Katja Thater Interview WSOP 2008

PokerListings.de hat Katja Thater während WSOP 2008 am Tag nach ihr Ausschied aus dem Main Event getroffen. Mit einiger Verzögerung publizieren wir nun das Interview

Hallo Katja, wie geht's?

Hallo, ich bin müde, ha ha.

Zu viel Party?

Ach nein, ich bin nicht wegen der Parties da, ich bin hier um zu arbeiten! Wenn du über Las Vegas liest ist es immer eine grosse Party. Ich meine, es ist eine grosse Pokerparty, aber est ist auch harte Arbeit.

Erzähl mal vom gestrigen Spieltag

Von gestern ist nichts besonderes zu erzählen. Wir spielten 150/300 Blinds und ich habe so ungefähr 16.000-17.000 Chips. Ich sitze Under The Gun und habe Pocket Jacks, und ich mach's 1200 to go. Neben mir setzt einer, und jemand aus late Position setzt auch. Und ich denke, wenn der Flop jetzt klein kommt, dann checkraise ich.

Der Flop kommt klein und schlecht, ich glaube 775 in drei Farben. Ich checke, der neben mir checkt, der letzte spielt und gewinnt 5000. Ich spiele sofort herein, ich glaube 14.000 oder 15.000. Der hinten schmeisst auch weg, aber der neben mir setzte und hat die 7 getroffen! Er hat T7. Ich hatte nicht erwartet, dass jemand mit T7 zahlt.

Der Flop sah gut aus und ich wusste das der Typ hinten spielen würde, und er schmeisst auch weg (wie ich wollte) aber jemand hat einfach einen guten Flop gehabt, naja. Er hat den Flop getroffen und ich war aus am dritten Level.

Aber das ist OK. Ich scheide lieber am ersten Tag aus als zwei oder drei Tage zu kämpfen und dann ist es dasselbe Ergebnis.

Für mich ist das Main Event nicht mehr das grösste Event des Jahres. Ich denke, dass ein no-limit Holdem Turnier mit über 6000 Spieler zu spielen, da müssen wir unter Pokerspielern nicht besonders viel darüber sagen. Das ist nicht das wichtigste Event, das ein Pokerspieler im Jahr spielt.

Was ist wichtiger als das Main Event?

Ich habe auch noch das $50,000 HORSE Event gespielt. Das war für mich das wichtigste Turnier. Ich habe drei Tage gespielt und habe dann, wie ich finde, zwei ziemlich fiese bad Beats bekommen.

Da war ich auch ein Bisschen traurig danach. Es ist wieder kurz vorm Geld, und es ist wieder ein Bisschen unglücklich gelaufen. Aber ich war trotzdem die einzige Deutsche Spielerin im Turnier, ich habe drei Tage super Poker gespielt.

Was spielst du am liebsten?

Ich spiele eigentlich jeder erdenkliche Poker Variante. Ich habe in mein neues Programm 2-7 Triple Draw aufgenommen, und auch Badugi. Online natürlich - in Hamburg müsste man sonst allein sitzen, weil niemand diese Spiele kann.

Aber ich spiele einige immer wenn ich nach Vegas komme, also mixed Games mit fünf oder sechs verschiedenen Varianten. Es wird sehr viel Stud gespielt, was ich besonders gut kann.Da spielen wir Seven Card Stud, Seven Card Stud Eight or Better, Razz, 2-7 triple Draw, Badugi und Omaha Eight High-Low. Also das sind alle Spiele wo der normale Deutsche Pokerspieler sagt, von denen habe ich noch nie gehört in meinem ganzen Leben. Niemand ausser den alten Hasen kennt sie.

Dann habe ich jetzt $300/600 gespielt, was eigentlich sehr hoch ist. Es ist Fixed Limit aber trotzdem sehr hoch. Aber es ist schon okay, ich mache es gut.

Bist du auch in Cash Games gesponsort?

Nein, in Cash Games spiele ich mit eigenem Geld. PokerStars zahlt Fernseh-Events, das ist bei jedem Spieler so. Es geht dann um die Aufmerksamkeit der Medien, die man so bekommt. Das lohnt sich ja für PokerStars. Und kleinere Events wie $2000 no Limit Holdem, die zahlt man meist selber.

Kommst du oft nach Vegas?

Nein, eigentlich nicht. Seitdem ich mit PokerStars zusammen bin, bin ich viel in Europa unterwegs. Ich spiele die European Poker Tour und da bin ich halt einmal im Monat mehr oder weniger eine ganze Woche weg mit Anreise, mit Medien, mit irgendwelchen Verpflichtungen die man hat, und natürlich, um das Turnier spielen.

So ich spiele einmal im Monat ein EPT Turnier, und die Zeit geht relativ schnell herum, muss ich sagen. Wenn es sich ergibt spiele ich da auch Cash Games unterwegs, so wie in Baden. Da gibt's ein paar Stellen wo ich nicht Cash Games spiele, zum Beispiel in Kopenhagen wegen der Währung (dänische Kronen), das finde ich halt blöd. In London genau so. Ich habe keine Lust mit fünf oder sechs verschiedenen Währungen herumzuhantieren, das ist mir ehrlich gesagt nicht so lieb.

Und da haben wir IntelliPoker, das is eine Poker Schule die zu PokerStars gehört. Da bin ich auch sehr beschäftigt. Da kommen immer mehr Leute daran, ich glaube beim letzten Stand waren es 170.000 Mitglieder. Da kannst du Infos lesen, Videos angucken, es gibt ein Forum und wir berichten aus der WSOP. Es gibt eine tägliche Pokersendung die du da sehen kannst. Also es ist ein komplettes Paket und jeder, der sich für Poker interessiert wird da etwas finden was Freude macht. Das ist ein Riesending.

IntelliPoker ist ein unglaublicher Erfolg in Deutschland, aber wir haben drei weitere Sprachen die jetzt gerade in Arbeit sind: Spanisch, Italienisch und Englisch. Das wird dieses Jahr noch kommen, und wir werden in Zukunft jede Sprache anbieten die PokerStars anbietet, selbst Zwahili. Es ist ein Big Business und da habe ich viel zu tun.

Eigentlich wünsche ich, ich hätte mehr Zeit zum Pokerspielen, aber ich habe auch viele andere Sachen zu tun.

Was kommt jetzt, nach dem WSOP?

Ich bin in Vegas bis am 13. Juli. Ich werde dann nach Toronto fliegen um neue Werbespots zu machen. Da bin ich so für zehn Tage, komme nach Deutschland zurück und bin dann am ersten Wochenende im August in der Schweiz für drei Tage.Man hat so eine Aktion gemacht und ich bin von einem deutschen Pokerheft verlost worden für ein Abendessen mit dem Gewinner. Da werden drei Turniere gespielt, und die spiele ich alle.

Dann geht's wieder zurück ins Büro, ja, und es gibt ja alles mögliche in meinem Leben was ich machen muss und managen muss. Das mache ich dann auch, und danach geht's halt in die EPT los, am Anfang September. Mein Leben ist busy!

Wirst du alle EPT Events in 2008-2009 spielen?

Nicht alle. Ich glaube ich werde nicht nach London fahren, aber ich fange mit Barcelona an. Ich werde ganz sicher nach Warschau fahren. Dublin fällt aus dieses Jahr, dafür ist aber Deauville neu. Ich war nie in Deauville, werde wahrscheinlich hinfahren. Ansonsten muss ich mir gucken wie meine Zeit ist, was ich tun möchte und wie viel Lust ich habe. Nach Barcelona fahre ich auf jeden Fall.

Wie steht's mit dem Poker in Deutschland?

Wächst, wächst, wächst. Da kann man sich kaum dagegen wehren, überall gibt's Poker. Ich kriege auch von den Medien her so viele Interviews, die nichts mit Poker zu tun hat, so wie Financial Times oder Cosmopolitan, und Frauenzeitschriften. Poker ist eigentlich überall interessant in Deutschland, und es wächst und wächst und wächst.

Wie sieht's in Deutschland fürs Poker gesetzlich aus?

Man darf natürlich in den Kasinos und auch privat um Geld spielen, nur online ist es ein kleines Problem. Da hat der Staat seinen Finger darauf, die möchten natürlich ihr Monopol nicht verlieren. Die möchten lieber, dass die Gäste in die Kasinos kommen und dort ihr Geld lassen und nicht zu einem Online Pokeranbieter gehen, was natürlich total albern ist, weil es in überhaupt in kein Verhältnis steht.

Es gibt auch kleine Pokerräume, wo hunderte von Leuten glücklich mit zehn Euro Buy-in spielen. Die haben da stundelang Spass und spielen, und es ist auch eine Förderung des Pokersports, natürlich.

Denen wird das Leben sehr schwierig gemacht, was ich gar nicht verstehe. Da wird immer erzählt dass „wir die Leute schützenwollen , damit sie nicht süchtig werden". Aber ich meine, wo ist der Unterschied? Im Kasino ist es dann kein Problem, ja? Da passiert es nicht, da ist gar keine Gefahr?

Das Argument ist natürlich total bescheuert, aber die Rechtslage ist nun einmal so und man kann im Moment nicht viel dagegen machen. Mann muss sich halt innerhalb der Gesetzen halten, das muss ich auch. Oder man begibt sich ansonsten in Schwierigkeiten, und ich persönlich würde das nicht wollen.

Du siehst also Poker als Sport?

Naja, ich meine, egal was man als Sport macht braucht man Kondition, man muss in einem guten Zustand sein, man braucht langen Atem. Man muss gut sein in der Sache die man tut, und da ist Poker nicht so weit weg. Es ist natürlich nahe zum Sport. Um zwölf Stunden lang auf dem Stuhl zu sitzen, da muss man schon sportlich sein!

Hast du Grenzen dafür wieviel du zum Beispiel in einem Abend verlieren darfst?

Ich habe Grenzen in meinem Kopf, wie ich mich fühle. Wenn ich denke, ich verliere jetzt vielleicht weil ich doch anfange, Fehler zu machen. Oder wenn ich merke dass ich dem Spiel einfach nicht gewachsen bin, in dem ich sitze, die überrennen mich jetzt aus irgendwelchen Gründen, ich kriege einfach keinen Fuss in die Tür, dann höre ich mit Sicherheit auf, weil das ist ja irgendwie Quatsch, dann weiterzuspielen. Mann muss halt immer so ein bisschen in sich hereingucken, was los ist.

Wenn man aus irgendeinem Grund unglücklich ist, in irgendeiner Phase, und wenn man trotzdem gut spielt, ist das kein Grund aufzustehen. Aber wenn man merkt dass man schlecht spielt, oder schlechter als die anderen, das ist ein Grund aufzustehen. Vielleicht gibt's auch was im Fernsehen, ha ha.

Und wenn es gut geht?

Wenn ich gewinne geht's auch darum wann ich müde bin. Ich mach's immer sehr von meinem körperlichen Zustand her. Ich habe auch schon mal zwei Tage durchgespielt, ohne zu schlafen.

Wie geht das, 48 Stunden Poker zu spielen?

Das geht. Man wundert sich immer zu was für Leistung der menschliche Körper in der Lage ist. In Extremsituationen, so wie im Weltkrieg - man denkt sich, das kann doch kein Mensch aushalten. Ich kenne da auch die Stories von meinen Eltern die als Kinder irgendwie im zweiten Weltkrieg geflüchtet sind. Die sind 200 Kilometer zu Fuss gegangen, barfuss. Da guckst du und denkst, dass kann doch keiner, das geht nicht, ja? Und es geht. Der menschliche Körper ist zu viel mehr fähig als man sich denkt.

Natürlich kann man nicht 48 Stunden lang seine A-Game spielen, das ist auch totale Scheisse. Aber man kann da sitzen, man ist wach, man ist irgendwie im Spiel, man passt sich dem Rythmus an. Man ist natürlich in der Lage dazu. Es geht.

Wie lange wirst du noch Poker spielen?

Das mache ich so lange es mir Freude macht und so lange andere Dinge nicht Überhand nehmen. Wenn ich merke dass ich mich mehr für andere Dinge interessiere...

Wenn ich jetzt morgens aufwache und sage, heute ist ein Pokerturnier oder aber ich fahre mit meinem Pferd nach Kopenhagen zu einem tollen Dressurturnier, so ist das auch okay. Man muss gucken wie man sich fühlt. Wo die Richtung hingeht, wo die Balance ist.

Was bringt mehr Geld, Poker oder Business?

Poker ist Business! Poker ist für mich reines Business. Ich pokere sehr gern, es macht mir Freude, ich bin froh dass ich eine Arbeit habe die mir Spass macht. Es ist ein Business wo ich mich zuhause fühle, das ich gerne mache, und da bin ich sehr, sehr dankbar dafür - aber Poker ist Business. Es ist kein Hobby, und es ist nicht Spass. Es ist auch Spass, aber es ist nicht Spass. Es ist Business.

Kann man eigentlich im Main Event die Nägel feilen?

Ja klar, warum nicht. Ich mache einfach meine Nägel scharf, weil dann schneiden sie besser!

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare