnerin Vicky Coren.

Sabina Hiatullah
Sabina Hiatullah.

Die gewinnen, weil sie gut sind. Sonst gar nichts. Gutes Spiel ist geschlechtsunabhängig.

Gebt es zu: Ladies Events wurden ins Leben gerufen, damit die Frauen auch was zu tun haben, während die Männer spielen. Etwas außer Shopping. Und damit sie nicht gegen Männer antreten müssen. Zu einem gewissen Grad ist das heute noch so.

Das Problem ist nicht das Verhalten von ein paar dummen Jungs, das Problem ist, das Ihr, Spielerinnen, nicht gut genug seid, um die Männer abzuschrecken!

Machismo drückt sich nicht in Männern wie Thierry Derkx aus, sondern in der schieren Existenz von Ladies Events.

Denn wenn Frauen genauso gut wären, gäbe es diese Events gar nicht. So einfach ist das.

Wenn Frauen genauso gut wären, dann gäbe es heute keine Fotos von Sabina Hiatullah, die gestern Zweite wurde, mit dem Siegerpokal in der Hand, der eigentlich Derkx gebührt.

Wenn Ihr also weiter eurer kleinen exklusiven Turniere haben wollt, dass zeigt erstmal, dass Ihr es überall könnt. Das ist der einzige Weg, um dieses Übel zu beenden.

Dabei habe ich heute endlich einen Hoffnungsschimmer entdeckt. Ich fragte Sabina, was sie davon hielt, dass so viele Männer im Ladies Event mitgespielt haben.

„Eigentlich“, antwortete sie, „fand ich das ganz gut. Die meisten von ihnen spielen nämlich nicht besonders gut.“

Danke Sabina, genau das habe ich gemeint!

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