Main Event Tag 5 - Deutschland auf Platz 2!

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Drei-Punkte-Werfer Michael Skender. Photo: Robin Scherr.

Ein früherer Basketball-Profi rollt das Feld auf, Dragan Galic auf der Achterbahn, Team PokerListings Qualifikant Ben Blair hält fast bis zum Ende durch, der „Orient Express" rollt weiter, und dann ist da noch die wilde Geschichte vom Biertrinker, Baby.

Chipleader nach Tag 5 ist Evan Lamprea aus Kanada. Leider hat die Organisation auch in diesem Jahr wieder dafür gesorgt, dass die Arbeit der Presse - abgesehen von der hauseigenen - von Tag zu Tag schwieriger wird. Heute Abend verhinderten Absperrbänder, dass wir den Spielern näher kommen konnten. Fotos von Lamprea folgen daher später.

Mann des Tages aus deutscher Sicht war jedoch Michael Skender. Der Supernova Elite Spieler und ehemalige Basketballprofi begann den Tag mit 820.000 als 43. des offiziellen Chipcounts und arbeitete sich über den Tag bis auf über zwei Millionen Chips.

Skender ist erst zum zweiten Mal beim WSOP Main Event. Bei seinem ersten Versuch im letzten Jahr kam er nicht einmal bis zur Dinner-Pause. Die letzten zwölf Monate hat er offensichtlich genutzt, um sein Spiel weiterzuentwickeln. Durch den heutigen Tag kam er mit bemerkenswerter Souveränität. Wir sahen keine Konfrontation mit einem anderen großen Stack, in der er seine Hand zeigen musste. Die Mehrheit der Hände gewann Skender schon vor dem River.

Merkwürdigerweise ist die amerikanische Presse immer noch nicht auf ihn aufmerksam geworden. Jedenfalls wird er im Live-Blog der WSOP fast nie erwähnt. Vielleicht kann man sich hier ja einen Deutschen im Finale noch nicht vorstellen. Oder die Amerikaner sind immer noch sauer, weil Deutschland im WM-Halbfinale verloren hat. Jedenfalls hat schon eine Reihe Einheimischer mit dem Finger auf uns gezeigt und uns vorgeworfen, dass „wir" ihnen eine Menge Geld gekostet haben. Selbst Schuld, Ihr Sportwetter. Dabei wie doch jeder, dass die Mannschaft, die besonders schön spielt und positiv überrascht, nie das Turnier gewinnt - es sei denn, sie heißt Brasilien.

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Dragan Galic.

Auf- und Abwind für den „Drachen"

Einen rauen Tag erlebte „The Dragon" - wie er hier genannt wird - Dragan Galic. Sein Chipstack schwankte mehrfach zwischen 600k und 250k. Er lag etwa bei 500k, als es zu folgender Hand kam: Galic saß im BB. Es wurde bis zum SB gefoldet, der nach kurzer Überlegung all-in ging. Galic bezahlte sofort mit Pocket Dreien, hatte jedoch einen Stapel orange 5k-Chips seines Gegners übersehen. Statt der erwarteten 120k musste Galic daher über 200k seines Stacks investieren. Der Gegner zeigte Q-7off, traf die sieben auf dem Turn und verdoppelte.

Nur eine halbe Stunde später kam es zu einer All-in-Konfrontation Galic vs. Lunkin. Pre-Flop wanderten alle Chips in die Mitte, und es kam zu dem erwarteten Coin Flip: Galic A-K, Lunkin T-T. Galilc traf zwei Asse auf dem Board und ließ Lunkin mit einem einzigen 1k Chip, genau einer Ante entsprechend, zurück. Es sollte die letzte Hand für Lunkin sein.

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Prince busto - Nguyen scheitert in der letzten Hand.

It's gonna be all over, baby

„Windhund", „schillernde Gestalt", „schräger Typ" oder einfach nur „the Prince of Poker". Es gibt viele Namen für Scotty Nguyen. Heute saß er lange tatenlos am Feature Table, und sein Chipstack wurde kleiner und kleiner. Als er auf etwas mehr als eine Viertelmillion geschrumpft war, fand Nguyen die Situation, auf die er gewartet hatte.

Mit Pocket Siebenen traf er ein Set auf dem Flop, während sein Kontrahent Top und Bottom Pair getroffen hatte. Nguyen doppelte auf und konnte danach wieder befreit aufspielen. Kurz vor Ende des Tages hatte er schon über eine Million.

Das aber war noch nicht genug: Nguyen verlor noch einmal einen Großteil seiner Chips und ging schließlich in der letzten Hand von Tag 5 mit A-J all-in. Mads Wissing hielt Pocket Könige und nahm den schwer enttäuschten Prince of Poker aus dem Turnier. Selbst die stehenden Ovationen des Publikums konnten Nguyen nicht aufheitern.

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"The Orient Express" - Nächster Halt: ungewiss.

Um Johnny „Orient Express" Chan drehte sich heute nur eine Frage: „Wo verdammt noch mal war Chan in den letzten Jahren?" Tatsächlich hatte man von ihm in den letzten drei Jahren hier in Las Vegas nicht viel gesehen, und wenn er hier war, gewann er nichts.

Die Antwort: Er hielt sich längere Zeit in Macau auf, „um dort den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, die nicht Poker spielen können", wie der Kollege aus Kanada erklärt. Chan war auch an Tag 5 souverän, freundlich und eiskalt. Kurz vor Ende des Tages gewann Chan noch einmal einen Eine-Million-Chips-Pot und schloss den Tag mit 2,7 Mio. Chips ab.

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Ben Blair an Tag 5 des Main Events - $50k für ein Freeroll.

Er lief und lief und lief. Ben Blair erreichte Tag 5 und beinahe auch Tag 6 des WSOP Main Events, und da wir den Begriff „sensationell" gestern schon benutzt haben, nennen wie diese Leistung heute einfach mal überragend. Über 95% des Teilnehmerfelds waren bereits ausgeschieden, als unser Freeroll-Qualifikant in einer der letzten Hände des Tages und mit nur noch 15 BB J-J fand und sein Turnierleben in Form seiner Chips in die Tischmitte schob. Leider fand jemand hinter ihm Pocket Könige, und damit endete die Reise für Ben Blair.

„Ich bin nicht wirklich enttäuscht", erklärte Ben später. „heute lief wirklich nicht viel zusammen, aber insgesamt bin ich mit meinem Spiel sehr zufrieden. Man muss sich das vorstellen. Ich spiele ein Freeroll über PokerLsitings, gewinne, fahre nach Las Vegas, fliege durch den Grand Canyon, spiele im Main Event, cashe im Main Event, und jetzt fahre ich mit $50.000 nach Hause. Ich werde alles daransetzen, im nächsten Jahr wiederzukommen." Blair beendete das Turnier als 214. von 7319 Teilnehmern. Chapeau!

Noch im Main Event:

Deutschland:

  • Michael Skender - 3.527.000 (2.)
  • Jakob Toestesen - 775.000 (125.)
  • Dragan Galic - 702.000 (137.)
  • Joachim Hein - 360.000 (191.)
  • Manig Löser - 517.000 (161.)

Österreich:

  • Sebastian Panny - 2.442.000 (10.)

Schweiz:

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International:

Johnny Chan, Theo Jorgensen, David Benyamine, William Thorson, Michael Mizrachi, Johnny Lodden, Phil Galfond, Jesper Hougaard.

Chipcount Top 10

  1. Evan Lamprea, Kanada, 3.564.000 Chips
  2. Michael Skender, Deutschland, 3.527.000
  3. Joseph Cheong, 3.357.000
  4. Duy Le, USA, 3.186.000
  5. Theo Jorgensen, Dänemark, 3.088.000
  6. Bryn Kenny, USA, 2.902.000
  7. Matt Affleck, USA, 2.896.000
  8. Alexander Kostritsyn, Russland, 2.564.000
  9. Johnny Chan, 2.559.000
  10. Sebastian Panny - 2.442.000

Ausgeschieden: Jason Mercier, Sam Farha, Evelyn Ng, William Schweinebraten, Carter Phillips, Batsuren Tserendorj, Eric Buchman, Isaac „westmenloAA" Baron, Kevin „ImALucSac" McPhee, Vitaly Lunkin, Praz Bansi.

Verbliebene Spieler im Turnier: 204

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