Berlin - keine Spielerreise wert?

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Spielerschwund in Berlin.

Sechs Wochen vor der EPT Berlin schlagen die dortigen Spielbanken Alarm. Jedes Jahr fehlt mehr Geld in der Kasse. Aktionen wie „Low-Budget-Poker" greifen nicht. Schuld an dem Umsatzrückgang seien der Glücksspielstaatsvertrag und Automatenspielhallen. Der Automatenverband wehrt sich.

Wenn die Hauptstadt in den letzten Jahren Schlagzeilen machte, hatte das meistens mit Geld zu tun, bzw. mit der Abwesenheit desselben. Jetzt geraten auch die staatlichen Casinos zunehmend in Schwierigkeiten.

Beispiel Hasenheide: Innerhalb nur eines Jahres ist der Umsatz von zehn auf vier Mio. Euro eingebrochen. In direkter Nachbarschaft der Spielbank wurden 2009 zwei Automatencasinos eröffnet. Der Zusammenhang ist für die Spielbankbetreiber offensichtlich.

Beispiel Potsdamer Platz: „800.000 Euro Verlust" erwartet der Geschäftsführer Günter Münstermann. Neue Angebote wie das „Low-Budget-Poker" für den kleineren Geldbeutel zeigen kaum Wirkung. Das Publikum bleibt weg. Martin Reekmann, der Vorsitzende des Bundesverbands, wittert sogar „massive Wettbewerbsverzerrung".

Automatencasinos unterlägen keinen staatlichen Kontrollen, böten keine festen Arbeitsplätze bzw. -zeiten oder Tarife, und auch das Rauchverbot werde nicht eingehalten in den Spielhallen, die überhaupt „hauptsächlich der Geldwäsche dienen" (Münstermann).

Geradezu dramatisch sei der Umsatzrückgang seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvrtrags Anfang 2008. Die Spieler wichen zunehmend in die Illegalität aus: das Internet oder Pokerclubs.

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Die Alternative zum Casino?

Der Verband der Automatenkaufleute weist die Vorwürfe zurück: Die staatlichen Regelungen gälten für Spielhallen genauso wie für Casinos, und die Arbeitsbedingungen in den Spielbanken seien nun auch nicht gerade geeignet, anderen Branchen gegenüber Vorwürfe zu machen. Bekanntlich fechten z. B. mehrere Mitarbeiter des Casinos Hohensyburg derzeit Verfahren gegen ihre Vorgesetzten aus.

Die Spielbanken hätten sich vielmehr jahrelang nicht um ihre Gäste gekümmert und Trends lange Zeit verschlafen, lautet der nicht ganz unbegründete Vorwurf.

Besonderen Anstoß nahm man am Vorhalt der Geldwäsche, hätten doch das Bundeskriminalamt und das Ministerium für Finanzen bereits geäußert, dass gerade in den staatlichen Spielbanken in zahlreichen Fällen gegen das Geldwäsche- und das Kreditwesengesetz verstoßen und nicht ausreichend Prävention betrieben wird.

Sechs Wochen vor Beginn der ersten EPT Berlin hört sich das nicht an, als ob der Standort für die German Open richtig gewählt wurde. Tatsächlich aber ist das Potenzial in der Hauptstadt noch immer riesig, denn nicht die Zahl der Spieler hat sich verändert, sondern die Spielorte. Live Poker erfreut sich in Deutschland grundsätzlich weiterhin großer Beliebtheit.

Am stärksten zu leiden haben aber der Staat selbst, denn die früher beträchtlichen Abgaben der staatlichen Casinos implodieren, sondern auch Träger sportlicher oder kultureller Veranstaltungen. Ein signifikanter Teil der Abgaben wird per Gesetz gemeinnützigen Vereinen zur Verfügung gestellt. In Berlin muss inzwischen der Senat ausbleibende Mittel selbst zur Verfügung stellen - die Schlange Glücksspielstaatsvertrag beißt sich selbst in den Schwanz.

Keine Frage, die Finanzkrise hat inzwischen auch die Glücksspielbranche fest im Griff. In Las Vegas, dem Mekka der Zocker, sind die Einschnitte bereits viel gravierender. Große Casinos wie der Caesar's Palace oder das Wynn haben inzwischen festgelegt, dass das Management den Dealern in die Trinkgeldtasche greifen darf, falls dafür eine „geschäftliche Notwendigkeit" besteht (Las Vegas Sun, 18. Jan. 2010).

In den USA liegt der Verdienst der Kartengeber nur leicht über dem Mindestlohn - ihr Einkommen setzt sich zu über 90% aus Trinkgeldern zusammen.

 

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