Slow-Play? Lassen Sie es lieber!

At the table
Wenn Ihr Ziel ein hoher Gewinn ist, dann ist Slow-Play die falsche Strategie

Ziel des Pokerns ist Geld gewinnen. Das ist alles - das ist Ihr Ziel. Deshalb spielen Sie Poker und nicht Mau-Mau.

Mit anderen Worten, all Ihre Strategien dienen demselben Ziel: Geld. Ich stelle immer wieder fest, dass viele Anfänger den Fehler machen, slow zu spielen. Oder zu oft slow zu spielen.

Slow-Play ist fast immer kontraproduktiv. Wenn es Ihr Ziel ist, möglichst viel Geld in den Pot zu bekommen, gelingt Ihnen das nicht durch checken. Pots werden aufgebaut, indem sie Ihre starken Hände spielen, nicht indem Sie damit anderen auflauern.

Beispiel: Slow-Play

Die effektiven Stacks liegen bei $200, die Blinds sind $1/$2. Sie finden 6 6 am Button. Ein Spieler aus früher Position hat auf $6 erhöht und Sie entscheiden sich zum Call.

Der Flop zeigt 3 6 A. Der Gegner setzt $10. Sie bezahlen. Auf dem turn kommt die T.

Der Gegner setzt $18 und Sie callen. Auf dem River kommt die 7. Ihr Gegner checkt und sie setzen $35. Der Gegner bezahlt. Sie zeigen Ihr Set und er muckt A K. Sie schnappen sich einen $138 Pot.

Schön, sie haben diesen Pot gewonnen. Klopfen sie sich auf die Schulter und sagen Sie sich „nice hand". War es aber nicht.

Wenn Sie schon ein Set floppen, wollen Sie auch um große Stacks spielen. Darauf haben Sie schließlich gewartet, deshalb haben Sie die ganze Zeit 6-2 und 9-5 gefoldet. Nun haben Sie endlich ein Monster und verschwenden es durch Slow-Play? Diese Strategie ist einfach nicht durchdacht.

Wieso? Wenn Sie slow spielen, bleibt der Pot meistens klein. Es ist ziemlich schwierig, sein Geld in die Mitte zu schieben, wenn der Pot klein ist. Sie können ja schlecht $200 in einen $4-Pot schieben, oder?

Gavin Smith
Ruhig Blut, du hast nur gerade einen 136$ Pot gewonnen.
Bauen Sie dagegen den Pot in jeder runde weiter auf, wird er auf dem River groß genug sein, damit Sie beruhigt Ihren ganzen Stack setzen können.

Die Beispielhand oben wurde von unserem Gegner gut gespielt. Er spielte sie so, wie es die meisten tun würden. Er setzte bis zum Turn und checkte dann auf dem River, weil Sie alles bezahlt haben, um die letzte Bet von Ihnen zu callen.

Der Grund dafür war, dass er es vermeiden wollte geraist zu werden (was Sie ja auch getan hätten). In dieser Situation ist es ziemlich schwierig, ausgezahlt zu werden, da man auf zwei Straßen nur gecallt hat. Hätten Sie dagegen den Flop erhöht, hätte er höchstwahrscheinlich mit Top Pair Top Kicker bezahlen müssen und so den Pot vergrößert.

Das Beispiel ohne Slow-Play

Effektive Stacks $200, Blinds $1/$2. Sie finden 6 6 im Cut-off. Ein spieler erhöht aus früher Position auf $6. Es wird zu Ihnen gefoldet und Sie callen.

Day 2
Beachten Sie stets die Dynamik des Tisches, Spieltendenzen usw. bevor Sie handeln.
Der Button und die Blinds folden und Sie sehen einen Flop 3 6 A. Ihr Gegner setzt $10, Sie entscheiden sich gegen Slow-Play und erhöhen auf $45. Der Gegner bezahlt.

Auf dem Turn kommt die T. Der Gegner checkt. Im Pot liegen nun $102, Ihr Stack beläut sich auf knapp $150. Sie setzen $70.

Ihr Gegner überlegt und callt. Auf dem River fällt die 7. Ihr Gegner checkt und Sie setzen Ihre verbliebenen $80. Nach dem Call zeigt der Gegner A K. Ihr Set gewinnt $400.

Dadurch dass Sie den Pot kontinuierlich aufgebaut haben, konnten Sie Ihren ganzen Stack einsetzen. Wenn der Pot groß ist, bekommt Ihr Gegner außerdem keine korrekten Odds mehr. Er hat auf dem River wahrscheinlich gesehen, dass er ziemlich pot-committed war, denn er hatte bereits 60% seines Stacks investiert und erhielt Pot Odds von 4:1, was einen Fold sehr schwer macht.

Aber manchmal muss Slow-Play doch auch richtig sein

Stimmt. In Poker gibt es keine Strategie, die immer korrekt ist. Die Dynamik am Tisch, Ihr Image, die Spielweise Ihrer Gegner usw. fließen in Ihre Überlegungen ein, bevor Sie Ihre Entscheidung treffen.

Ich sage nicht, dass Sie niemals slow spielen sollten. Ich rate Ihnen nur, es selten zu tun.

Slow-Play ist dann angebracht, wenn Ihr Gegner ultra-aggressiv ist und Sie wissen, dass er auf jeder Straße auch mit schwachen Händen weiter setzen wird, bis er Widerstand spürt. In einem solchen Fall ist es kein Fehler, slow zu spielen.

Beispiel:

Sie spielen gegen einen extrem aggressiven Gegner. Sie haben gesehen, dass er sogar mit Ass hoch drei Mal feuert.

Effektive Stacks $200, Blinds $1/$2. Sie finden T T im Small Blind. Der ultra-aggressive Spieler erhöht UTG auf $8 und es wird zu Ihnen gefoldet. Sie callen nur. Der Flop fällt T 2 5.

Rick Salomon
Ein guter Moment, um „slow" zu spielen ist bevor Sie sich entschliessen, Pamela Anderson zu heiraten.
Sie checken und Ihr Gegner setzt $20. Sie callen nur. Auf dem Turn kommt die 5. Sie checken und der Gegner setzt $65. Sie callen.

Auf dem River kommt das A. Sie setzen $100 und der Gegner bezahlt mit A 4. Sie gewinnen den Pot mit Ihrem Full House.

In dieser Situation wissen Sie um die Aggressivität Ihres Gegners. Sie wissen, dass er praktisch mit jeder Hand setzt. Er wird den Pot für Sie aufbauen. Es gibt also keinen Grund, zu raisen und ihn mit seiner schlechten hand zu vertreiben.

Diese Situation kommt nicht sehr häufig vor. Deshalb müssen Sie sich der Tischdynamik anpassen. Sie müssen sicher sein, dass Ihr Gegner weiter setzt. Beachten Sie bitte auch, dass unser Hero auf dem River setzt.

Es ist sehr riskant, mit einer so starken Hand auf einen Check-Raise zu spekulieren. Wenn er auf dem River hinterher checkt, geht eine Menge Value verloren.

So ist das. Sie brauchen auf Slow-Play nicht vollständig zu verzichten. Wenn Sie es sich jedoch angewöhnen, alle starken Hände so zu spielen, verspielen Sie jede Menge Geld!

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