Lügen haben doch lange Beine – sind nun auch Mike Caros Poker-Tells falsch?

Sandra Naujoks

Es ist eines der Standardwerke des modernen Pokerwissens. Mike Caros „Books of Poker Tells“ erklärt die Bedeutung von bewussten oder unbewussten Gesten und Mimiken während einer Poker-Partie. Doch nun scheint eine Studie der University of Edinburgh zumindest bezüglich der Augenrektion zu ganz anderen Ergebnissen zu kommen. Das Resultat: Lügen, und damit auch der Bluff im Poker lassen sich nicht am Blick erkennen.

Es sind ein paar Grundsätze der Poker-Psychologie an denen bisher keiner zu rütteln wagte. Pupillen weiten sich, wenn ihnen etwas gefällt. Augen schließen sich, wenn man genug Informationen gesammelt hat. Ein Auge offen und eines geschlossen ist ein Zeichen von Irritation. Ein Blick nach oben kann ein Bitten nach Hilfe von oben bedeuten. Selbst ob man nach rechts oder links schaut, soll nicht zufällig geschehen. Hält jemand eine gute Hand schaut er tendenziell nach rechts. Konstruiert er sich etwas zusammen – bereitet er also eine Lüge, einen Bluff vor – dann gehen die Augen eher nach links.

Scheint alles Unsinn zu sein, konnte man nun im Wissenschafts-Ressort bei Spiegel-Online lesen. Unter der Überschrift „Schau mir in die Augen, Lügner“ waren dort die wunderbaren, blauen Augen von Sandra Naujoks zu sehen. Und darunter sinngemäß: Britische Forscher behaupten, dass sich Lügen doch nicht am Blick erkennen lassen.

„Viele Menschen glauben, dass bestimmte Augenbewegungen ein Zeichen der Lüge sind“, sagt Caroline Watt von der University of Edinburgh zur angesprochenen Studie. „Unsere Forschungen bestätigen dies nicht und deshalb glauben wir, dass es an der Zeit ist, diesen Ansatz aufzugeben.“ Dass sich Lügner durch ihre Augenbewegungen verraten, ist eine der Kernthesen des so genannten Neurolinguistischen Programmierens (NLP).

Dabei lernen Teilnehmer in Kommunikationskursen die Verhaltensweisen ihres Gegenübers anhand bestimmter Regeln zu analysieren. Nach den immer wieder angezweifelten Analysetechniken soll ein Mensch zum Beispiel lügen, wenn er nach rechts oben blickt, während eine Person mit Blick nach links oben die Wahrheit spricht.

Vollkommen aus der Luft gegriffen, sagen nun die Forscher aus Edinburgh in der Fachzeitschrift „PLoS ONE“. Sie hatten 32 Personen einem Test unterzogen, sie lügen oder die Wahrheit sagen lassen. Nach Auswertung der Augenbewegung sei absolut kein Zusammenhang zwischen Wahrheitsgehalt der Aussage und dem Blick der Probanden zu erkennen gewesen.

Dasselbe Ergebnis brachte eine Auswertung der 32 Videos durch Laien. Ein Teil der Gruppe war über die Theorie informiert ein anderer nicht. Beide kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Auch mit wahrhaftigen Lügnern bekamen es die Tester zu tun. 52 Videos mit Verhöre bezüglich Entführungen wurden analysiert. Bei 26 wurde massiv gelogen. Doch bei genauerer Betrachtung der Gesichtsreaktionen konnten die Testpersonen keinerlei Besonderheiten in der Augen-Reaktion feststellen.

Interessant dabei auch, dass erst vor einigen Tagen ein amerikanisches Team Studienergebnisse veröffentlicht hatte, nach denen Veränderungen der Gehirnströme anzeigen, ob ein Spieler im Begriff ist, zu bluffen oder nicht.

Michael Niedeggen, Psychologie-Professor an der FU Berlin erklärte dazu: Die Augenbewegung bedarf ein besonderen Anstrengung ist aber nicht spezifisch für Lügen. Da das Abrufen wahrer Sachverhalte eigentlich keine besondere geistige Aktivität erfordert, ist die Annahme entstanden, dass vor allem Lügner die Augen verdrehten.“

Im Umkehrschluss heißt das nichts Anderes, als dass auch der Bluff (die Lüge) beim Poker nicht an der Reaktion der Augen erkennbar ist. Dann kann man ja in Zukunft die Sonnebrille getrost Zuhause lassen.

 

Mit Material von Spiegel Online.

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