Litauischer Ex-Poker-Pro Tony-G bewirbt sich um UKIP-Führung

Antanas Guoga Tony G
Antanas Guoga alias "Tony G"

Das klingt jetzt wie ein großer Witz aber es stimmt. Antanas Guoga alias „Tony G" hat sich offiziell darum beworben, Nigel Farage als Vorsitzender der britischen Anti-Euro-Partei UKIP nachzufolgen. Das ist sein persönlicher Re-Raise gegen die Partei vom rechten Rand.

Wird das Vereinigte Königreich tatsächlich die EU verlassen? Sicher ist nichts. Die britischen Politiker sind „in the tank“ und schinden Zeit.

Brexit-Poker

Der Brexit ist inzwischen ein Pokerspiel wo jeder darauf wartet, dass der andere zuerst blinzelt. Aber wenn es um Poker geht, hat kein anderer Politiker so viel Erfahrung wie Antanas Guoga.

Der Litauer mit australischen Wurzeln spielte früher professionell Poker und verabschiedete sich vor einigen Jahren in die Politik. Jetzt ist er ein offizielles Mitglied des europäischen Parlamentes für Litauen.

Nigel Farage und Tony G
Nigel Farage und Tony G

Er ist überzeugter EU-Anhänger und auch wenn er sich vom Poker-Profi "Tony G" in den ernsthaften Politiker Antanas Guoga verwandelt hat, liebt er es immer noch, seine politischen Gegner im Stile von Tony G zu sticheln.

Sein liebster politischer Gegner war Nigel Farage, der jüngst seinen Posten als Vorsitzender der rechtsgerichteten britischen Partei UKIP aufgab und damit in den Augen vieler Betrachter jedwede Glaubwürdigkeit verloren hat.

Nur wenige Tage vor dem britischen Referendum bot Guoga Nigel Farage eine Wette an: Eine Million Dollar, dass das Vereinigte Königreich in der EU bleiben werde.

Um in der Sprache eines Pokerspielers zu bleiben – Guogas frühere Sticheleien waren eine Reihe von Min-Raises, doch dieses Manöver gegen Farage war eine monströse Overbet auf dem River, die seinen politischen Gegner in ein äußerst ungünstige Position brachte.

Farage konnte nicht "passen", ohne zuzugeben, dass seine Kampagne nur ein Bluff war, er konnte aber auch nicht "callen", denn er hatte überhaupt nichts, womit er hätte callen können.

Also machte Farage genau das, was Politiker häufig tun wenn Gefahr im Verzug ist – nichts.

Aber Farage schien wenig über Tony G zu wissen, wenn er dachte, dass er ihn so loswerde.

UK in Aufruhr, doch Guoga bietet ganz besondere Hilfe

Nachdem Boris Johnsen sich erst wenige Tage zuvor aus dem Rennen um den Posten des britischen Premierministers zurückzog, gab Nigel Farage seine Führungsrolle der UKIP-Partei auf.

Die zwei bekanntesten Gesichter der Leave-Kampagne sind verschwunden und ihren Gefolgsleuten schwant so langsam, dass sie ihre Stimmen möglicherweise aufgrund falscher Versprechungen abgegeben haben und dass die beiden gar kein Interesse daran hatten, zum Showdown zu gehen (um in der Pokersprache zu bleiben).

Jetzt ist also wieder Tony G an der Reihe. Wobei, „an der Reihe“ trifft es nicht so richtig. Es ist mehr so, als wäre Tony G ohne anzuklopfen in einem Raum hereinspaziert, hätte sich an den dort stehenden Pokertisch gesetzt ohne gefragt werden und versuchte nun, auf dem River den Pot zu stehlen, ohne überhaupt Karten zu haben.

Er braucht ja auch gar keine Karten, um einen so loose-passiv-aggressiven Spielern wie Nigel Farage auszuspielen. Hier sind einige der Gründe, die Guoga in seiner Bewerbung um den Führungsposten bei UKIP auflistet.

Zunächst erklärt er, dass er alle Anforderungen erfüllen und seine Bewerbung deswegen ernst genommen werden sollen.

Weiter erklärt er seine Qualifikationen als Führer von UKIP damit, dass auch er „Geld wegen der Rumänen verloren“ habe, darauf anspielend, dass er einige große Hände gegen Daniel Negreanu verloren habe und mit Fremdenfurcht spielend.

Als Halb-Australier und Halb-Litauer, erklärte Guoga, habe er Immigrations-Erfahrungen aus erster Hand.

Guoga führt ferner aus, dass Pokerprofis auch gerne den Tisch verlassen, nachdem sie eine große Hand gewonnen haben, was in etwa der UKIP-Führung nach dem gewinnen des Referendums entspricht.

Der Bexit-Bus
Der Bexit-Bus

Als würde das noch nicht reichen, macht sich Guoga weiter lustig. Er verspricht, seine Verdienste dem britischen National Heath Case System (NHS) zu spenden, auch wenn dieser nicht ganz den versprochenen 350 Millionen Pfund pro Woche entspräche.

Während der Kampagne fuhr Boris Johnson mit einem roten Bus quer über die Insel, auf dem genau diese Behauptung groß stand – dass das Vereinigtes Königreich wöchentlich 350 Millionen Pfund an die EU zahlen. Eine offensichtliche Lüge.

Wieder einmal gelang es Antanas Guoga, den Zynismus von Pseudopolitiker wie Nigel Farage zu entlarven, der seinen Sitz im EU-Parlament übrigens behält. „Zu beobachten,“ erklärte er.

Tony G hat mal wieder seine Chips in die Mitte gebracht und hat keine Angst, zu verlieren. Die Mitspieler rund um ihn am Tisch sitzen nun da, warten und denken: „Call, UPIK, bitte Call!“

> Guogas offizielle Bewerbung

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