Liv Boeree: „Es ist Zeit, etwas zurückzugeben“

Liv Boeree

Wir haben uns bei der EPT London mit Liv Boeree über ihren Besuch des legendären Burning Man Festival, ihre Beziehung mit Igor Kurganov und darüber unterhalten wie Poker-Hilfsorganisationen die öffentliche Meinung über Poker verändern könnten.

PZ: Fangen wir mit einer Pokerfrage an. Am Feature Table gab es eine viel diskutierte Hand gegen Benny Spindler. Du warst im Big Blind und er raiste aus dem Small Blind. Du hattest nur noch 6 Big Blinds und hast defended, dann aber gegen eine weitere Bet auf dem Flop gefoldet.  

LB: Wie du weißt, bin ich sehr eng mit den deutschen Highrollern Igor Kurganov, Philipp Gruissem und Max Altergott befreundet.

Ich tausche mich viel mit ihnen aus und habe die Hand so gespielt, wie es mir empfohlen wurde. Ich stelle es den Leuten aber natürlich frei sich ihre eigene Meinung darüber zu bilden.

PZ: Das kann man nicht gerade als Poker aus dem Lehrbuch bezeichnen.

LB: Was sagt denn das Poker-Lehrbuch? Wenn ich folde, dann habe ich noch vier Big Blinds und bin in der nächsten Hand im Small Blind.

Benny Spindler ist ein sehr aggressiver Spieler. Ich hatte Q-4 offsuit, was definitiv nicht zu den schlechtesten 10% der Starthände gehört, die ich in dieser Situation folden müsste.

Also ist die Hand spielbar, natürlich hätte ich auch pushen können...

PZ: Warum hast du das nicht gemacht?

LB: Weil ich keine Fold Equity habe, und es einige Flops gibt, wo ich Check-Call spielen kann.

Falls ich den Flop treffe, kann ich immer noch All-In gehen und er muss ein paar Hände aufgeben. Also habe ich nach dem Flop etwas Fold Equity und wenn mir dieser wie in diesem Fall mit 8-8-7 nicht gefällt, kann ich noch folden.

Ich hatte die Möglichkeit einen sehr günstigen Flop zu sehen. Das ist meine Interpretation der Hand.

Liv Boeree beim Burning Man
Liv Boeree beim legendären Burning Man Festival.

Hätte Phil Ivey die Hand so gespielt, hätten es die Leute als genial bezeichnet, aber ich bin halt eine Frau (lacht), und deshalb ist es schlecht gespielt.

PZ: Wie kam es, dass du so eng mit Igor Kurganov und Philipp Gruissem bist?

LB: Ich kenne die beiden schon lange. Ich bin jetzt seit sieben Monaten mit Igor zusammen und sehr verliebt.

Die ganzen deutschen Highroller sind großartige Menschen und fantastische Pokerspieler und ich bin froh mit ihnen befreundet zu sein.

PZ: Du warst mit ihnen auf dem Burning Man Festival und hast einen hochinteressanten Blog darüber geschrieben. Wie kam es dazu?

LB: Antonio Esfandiari, ein weiterer guter Freund von mir, fährt da schon seit Jahren hin und er hat uns eingeladen.

PZ: Du bist eigentlich als Rockerin bekannt. Ist das nicht eher ein Hippie Festival?

LB: Ja, das stimmt. Allerdings sind da Leute aus den verschiedensten Szenen und Gesellschaftsschichten.

Die Idee des Festivals ist soziale Barrieren zu überwinden, die einen davon abhalten andere Menschen kennenzulernen. Ich habe mich noch nie zuvor so geliebt und wohl gefühlt.

Auf dem Festival gibt es kein Geld. Wenn man etwas braucht, dann muss man zu jemandem gehen und ihn fragen. Es geht darum zu geben und zu teilen.

Igor und ich bezeichnen uns als moderne Hippies. Wir haben auf dem Burning Man beispielsweise Sollarzellen verwendet, um Strom zu erzeugen.

PZ: Der Vertrag von einigen europäischen PokerStars Pros wurde nicht verlängert. Hast du Angst davor die nächste auf der Abschussliste zu sein?

LB: Der Pokermarkt hat sich genauso geändert wie der Eigentümer von PokerStars und das hat natürlich Konsequenzen.

Dennoch habe ich viel Vertrauen in das neue Management, auch wenn ich noch nicht weiß, ob mein Vertag verlängert wird. Was auch passiert, ich werde nirgendwo anders hingehen. Ich liebe PokerStars und war immer sehr glücklich ein Teil dieser Firma zu sein.

PZ: Du hast einen akademischen Abschluss. Was wäre eine Berufsalternative für dich?

LB: Ich werde nicht zurück in die Astrophysik gehen, da ich schon zu lange aus der Materie draußen bin.

Liv Boeree REG
Liv hat vor kurzem gemeinsam mit den deutschen Highrollern Philipp Gruissem und Igor Kurganov das Hilfsprojekt "Raising for Effective Giving" gegründet.

Meine größte Leidenschaft ist der Kampf gegen den drohenden Klimawechsel und der ungerechten Verteilung der Resourcen. Dafür möchte ich mich in Zukunft engagieren.

Geld zu verdienen ist schön und gut, aber jetzt ist es an der Zeit etwas zurückzugeben.

PZ: Talal Shakerchi ist einer der größten Philantrophen der Welt. Hat er euch bei der Gründung eures Hilfprojekts „Raising for Effective Giving“ inspiriert?

LB: Ja, sehr sogar. Igor und Philipp haben sich viel mit ihm über die Grundsätze des Effektiven Altruismus unterhalten. Wir haben uns ein Projekt zur Hilfe von krebskranken Menschen einfallen lassen, und er hat uns gezeigt, wie wir den Leidenden so effektiv wie möglich helfen können.

PL: Habt ihr derzeit ein spezielles Projekt in Planung?

LB: Ja, im Dezember wird es ein Charity Pokerturnier in Las Vegas geben. Alle Teilnehmer spenden einen Teil ihres Preisgelds für wohltätige Zwecke.

Und das bringt uns zu meinem persönlichen Traum. Ich möchte zu den großen Turnieren reisen und den Gewinner nach seinem Sieg darum bitten etwas für unsere Hilforganisation REG zu spenden.

Wenige würden nein sagen und das könnte die öffentliche Meinung über Poker komplett verändern, denn wenn dann jemand Poker als böses Spiel bezeichnet, dann können wir sagen, schaut euch an wie viel Geld für den guten Zweck dadurch erzeugt wird.

Interview: Christian Henkel und Dirk Oetzmann

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