Jonny Lodden – “Ich hatte nie einen Plan B”

Johnny Lodden

Der Norweger ist seit der ersten Stunde mit dabei und hat als einer der ersten Europäer überhaupt die höchsten Partien gespielt. Er hat viele kommen und gehen sehen. Deshalb haben wir uns mit ihm über die alten Zeiten, den Poker Boom, die Gesetzgebung in Norwegen und Tracking Software unterhalten.

PL: Erzähl uns etwas über die Anfänge deiner Online-Karriere.

JL: Ich habe 2001 im Alter von 16 Jahren damit begonnen Onlinepoker zu spielen. Zu dieser Zeit war es ein Traum, schnelles und leichtverdientes Geld. Das hat sich mittlerweile komplett geändert und es ist harte Arbeit geworden und sehr schwierig die Games noch zu schlagen.

Manchmal fühlt es sich fast so an als würde man gegen Maschinen antreten. Damit meine ich keine echten Maschinen, sondern Spieler, die so spielen als wären sie eine.

PL: Wie hoch hast du früher gespielt?

JL: Die höchsten Partien, die es damals gab. Die meiste Zeit $200/$400.

PL: Als du angefangen hast warst du bei den etablierten Spielern gefürchtet, weil du gegen jeden angetreten bist.

JL: Der Grund dafür war, dass ich mich zuvor nicht allzu viel mit der Szene beschäftigt hatte. Ich wollte einfach nur Poker spielen und viel Geld machen.

Wir waren damals eine Gruppe von 5 bis 6 Spielern, die online viel Geld gewannen und einen neuen, aggressiveren Stil hatten.

PL: Würdest du dich als einen der Erfinder des Scandinavian Power Pokers bezeichnen?

JL: Ja, ich glaube das kann man so sagen. Vor zehn Jahren hatte noch niemand von aggressivem Poker gehört und jeder spielte sehr tight. Gedreibettet wurde nur, wenn man minimum Pocket Queens hatte.

Es machte Riesenspaß. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern wie ich mein erstes Turnier in St. Maarten gewann und dass, obwohl ich schon einiges getrunken hatte (lacht).

Ich schaffte es ins Heads-Up und trat gegen einen Old School Spieler an. Meine Freunde waren schon beim Feiern, deshalb wollte ich das Ganze schnell beenden. Ich habe jede Hand erhöht und mein Gegner spielte wie an einem Full Ring Tisch.

Wenn ich im Small Blind war habe ich schon “Raise” annonciert als der Dealer noch mischelte. Wenn ich im Big Blind war limpte mein Gegner immer und ich raiste daraufhin. Das ging so lange bis er nur noch einen Big Blind hatte.

Meine Kumpels und ich gewannen vier von sieben Turnieren in St. Maarten und eine Menge Geld. Alle anderen hassten uns. Es war großartig.

2005/2006 kam dann der große Onlinepoker Boom und meine Freunde und ich machten viel Geld.

Nur wenige Jahre später gab es schon Pokervideos und Bücher zu allen möglichen Themen und die Spieler wurden immer besser. Inzwischen ist es online fast unmöglich viel zu gewinnen.

PL: Wann hast du zum ersten Mal bemerkt, dass die Blütezeit vorbei ist und du wohl nie mehr so viel Geld verdienen wirst wie du es bis zu diesem Zeitpunkt getan hast?

JL: Da bin ich mir nicht ganz sicher. Ich würde sagen 2008, von diesem Zeitpunkt an wurde das Ganze sehr professionell.

patrik antonius tom dwan 29974
Lodden, Dwan und Patrik Antonius hatten eine Vereinbarung.

Davor war ich gemeinsam mit Patrik Antonius und Tom “durrrr“ Dwan einer der wenigen, die einen aggressiven Spielstil pflegten. Wir hatten damals auch die Abmachung nicht gegeneinander zu spielen.

Jeder von uns setzte sich also an andere Tische und hoffte darauf, dass ein Fisch Platz nehmen würde.

PL: Du bist auch für große Swings bekannt. Gab es jemals eine Phase in der du mit dem Pokerspielen aufhören wolltest?

JL: Ich habe nie wirklich in Erwägung gezogen mit Poker aufzuhären. Selbst nicht als ich 2009 Pleite war. Es gab immer Freunde, die mir geholfen haben, wenn es nicht lief, denn sie wussten dass ich gut genug bin um zu gewinnen.

PL: Also gab es nie einen Plan B?

JL: Nein, den gab es nicht. Darüber habe ich mir ehrlich gesagt in letzter Zeit viel mehr Gedanken gemacht als damals.

Ich spiele schon so lange und würde gerne mal etwas Neues ausprobieren. Ich könnte mir vorstellen als Lehrer zu arbeiten, ich möchte ausprobieren, ob das was für mich ist. Ein halbes Jahr etwas zu machen, was nichts mit Poker zu tun hat, um meine Leidenschaft wieder zu wecken, denn dann hätte ich fest gestellt, dass...(lacht)...ja so ist das wenn man arbeitet.

Ich denke es ist ganz normal, dass man sich etwas langweilt, wenn man zehn Jahre dasselbe macht. Außerdem bin ich jetzt Vater und das verändert einen auch.

PL: Hat es sich über die Jahre verändert ein Team PokerStars Pro zu sein?

JL: Als ich den Sponsorenvertrag unterschrieben habe, war es etwas Besonderes ein Team PokerStars Pro zu sein, da es weltweit gerade mal dreißig gab.

Dann waren es auf einmal über 150. Ab und zu hatten wir Meetings, und ich kannte nicht mal mehr die Hälfte davon. Das war schon komisch, aber nachdem das Team verkleinert wurde ist es wieder besser geworden.

Ich gehöre nun zu den erfahrendsten und habe deshalb einen stärkeren Stand als andere, die nach mir kamen.

PL: Es ist schon kurios, wenn man bedenkt, dass du aus einem Land kommst, wo Poker fast illegal ist.

JL: Die Gesetzgebung in Norwegen ist lächerlich, aber wir haben nun einen neuen Ministerpräsidenten, der sich für Poker interessiert.

flagge norwegen
Norwegen hinkt in Sachen Gesetzgebung weit hinterher.

Deshalb ist es auch im Bereich des Möglichen, dass die Norwegische Meisterschaft ab nächstes Jahr wieder in Norwegen stattfindet.

Dennoch wird es nie wieder so sein wie es war, da es keine Cash Games geben wird, man keinen Alkohol drinken und nicht mehr als drei Turniere pro Jahr spielen darf.

Es ist albern, dass immer noch ein großes Geheimnis um die Norwegische Meisterschaft gemacht wird, obwohl diese schon seit 14 Jahren in Irland, England, Schweden oder Estland stattfindet.

Ich war dieses Jahr dort, in Dublin. Das Turnier hatte 1300 Teilnehmer und war nun zweimal hintereinander das Größte in ganz Europa, es ist einfach lächerlich.

PL: Aber es gibt doch Anzeichen dafür, dass die Norwegische Gesetzgebung bald geändert wird.

JL: Ja, das stimmt. Einer unser einflussreichsten Politiker setzt sich für eine Lagalisierung ein. Er kam sogar nach Dublin und nahm an der Norwegischen Meisterschaft teil.

Es gab in der Öffentlichkeit viele Diskussionen darüber, doch er gehört zu denjenigen, denen es egal ist was andere Menschen über ihn denken. Er sieht Poker als Geschicklichkeitsspiel, während der Rest der Regierung es für ein Glücksspiel halt.

PL: Benutzt du Tracking Software, wenn du online spielst?

JL: Nein, außerdem spiele ich kaum noch online. Die Games sind gerade wegen der ganzen Software so tough geworden. Das führt dazu, dass die Leute wie Roboter spielen.

Jeder spielt nur noch nach Stats. Ich bin der Meinung man hätte Tracking Software schon längst verbieten sollen.

Früher musste man selbst herausfinden wie der Gegner spielt, nun macht das die Software für einen. Es kommt einem so vor als wären diejenigen mit der besten Software auch die Gewinner.

Ich liebe das Spiel und die höchsten Partien zu spielen, wenn ich meinen Gegner dabei sehen kann. Außerdem kann man die Live Games viel leichter schlagen.

Übrigens wird Johnny Lodden auch erstmals in der neuen Staffel von German High Roller zu sehen sein.

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