Jonathan Odogwu - Der coolste Typ im Main Event

Jonathan Odogwu, EPT Grand Final 2014

Er spielt höchst unkonventionell, redet pausenlos und hat ein paar Tricks auf Lager, die jedem Nerd die Odds zu Berge stehen lassen. Und er spielt das ultimative Freeroll. Jonathan Odogwu ist neu bei der EPT, aber auf jemanden wie ihn haben wir schon lange gewartet.

In einer Zeit, in der manche Tische bei großen Pokerturnieren eine Atmosphäre verbreiten, als wären ein paar coole Mönche mit Sonnenbrillen bei einer Beerdigung, ist es sehr erfrischend, einen Spieler wie Jonathan Odogwu zu treffen.

Am Tisch unterhält er alle Mitspieler pausenlos mit seinen Scherzen und Kommentaren, und er verströmt dabei derartig gute Laune, dass ihm nicht mal Steve O’Dwyer böse sein kann, der gleich rechts von ihm sitzt.

Wir treffen ihn einer Pause. Er läuft auf Krücken, also ergibt sich die erst Frage von selbst.

„Ich habe mir die Achillessehne verletzt. Ich spiele Badminton und schwimme, um mich auf die EPT vorzubereiten.“

Wieso ist das ein Training für die EPT? „Weil ich Schwimmer und Badmintonspieler bin.“ Ach so, klar, blöde Frage.

Odogwu hat ein paar Spielzüge auf Lager, die so in keinem Lehrbuch stehen. An Tag 1B ging ein Spieler, den er deutlich coverte, gegen ihn all-in.

Seine Reaktion: „Ich calle, wenn eine Karte höher ist als eine 2!“ Odogwu fand K-J, bezahlte und traf gegen die Pocket Buben seines Gegners einen König auf dem Turn.

Jonathan Odogwu, EPT Grand Final 2014
Die Zigarre von Nr. 4 und der Card Protector zu Ehren des Vic.

„Eigentlich wollte ich nur klarstellen, dass ich in der Lage bin, mit vielen Händen zu bezahlen.

Eine Hand wie A-2 hätte ich natürlich weggeworfen.“

Odogwus Vater kam als Diplomat nach Europa, aber er wuchs in London auf.

„Ich bin ein echter Cockney“, grinst er in breitestem Straßenenglisch.

Auf seinem Stack liegt eine Zigarre, daneben ein übergroßer Chip mit der Ziffer 50.

„Die Zigarre habe ich von dem Gentleman auf Platz 4. Ich werde sie rauchen, wenn ich Zeit und sie mir verdient habe. Der Protector ist eine Erinnerung an das 50. Jubiläum des Victoria Casinos in London.“

Dort trifft man Odogwu regelmäßig an den £1/£1 Tischen.

„Als Vicky Coren in Sanremo gewann, saß ich gerade am Tisch. Sie rief an und bestellte für alle Gäste im Casino Champagner. Ziemlich cool, was? Ich war da gerade im Minus, aber danach gewann ich mein Geld zurück, also bringt Vicky mir Glück.“

Wie kommt ein Low-Stakes-Spieler ins Grand Final? „Für den niedrigstmöglichen Preis“, sagt Odogwu. „Weißt du, wie viel das ist?“

„Gar nichts?“

„Genau. Ich habe die Freeroll Steps online bei PokerStars gewonnen. Das waren 15.000 Spieler. Hier sind nur ein paar hundert. Also muss es hier ja leichter sein zu gewinnen, richtig?“ Und da ist das breite Grinsen wieder.

vicky coren
Champagner für alle - Vicky Coren großzügig.

Man fragt, sich, wie er angesichts der prominenten Konkurrenz so souverän bleiben kann.

„10.000 Euro sind viel Geld für mich, um ehrlich zu sein. Meiner Frau muss ich sogar meine 50 Pfund Downswings verheimlichen, also schätze ich, sie hätte es vorgezogen, wenn wir das Geld anderweitig verwendet hätten.

Aber jetzt bin ich hier, und ich will gewinnen. Da darf man sich eben nicht einschüchtern lassen.“

„Wirst du jetzt regelmäßig bei der EPT antreten?“ „Wahrscheinlich nicht, aber ich würde schon gern“, sagt Odogwu. „Wenn ich hier gewinne, komme ich auch nach Barcelona.“

Dann humpelt er langsam in Richtung Ausgang und sieht dabei vollkommen harmlos aus. Man sollte sich davon nicht täuschen lassen.

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