„Manchmal sah ich aus wie ein Gespenst“

Lex Veldhuis
Aus der Vergangenheit gelernt - Lex Veldhuis 2012.

Lex Veldhuis über verrückte No Limit Omaha Games, dubiose Casinos, warum er nicht in Macau spielt und wie Poker seinen Körper zerstörte.

In jener Nacht, als Lex Veldhuis beim Main Event der WSOP 2009 Simon Münz mit einigen spektakulären Bluffs den Schneid und den Stack abnahm, wurde der Holländer weltweit bekannt und gefürchtet.

Ausgerechnet ein Holländer, mag mancher gedacht haben, aber Veldhuis ist kein Fußballer, und sein Stil war so beeindruckend, dass er sich damit eine Menge Respekt verschaffte. Die Aufnahmen jener Nacht wurden bei PokerZeit sogar vom Spiegel kommentiert.

Veldhuis ist ein Vorbild für viele junge Spieler, denn er lebt das aus, wovon sie träumen: Ein Haus in Las Vegas, Reisen um die Welt, Spielen um sagenhafte Mengen Geld.

Jetzt hat sich der Holländer eine neue Bleibe in Toronto gesucht. Warum wohl? Und warum sieht man ihn nie in Macau? Wie plant so jemand eigentlich seine Termine?

Alexander Veldhuis
Veldhuis im WSOP $40k Event - die ganz abgedrehten Momente.

LV: Ich konzentriere mich auf die EPTs, denn die will ich auf jeden Fall spielen. Außerdem natürlich die WSOP. Abgesehen davon plane ich nicht viel. Ich bin ja Cash-Game-Spieler und reise deswegen nicht so viel.

Ich schaue mir an, ob in den nächsten zwei Wochen etwas los ist, und dann entscheide ich.

PZ: Ist dein Lebensmittelpunkt weiterhin Las Vegas?

LV: Nein. Ich wollte wieder mehr online spielen, deshalb bin ich mit meiner Freundin nach Toronto gezogen. Ich lebe jetzt hauptsächlich dort und in Holland.

Vor dem Black Friday war ich fünf, sechs Monate im Jahr in Vegas. Jetzt spiele ich hauptsächlich Turniere in Europa und ein paar echt durchgeknallte No Limit Omaha Partien in Toronto.

PZ: No Limit Omaha? So was gibt’s?

LV: In Toronto wird vermehrt $5/$10 und $10/$20 No Limit Omaha gespielt. ich weiß, das ist sehr ungewöhnlich, aber wenn man die Wahrscheinlichkeiten kennt, kann das sehr profitabel werden, denn man kann jeden Fehler gnadenlos ausnutzen.

Wenn lauter gleich gute Spieler am Tisch säßen, würde NLO keinen Sinn machen, weil die Spieler sich gegenseitig neutralisieren, aber mit schwächeren Spielern am Tisch wird daraus eine irre, extrem deepe Partie. Die Blinds hören sich nur niedrig an.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann muss ich selbst noch viel über Omaha lernen, und ich habe auch schon üble Nächte erlebt.

PZ: Lebst du den Traum aller jungen Pokerspieler aus?

LV: Ich weiß nicht, ob es ein Traumleben ist, aber es ist ganz klar das beste Leben, dass ich mir vorstellen kann. Übrigens ist es nicht immer so verrückt, wie man denkt. Ich versuche, geregelt und gesund zu leben, um dann manchmal komplett abgedrehte Dinge machen zu können.

Damit meine ich Sachen wie beim Big Game oder bei High Stakes Poker mitzuspielen. Dafür braucht man eine Menge Energie.

Und dann beschäftige ich mich viel mit PLO und spiele online, also muss ich auch eine Menge Auf- und Abschwünge verkraften.

Lex Veldhuis
Schlaflosigkeit und Allergien - Poker bis zur Erschöpfung.

Ich habe aus meiner Vergangenheit gelernt. Es gab Zeiten, da war mir alles egal. Ich habe nur gespielt, manchmal tagelang, ohne zu schlafen. ich habe nicht darüber nachgedacht, was ich tue, ich tat einfach alles, was ich wollte.

Dann ging es mir zusehends schlechter. Ich entwickelte Allergien gegen Lebensmittel, ich konnte nicht mehr schlafen, es wurde immer schlimmer. Käse, Schokolade, Kaffee, Bier, bis heute kann ich nichts davon zu mir nehmen. Alles wegen der falschen Ernährung. Das war ein echter Weckruf für mich.

Ich kann damit leben, weil ich das meiste davon nicht wirklich vermisse – außer Bier natürlich (grinst), aber mir wurde klar, dass ich etwas ändern musste.

Also wurde ich aktiv. Ich begann mit Kickboxen, auch wegen dem Kampf gegen ElkY, und heute treibe ich fünf oder sechs Mal Sport. Jetzt habe ich wieder das Durchhaltevermögen, um wochenlange Turnierserien durchzustehen, ohne mich dabei aufzureiben.

PZ: Phil Ivey hat gerade Schwierigkeiten mit einem Casino, das ihm seinen Gewinn nicht auszahlen will. hattest du schon einmal solche Probleme?

LV: Na ja, ich hatte schon Gegner, die mich nicht auszahlen wollten (lacht).

Casinos sind ziemlich windige Partner, wenn es ums Auszahlen geht. Sie bieten ein Spiel an, sagen wir Blackjack, und wenn dann jemand kommt, der in der Lage ist, das Spiel zu schlagen, wird aus Spielen plötzlich Betrügen, obwohl einfach Können dahinter steckt.

Das heißt nicht, dass Ich glaube, Ivey kann Baccarat schlagen. Das Spiel ist einfach komplett skillfrei. Er hat wohl einfach Glück gehabt. Der Punkt ist, wenn jemand 20 Millionen verliert, kommt keine vom Casino und sagt: „Oh, also so was, das ist ja noch nie passiert, hier hast du fünf Millionen zurück.“

veldhuis high stakes poker
Veldhuis bei Hish Takes Poker - "verrückte Omaha Games".

Ich persönlich hatte so ein Problem noch nie. Hauptsächlich, weil ich diese Spiele selten spiele, und dann auch, weil ich eigentlich nie gewinne. Bei mir enden solche Abende also meistens mit einem Handschlag und Drinks umsonst.

PZ: Spielst du auch die High Stakes in Macau?

LV: Nein, ich war in meinem ganzen Leben noch nie in Macau.

Ich mag mein Leben, so wie es ist. Um in Macau zu spielen, müsste ich die entsprechende Bankroll haben, aber ich habe keine Lust, zwei Wochen lang in einer öden $5/$10-Partie zu sitzen, um genug zu grinden, damit ich dann in Macau $100/$200 spielen kann.

Dann wäre Poker mehr Arbeit als Spaß, und das ist nichts für mich.

Man sollte Life Games nur spielen, wenn sie Spaß machen oder lukrativ sind. solche Partien gibt es genug auf der Welt.

Es gibt viele junge Spieler, die fröhlich und hoffnungsvoll nach Las Vegas kommen, und wenn man sie ein Jahr später wieder trifft, sehen sie furchtbar aus und sind völlig verbittert. So darf das nicht laufen.

Ich weiß, wie das ist. Ich hatte Zeiten, da sah ich aus wie ein Gespenst. Dabei hat Poker damit gar nichts zu tun. Es geht um Verantwortlichkeit. Die Jungs sind zum ersten Mal von zuhause weg, können tun und lassen, was sie wollen, sie haben Geld – eine Zeitlang – und dann kommt der Absturz.

Aber gibt ja auch Leute, die es schaffen, die spielen und glücklich sind. für mich ist das Wichtigste der Spaß an der Sache, und ich spiele lieber 20 Tische gleichzeitig eine Stunde lang als 20 Stunden an einem Tisch zu sitzen.

Lex Veldhuis
Betrunken gegen Ivey - "Verrückte Zeiten."

PZ: Wirst du auf Full Tilt spielen, wenn die Seite wieder online geht.

LV: Das wird sich jetzt anhören, als müsste ich das sagen, weil ich ja bekanntlich von PokerStars gesponsert werde, aber das war immer mein Lieblings-Pokerraum.

Die Software von PokerStars ist die einzige, mit der man vernünftig multi-tablen kann, und die Seite hatte immer einen guten Ruf.

Ich habe fünfeinhalb oder sechs Millionen Hände auf PokerStars gespielt, auf allen andere zusammen vielleicht hunderttausend.

PZ: Hast du überhaupt auf Full Tilt gespielt?

LV: Ja. Manchmal, wenn ich betrunken war, aus Spaß heads-up gegen Ivey.

PZ: Du spielst aus Spaß betrunken gegen Ivey?

LV: Manchmal zog ich um die Häuser, kam nach Hause, schaue in die Lobby und sehe, eigentlich nix los, aber Ivey sitzt an einem Tisch und wartet, als los geht’s.

Ich erinnere mich an eine Nacht, in der ich mit einem Freund vor dem Computer saß und gegen Ivey spielte. Ich hatte mir spezielle Sounds für „Call“ und „Fold“ eingestellt.

Dann kam eine Hand, in der ich Ivey auf dem River mit Nichts checkraiste. ein kompletter Bluff. Mein Freund und ich saßen mit den Händen vor dem Gesicht vor dem Computer und beteten. Dann kam tatsächlich das Fold-Geräusch, und ich war noch nie so erleichtert in meinem Leben. Das waren verrückte Zeiten.

PZ: Reden wir noch über unverantwortlichen Umgang von jungen Leuten mit zu viel Geld?

LV: (grinst) Ähm, ja.

PZ: Würdest du Full Tilt repräsentieren, wenn du keinen Vertrag mehr mit PS hättest?

LV: Natürlich würde ich mich dann nach Sponsoren umsehen und auch Full Tilt nicht ausschließen. Aber wenn ich für meinen Lebensunterhalt grinden müsste, würde ich das immer auf PokerStars machen.

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