Kara Scott: „Wenn man einen neuen Pokerboom erzeugen will, sollte man sich auf die Frauen konzentrieren“

Kara Scott bei der WPT National Wien 2014

Kara Scott ist nicht nur überaus sympathisch und gutaussehend, sondern auch bekannt dafür die Dinge beim Namen zu nennen. Sie ist sowohl Moderatorin der WSOP auf ESPN und der legendären Sendung High Stakes Poker, als auch Mitglied des Team PartyPoker. Wir haben bei der WPT Wien ein sehr interessantes Gespräch über das Interview mit Daniel Colman nach seinem Sieg beim Big One for One Drop, eine mögliche Rückkehr von High Stakes Poker, den Battle of Malta und den Grund, warum Frauen einen enormen unerschlossenen Markt für die Pokerindustrie darstellen, mit ihr geführt.

PZ: Hallo Kara, zunächst einmal danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir haben während der WPT Wien einen Tweet von dir gesehen und uns daraufhin im Turniersaal umgesehen, es scheint so als ob du die einzige Frau bist, die an Tag 1A spielt. Wie fühlst man sich dabei und was ist deiner Meinung nach der Grund, warum Frauen bei Liveturnieren immer noch stark unterrepräsentiert sind?

KS: Ich habe mich umgeschaut und konnte keine weitere Frau im Turniersaal entdecken, was ich wirklich schade finde, da der Prozentsatz online deutlich höher ist. Frauen spielen Poker und deshalb habe ich auf Twitter die Frage gestellt, warum sie nicht an Liveturnieren teilnehmen?

Unter allen Antworten, die ich bekommen habe, war nur eine Frau. Der Rest waren Männer, die mir erklären wollten, warum Frauen nicht spielen. Die einzige Frau, die geantwortet hat sagte, dass sie eine Familie und Kinder hat, und deshalb keine Zeit zum Reisen hat. Für die Väter scheint das dagegen keine Schwierigkeit zu sein, deshalb glaube ich es ist ein gesellschaftliches Problem.

Meiner Meinung nach sind Frauen für die Pokerindustrie ein enormer unerschlossener Markt. Wenn man jetzt einen neuen Pokerboom erzeugen will, dann sollte man sich auf die weiblichen Pokerspielerinnen konzentrieren! 

Kara Scott
"Wenn man einen neuen Pokerboom erzeugen will, dann sollte man sich auf die weiblichen Pokerspielerinnen konzentrieren", sagt Kara.

PZ: Hattest du am Anfang deiner Karriere viel mit Vorurteilen zu kämpfen und wie hat sich das auf dein Spiel ausgewirkt?

KS: Ich habe ja im Rahmen einer englischen TV-Show mit dem Pokerspielen begonnen und das Spiel damit in aller Öffentlichkeit gelernt. Einerseits will man im Fernsehen natürlich keine Fehler machen, andererseits war es eine tolle Erfahrung, da ich sehr viel Unterstützung von den Zuschauern hatte.

Es gab nur wenige Leute, die mich nicht leiden konnten. Sieben Jahre später habe ich immer noch Kontakt mit einigen Fans der Show. Ich denke ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass ich von Anfang an so viel Unterstützung erfahren habe. Und genau das möchte ich auch anderen Menschen ermöglichen, ganz egal ob Mann oder Frau.

PZ: Im Gegensatz zu vielen italienischen Poker Pros, welche ins Ausland gehen, weil sie von ihrem Heimatland aus nicht bei den internationalen Klienten der Online-Pokerräume spielen können, bist du kürzlich nach Italien gezogen. Was hältst du von dieser Gesetzgebung und spielst du dann überhaupt Onlinepoker, wenn du in Italien bist?

KS: Wenn  ich in Italien bin, dann spiele ich auf GD Poker, was die italienische Version von PartyPoker ist. Allerdings verdiene ich mit Poker auch nicht meinen Lebensunterhalt. Die Entscheidung nach Italien zu ziehen wäre mir deutlich schwerer gefallen, wenn ich professionell spielen würde, aber die Lebensqualität in Italien ist sehr hoch und ich liebe das Leben dort.

Lineup High Stakes Poker Season 6
Kara Scott mit den Spielern von High Stakes Poker Season 6.

Mein Ehemann ist ein professioneller Pokerspieler und er hat es mir freigestellt woanders hinzuziehen. Jedoch kann man auch in Italien vom Pokerspielen leben und ich hoffe das bleibt auch noch sehr lange so, da ich dort gerne auch in Zukunft leben würde.

PZ: Der amerikanische Fernsehsender GSN hat die User vor kurzem auf seinem YouTube-Kanal aufgefordert an einer Umfrage über High Stakes Poker teilzunehmen. Nun gibt es Gerüchte, dass es eine neue Staffel geben soll. Kannst du als Moderatorin uns etwas mehr darüber verraten?

KS: Leider habe ich keine Insiderinformationen, ich wünschte dem wäre so. High Stakes Poker war etwas ganz Besonderes und so etwas wie die Mutter aller Pokersendungen. Jeder, den ich kenne wünscht sich, dass die Show auf die Bildschirme zurückkommt, und ich hoffe das wird auch passieren.

PZ: Du hast die ersten beiden Ausgaben des Battle of Malta moderiert. Leider musstest du dieses Jahr aufgrund des Final Tables des WSOP Main Event absagen. Was hältst du von Low-Buy-In-Turnieren wie dem Battle of Malta?

KS: Der Battle of Malta ist eine tolle Idee. Ich finde es super Pokerturniere für Jedermann zu veranstalten.Das Buy-In ist niedrig genug, dass die Leute einfach hinfahren und ihren Spaß haben können, ohne dafür einen Großteil ihrer Live Bankroll investieren zu müssen..

Die Live-Berichterstattung ist auf dem Niveau eines Major-Turniers, somit bekommen die Teilnehmer dasselbe Gefühl wie bei einem großen Turnier, bloß für viel weniger Geld und all das an einem wunderschönen Ort. Malta ist eines meiner absoluten Lieblingsländer.

Daniel Colmans Reaktion nach dem Sieg beim Big One, die dem Interview vorausging:

PZ: Die Bilder von der Reaktion Daniel Colmans nach seinem Sieg beim Big One for One Drop gingen um die Welt. Warst du nervös, als du ihn interviewen musstest, nachdem er sich während des gesamten Turniers strikt geweigert hat mit den Medien zu sprechen? Was hältst du von seinem Verhalten?

KS: Komischerweise ist mir diese Frage bisher noch nie gestellt worden. Ich war nicht nervös, sondern eher hoffnungsvoll, dass er mit mir reden würde. Zudem habe ich mir sehr genau überlegt, was ich ihn fragen werde

Mir war bewusst, dass es sehr wichtig war Daniel Colman nicht auf den Schlips zu treten. Daher habe ich einfach versucht zu respektieren, dass ihm Einzelleistungen nicht viel bedeuten und das Gespräch in andere Bahnen zu lenken.

Kara Scott interviewt Daniel Colman Beim Big One for One Drop
Kara beim Siegerinterview des Big One for One Drop mit Daniel Colman, nachdem er während des gesamten Turniers nicht mit dem Medien sprach und das obere Verhalten vorausgegangen war.

Um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum er nicht mit den Medien sprechen wollte, habe ich mich zuvor mit Olivier Busquet, einem seiner besten Freunde, unterhalten. Außerdem war ich ehrlich gesagt auch neugierig und wolte den Grund dafür wissen.

Vor dem Interview bin ich dann kurz zu ihm hingegangen und habe ihm gesagt, was ich ihn gerne fragen würde und dass ich ihm nur eine einzige Frage stellen werde. Dabei ging es um den Wohltätigkeitsgedanken hinter dem Big One for One Drop. Er hat die Frage dann auch beantwortet und auch wenn es nur eine kurze Antwort war, so war es wenigstens etwas.

Es ist nun mal unser Job mit den Spielern zu sprechen und es ist sehr frustrierend, wenn jemand keine Interviews gibt. Wir versuchen wie gesagt nur unseren Job zu machen. Manchmal vergessen die Menschen, dass die Pokerindustrie nicht nur aus Pokerspielern besteht, sondern aus uns allen. Sie besteht aus den Medien, den Dealern, den Masseurinnen, wir alle versuchen unseren Lebensunterhalt damit zu verdienen. Unsere Aufgabe ist es so viele gute Zitate wie möglich zu bekommen.  

Andererseits ist es natürlich seine freie Entscheidung, ob er mit den Medien sprechen möchte oder nicht und diese sollte man respektieren.

PZ: Woher kam die Inspiration für deinen PartyPoker Blogpost “5 Dinge an denen man einen Pokerspieler erkennt”?

KS: Meine Teamkollegin Jamie Kerstetter erzählte mir eine lustige Geschichte wie ein Pokerfreund von ihr auf seinem Smartphone die Autocorrect-Funktion beim Schreiben einer Nachricht verwendete. Er wollte das Wort “actually” tippen und sein Handy korrigierte es zu „Aces got cracked again“, was ich sehr witzig fand.

Jamie Kerstetter
Die Inspirationen für ihren Blog "5 Dinge an denen man einen Pokerspieler erkennt" kam von ihrer Teamkollegin Jamie Kerstetter.

Anschließend haben wir uns dann noch über die 5 Dinge, an denen man einen Pokerspieler erkennt unterhalten. Die Inspiration kam also von ihr.

PZ: Was sind deine Pläne und Ziele für die Zukunft?

KS: Ich möchte beim Final Table des WSOP Main Event einen guten Job machen. Live auf ESPN zu arbeiten ist sehr aufregend, einerseits macht es super viel Spaß, andererseits ist es aber auch angsteinflößend. Deshalb hoffe ich das alles gut gehen wird.

Abgesehen davon, würde ich gerne beim Poker eine Menge Geld gewinnen (lacht) und gerne mehr für das Fernsehen arbeiten. Daher hoffe ich, dass die Pokershows bald wieder ins amerikanische Fernsehen zurückkehren!

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare