„Man muss wissenschaftlich arbeiten."

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Pokerprofi Michael Keiner über seinen Wechsel zu PokerStars, Lobbyismus in Deutschland und die EPT Berlin. Achtung: Neue Location!

Die Nachricht erschien erst vor einigen Tagen, aber der Kontakt bestand offenbar schon länger. „Seit September" war Michael Keiner, einer der Pioniere des professionell betriebenen Pokersports in Deutschland, schon mit dem Marktführer PokerStars im Gespräch.

Allerdings war dies nicht der Grund für die Trennung von seinem vorherigem Sponsor 888.com, wie Michael Keiner betont: „Der Vertrag lief zum 31. 12. aus, und da mich das neue Konzept bei PokerStars begeistert hat, wurde er eben nicht verlängert. Probleme gab es aber zu keinem Zeitpunkt."

Team Pokerstars - Probleme zu keinem Zeitpunkt.

Das „neue Konzept", von dem Michael Keiner spricht, bindet den Profi nicht nur als Spieler und Repräsentant bei internationalen Live-Events ein, sondern zunehmend auch in die operativen Bereiche PR und Öffentlichkeitsarbeit. So wird Keiner in Zukunft auch aktiv für eine staatlich reguliertes, aber legales Online-Poker eintreten. Dafür gilt es jedoch, klare und überzeugende Argumente zu haben.

„Wenn Politiker wie kürzlich in Hessen einfach Behauptungen aufstellen wie ‚18% der Pokerspieler sind süchtig', dann nutzt es nichts, einfach dagegen zu halten und zu sagen, das ist Unsinn. Man muss wissenschaftlich arbeiten, mit Argumenten, die auch zu belegen sind. Nur so kann man etwas erreichen."

„Zahlen wie diese sind natürlich wild aus der Luft gegriffen. Es gibt ja gar keine Erhebungen, aus denen so etwas hervorgegangen sein könnte. Aber genau solche Untersuchungen benötigen wir. Anhand der Ergebnisse - und bisherige Analysen haben ja längst gezeigt, dass Spielsucht hauptsächlich Geldspielautomaten betrifft, aber Poker nur zu einem verschwindend geringen Bruchteil - kann man die Verantwortlichen zum Nachdenken bringen, und deshalb ist Überzeugungsarbeit, Pokerlobbyismus gewissermaßen, unsere wichtigste Aufgabe."

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EU-Gerichtshof - Was fehlt, ist Kohärenz.

Im deutschen Recht herrscht derweil noch ein wildes Durcheinander an Regelungen, Interpretationen und Ausnahmen. Ständig werden von Verwaltungsgerichten Urteile gefällt, aber eine allgemeine Regelung scheint noch in weiter Ferne.

Das Kölner Verwaltungsgericht hat kürzlich ein Verfahren dem Eruopäischen Gerichtshof zur Entscheidung vorgelegt. Der EU-Generalanwalt hat dazu offiziell erklärt, dass EU-Recht Nationalrecht dominiert und bspw. Das Online-Pokerverbot in Nordrhein-Westfalen sei damit ungültig. Eine endgültige Entscheidung des Verfahrens steht noch aus.

„Was fehlt, ist Kohärenz. Genau das bemängelt ja auch die EU. Auf der einen Seite werden Pokerspieler kriminalisiert und als suchtgefährdet stigmatisiert, auf der anderen Seite tut niemand etwas gegen die gefährlichen Geldspieler, weil die ja Steuereinnahmen bringen. Das es hier nur um Geld geht, wird sich irgendwann nicht mehr verheimlichen lassen."

Ein typisches Beispiel dafür, wie Lobbyisten versuchen, die Politik zu eigenen Gunsten zu beeinflussen, sieht Keiner im deutschen Glücksspielstaatsvertrag:

„Der Glücksspielstaatsvertrag war das Ergebnis konsequenter Lobbyarbeit für den Reichtum Weniger. Er wurde auf der Basis von falschen Fakten geschaffen und von Landesregierungen ratifiziert, die falsche Informationen erhalten haben. Das Ziel war, unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Glücksspielsucht ein Monopol aufrechtzuerhalten. Es ist, als würde man Alkoholsucht bekämpfen wollen, indem man Bier nur noch in staatlichen Läden verkauft."

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EPT Berlin - Aufmerksamkeit in der Mainstream-Presse?

„Dabei wäre eine Regulierung ja im Sinne Aller. Die Spieler würden nicht mehr kriminalisiert, und Poker wäre das Stigma des Verbotenen los und könnte endlich als das betrachtet werden, was es ist: ein interessantes und komplexes Kartenspiel."

Neben seinem verstärkten Engagement für die „Normalisierung" des Pokersports wird der Braceletgewinner von 2008 natürlich auch am Tisch aktiv bleiben. Schon in Kürze wird man ihn online bei PokserStars antreffen. Die nächsten Live-Turniere, an denen Keiner teilnimmt, werden die CAPT Bregenz (21.-28. Feb.) und die EPT Berlin (2.-7. März) sein. Vor allem letzteres Event wird nach Keiners Meinung ein Meilenstein für Poker in Deutschland werden:

„Dieses Turnier wird Maßstäbe setzen. Es wäre keine Überraschung, wenn es das bisher größte Turnier in Deutschland wird. Deshalb wird es auch in der branchemfremden Mainstream-Presse Aufmerksamkeit erregen. Vielleicht reicht es nicht für die Tagesschau, aber mit Sicherheit für einige lokale Sender."

Die EPT Berlin 2010 wird nicht wie geplant in einem extra aufgebauten Glaspalast stattfinden, sondern im Hotel Grand Hyatt Berlin am Marlene-Dietrich-Platz. PokerStars rechnet mit einer vierstelligen Teilnehmerzahl und einer siebenstelligen Siegprämie!

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