Kara Scott – „Steckt Frauen nicht in Schubladen“

Kara Scott

Sie ist eine der beliebtesten Persönlichkeiten der Pokerszene: Kara Scott über die schönsten und peinlichsten Momente ihrer Karriere und Sexismus in der Pokerbranche.

PL: Was ist das schönste am Moderatorenjob?

KS: Wenn ich darüber nachdenke, sind es vor allem die Kontakte mit den Alltagsspielern.

Profis zu interviewen ist schön und gut, aber die unzähligen verrückten Geschichten darüber, wie ganz normale Leute in die Pokerszene gerutscht sind, sind eigentlich noch viel interessanter.

PL: Ist der Job auch heute noch aufregend?

KS: Klar, vor allem, wenn live gesendet wird, wie bei der WSOP auf ESPN.

Wenn die Kameras eingeschaltet werden, ist der Adrenalinschub noch größer, als wenn man einen Pot spielt, weil so viel schiefgehen kann.

Der Spieler könnte fluchen oder mir widersprechen, vom Thema ganz abweichen oder versuchen, lustig zu sein. Das kann toll sein, ist aber auch ein großes Risiko.

Gaelle Baumann Kara Scott
Interview mit Gaelle Baumann - "Man weiß nie, was pssiert."

Man weiß einfach nie, was gleich passiert, und genau deswegen liebe ich den Job.

PL: Du bist als Spielerin und Moderatorin aktiv. Wo sind die Parallelen?

KS: Man muss bei beidem unheimlich aufmerksam sein. Man muss sehen, was die anderen machen, muss planen, was in den nächsten Minuten passiert, darf aber dabei die Gegenwart nicht vergessen.

Man muss sich auch auf den Moment konzentrieren, sonst ist man schnell weg vom Tisch.

PL: Was ist das Schlimmste, das einer Moderatorin passieren kann?

KS: Einen Spieler zu interviewen, der nicht reden will. Der nur dasteht, weil er glaubt, da stehen zu müssen, obwohl er eigentlich lieber woanders wäre.

Aber mein schlimmster Moment geschah schon zu Beginn meiner Karriere. Ich sprach vor der Kamera mit einem ziemlich bekannten Spieler, der seinen Arm um meine Hüfte legte.

Das ist an sich schon ziemlich durchgeknallt, aber ich dachte mir nicht viel dabei. Während des Interviews ließ er seine Hand langsam auf meinen Hintern hinunterrutschen.

Ich war überrascht und … sehr aufgebracht.

So etwas ist einfach nicht in Ordnung. Nach dem Interview sprach ich ihn darauf an. Das ist übrigens auch kein Benehmen, das mehr Frauen in die Pokerszene bringen wird.

PL: Genau wie unsere Gesellschaft ist eben auch Poker ein bisschen sexistisch.

KS: Absolut. Aber Pokerturniere sollten keine Orte sein, an denen Frauen sich unwohl fühlen.

Es geht einfach nicht, dass Frauen immer nur sexualisiert gesehen werden und nicht als ganz normale Leute.

Ich habe mich auch viel mit Leuten unterhalten, die eigentlich nichts von Poker verstehen. Die Reaktion war: „Aber die guten Spielerinnen sind doch alles Mannweiber, oder? Sie sind aggressiv, maskulin, hart…“

Kara Scott
Scott beim Battle of Malta - "Meine erste Priorität ist das Fernsehen."

Solche Kategorien sind nicht geschlechterspezifisch, also sollten Frauen auch nicht in diese Schubladen gesteckt werden.

Es ist mir klar, dass das schwierig ist und dass Poker sich hauptsächlich an Männer richtet, aber die Frauen sind die größte vernachlässigte Zielgruppe, also sollten wir uns darum kümmern.

PL: Was macht mehr Spaß, spielen oder berichten?

KS: Ich mache gerne beides, aber mein Arbeitgeber ist das Fernsehen.

Ich bin kein Pokerprofi, und ich wäre wohl auch nicht gut genug. Von Poker zu leben, ist enorm schwierig, und wer es schafft, genießt meinen Respekt.

Das ist ein Vollzeitjob, und ich setze meine Zeit und Energie lieber in meinem Job ein.

Ich möchte gerne für immer weiterspielen, aber meine Priorität ist das Fernsehen. Mir reicht es völlig, eine Hobbyspielerin zu sein.

- Das Interview führte Fred Guillemot

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