Duhamel – “Solange das Feuer in in mir brennt, spiele ich weiter“

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Joathan Duhamel.

Bei mehr als 6000 Spielern ist es unmöglich, den Sieger des WSOP Main Events mit Sicherheit vorherzusagen. Aber eines ist sicher:

Der Sieger wird unabhängig von seinen eigentlichen Fähigkeiten plötzlich im Rampenlicht stehen, er wird mindestens ein Jahr lang als „Poker-Botschafter“ angesehen – ob ihm das gefällt oder nicht.

Nicht jeder ist dieser Aufgabe gewachsen.

Jonathan Duhamel war im Jahr 2010 der erste Kanadier, der den Main Event gewann und sich die Pokerkrone aufsetzen durfte.

Der zweisprachig aufgewachsene Franko-Kanadier hat sich als würdiger Gewinner erwiesen. Er hat tausende von Fans, und er hat gezeigt, dass er alles andere als eine Eintagsfliege ist.

Abgeshen von seinem Weltmeistertitel hat er weitere zwei Millionen Dollar eingespielt. Er hat sich Respekt verschafft und ist seit seinem großen Erfolg Mitglied im Team PokerStars.

Unser fränzösischer Kollege Fred Guillemot hat sich in London mit ihm unterhalten.

PL: Manche Spieler, wie Pius Heinz oder Jerry Yang, scheinen mit der großen Aufmerksamkeit, die ihnen entgegengebracht wurde, nicht so gut zurechtzukommen. Wieso ist das bei dir anders?

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Duhamel im Augenblick seines größten Erfolgs.

JD: Im Grunde versuche ich einfach, mit Spaß an die Sache heranzugehen. Wer einen Titel gewinnt, bekommt die Aufmerksamkeit der Medien automatisch. Und wenn man viele Live-Events spielt, muss man auch Interviews geben.

Also gehe ich das positiv an. Für mich ist das keine Belastung. Es ist nicht so, dass ich wild darauf bin, aber da ich das sowieso machen muss, kann ich ja auch genauso gut Spaß daran haben.

PL: Wo siehst du dich im Vergleich zu anderen Main Event Champions?

JD: Wow, schwierige Frage. Man sollte sie wahrscheinlich anderen stellen. Manche Champions waren sehr gut, andere sehr unerfahren...

PL: Der aktuelle Champion Greg Merson hat gesagt, dass er in sich selbst investieren und die höchsten Cash Games der Welt spielen will. Wäre das auch etwas für dich?

JD: Also in Macau bin ich schon gewesen. Eine tolle Stadt, aber ob ich die Cash Games dort spielen werde, kann ich im Moment nicht sagen.

Ich denke nur von Woche zu Woche. Ich fahre gerne zu Turnieren und spiele dann nebenher ein bisschen Cash Game.

Als Turnierspieler, der viel unterwegs ist, kann ich nicht so einfach einen Monat an einem Ort wie Macau bleiben.

PL: Nach dir sind noch einige weitere Spieler aus Quebec ins Rampenlicht getreten. Wen siehst du in der Zukunft vorne?

JD: Leute wie Marc-André Ladouceur, Chris McClung, Yann Dion und Jonathan Roy haben ja schoon Erfolge vorzuweisen.

Und die Online-Spieler sind oft gar nicht so bekannt. Sam Chartier zum Beispiel hat eine Menge Erfolg, aber er ist selten unterwegs.

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Inspirierend und ein großartiger Stratege - Marc-André Ladouceur.

Von den Jungs aus Quebec wird man jedenfalls noch einiges hören. (grinst)

PL: Welche Spieler inspirieren dich am meisten?

JD: Das ist schwer zu sagen, es gibt eine ganze Menge. Wenn es um Strategie geht, würde ich saagen, Marc-André Ladouceur.

Ein toller Spieler und ein großartiger Stratege. Ich unterhalte mich immer sehr gerne mit ihm, und ich glaube, unsere Gespräche helfen uns beiden. Er hat jedenfalls meinen größten Respekt.

Was die Persönlichkeit betrifft, würde ich sagen, Daniel Negreanu. Der ist wirklich ein hervorragender Poker-Botschafter, und dabei so ein grunehrlicher Typ. Ich wünschte, ich könnte nur halb so viel für Poker tun wie er.

PL: Spielst du überhaupt noch gerne online, wenn du so viel unterwegs bist?

JD: Ja, durchaus. Ich beschöftige mich jetzt auch mehr mit Omaha und Mixed Games, und ich willl immer noch so gut werden, wie es irgend geht.

PL: Wie gehst du mit den großen Summen um, die bei Poker im Spiel sind?

JD: Man muss sich genau überlegen, um wie viel Geld man spielt. Die Frage, ob man sich ein Buy-in leisten kann oder nicht, ist von entscheidender Bedeutung.

Danach geht es aber nur noch um Chips. Es spielt keine Rolle, ob man hundert oder hunderttausend Dollar bezahlt hat.

Wenn es losgeht, muss man das Geld vergessen und sich auf das Spiel konzentrieren.

PL: Wie hat sich die Pokerwelt seit deinem Titel verändert?

JD: Das Niveau ist stark gestiegen. Gute Spieler sind sehr gute geworden, und die Unerfahrenen haben eine Menge davon gesammelt.

Insgesamt gefällt mir diese Entwicklung ganz gut. Die Popularität steigt, und es sieht so aus, als würde das auch weiterhin so bleiben.

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Wer viel live spielt, muss auch Interviews geben.

PL: Wie findet man sich in dieser Glitzerwelt von Poker zurecht?

JD: Die meisten Spieler sind eigentlich ganz normale Leute. Natürlich gibt es auch ein paar bunte Vögel, die ein bisschen über die Stränge schlagen, aber ehrlich gesagt, wäre es ohne sie doch auch langweilig.

PL: Theo Jörgensen wurde im Dezember überfallen. Dir ist vor einiger Zeit ganz Ähnliches passiert.

JD: Die beiden Vorfälle haben nichts miteinander zu tun, aber es ist eben so, dass manche Leute glauben, wir hätten ständig Millionen Dollar herumliegen, und das ist eben einfach nicht der Fall.

Wenn man ein Turnier gewinnt, geht das Geld direkt zur Bank.

Das Einzige, was wir tun können ist, uns zu schützen. So ist das Leben, und das gehört eben dazu.

PL: Wie wird man nit so etwas fertig?

JD: Ich habe mich sehr auf meine Freunde und Familie konzentriert. Irgendwann stellt man dann fest, dass das Leben weitergeht, und dass man mit der Erfahrung leben muss.

PL: Wann ist die Sache für dich erledigt? Wenn der Fall abgeschlossen ist?

JD: Genau. Diese Geschichte läuft jetzt seit anderthalb Jahren, und ich versuche, mich nicht allzuviel damit zu beschäftigen. Ich ziehe weiter mein Ding durch.

PL: Also keine baldige Vergebung für deine Ex-Freundin?

JD: Eher nicht.

PL: Reden wir über Sport. Du bist ein leidenschaftlicher Sportfan.

JD: Ja, mein Team, die Habs, war letzte Saison vorletztes von 30 Teams, und jetzt sind wir Dritter oder Vierter. Wenn sie die Playoffs erreichen, bin ich whrscheinlich wieder in Nordamerika, sodass ich die Spiele zu den normalen Tageszeiten sehen kann.

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Duhamel und Eugene Katchalov - "Im Eishockey nehme ich es mit jedem locker auf."

Es wäre phantastisch, wenn sie das Finale erreichen könnten. Seit 20 Jahren hat kein Team aus Montreal mehr um den Stanley Cup gespielt.

PL: Gibt es auch einen Sport, den du nicht magst?

JD: Na ja, ich spiele nicht gern Basketball. Dafür bin ich einfach zu klein. Aber ich sehe gerne zu.

PL: Würdest du dich auf solche sportlichen Herausforderungen einlassen, wie das ElkY und Eugene Katchalov gerne machen?

JD: Oh Mann, die beiden trainieren jeden Tag und wären viel besser vorbereitet als ich. Mich interessiert am Sport eigentlich mehd die soziale Komponente.

PL: Und wenn du dir die Sportart aussuchen könntest?

JD: Im Eishockey würde ich es mit jedem von ihnen locker aufnehmen. (lacht)

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