„Es gibt da ein generelles Missverständnis über Pokerspieler“

In Las Vegas beginnt heute das Five Diamond Classic, aber Jonathan Duhamel und Eugene Katchalov sind lieber nach Prag gekommen. Wegen Europa.

Es gab Zeiten, da wäre die Anziehungskraft von Las Vegas unwiderstehlich für jeden Profi gewesen. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute bietet Europa viele Vorteile.

„Ich fahre unheimlich gerne nach Europa“, sagt Ex-WSOP-Champion Jonathan Duhamel. „Eigentlich bin ich ständig  hier.  Und dann sind da natürlich zwei große Main Events nacheinander.“

„Ich spiele nach diesem Event auch noch die EPT“, fügt Katchalov hinzu. „Zwei Events nacheinander sind einfach besser als eines. Und außerdem sind die Teilnehmerfelder hier größer.“

Das Konzept, die Zahl der Events zu verringern, diese aber dafür größer zu gestalten, hat Prag im letzten Jahr mit dem ersten „Pokerfestival“ auf den Weg gebracht, PokerStars ist zu Beginn dieser EPT-Saison mit dem schlankeren Zeitplan und dafür zweiwöchigen Veranstaltungen in Barcelona und San Remo gefolgt.

Eugene Katchalov
Ein Schuss ins Bein macht noch keinen Profi.
 

Wird sich dieser Trend fortsetzen?

„Hier scheint so etwas wie ein Trend zu entstehen“, meint Duhamel, und Katchalov vergleicht die neue Situation mit der vor fünf Jahren:

„Damals waren die Buy-ins der großen Events viel höher, aber dann wurden die Spielerzahlen immer kleiner. Da musste man reagieren. Ein Schritt bestand darin, die Startgelder zu senken, ein weiterer in der Einführung der Re-Entry-Option. Jetzt wachsen die Felder wieder, als war das ein Schritt in die richtige Richtung.“

Da dieses Gespräch an Tag 1B stattfindet und Duhamel schon zum zweiten Mal antritt, kann er nicht umhin, das Format ebenfalls zu befürworten.

Allerdings hat er Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Konzepts:

„Für die Profis ist das natürlich eine gute Sache. Man kann beim ersten Versuch aggressiver spielen und einiges ausprobieren. Aber für die Amateure ist das ein Problem, da sie ein Re-Entry nicht unbedingt einkalkulieren oder sich einfach nicht leisten können.

3000 Euro sind für viele Leute eine Menge Geld, und durch das Re-Entry wird der Besuch bei großen Events im Durchschnitt gesehen teurer.“

Bei der WPT Prag wird durch den zusätzlichen dritten Starttag, den Spielern von Tag 1A sogar zwei Mal die Möglichkeit eingeräumt, sich nach einem Bust-out noch einmal in das Turnier einzukaufen.

Das Re-entry hat also sowohl Vor- als auch Nachteile. Was beide momentan mehr bewegt, sind allerdings die Vorkommnisse in Kopenhagen, wo Theo Jörgensen vorgestern Nacht Opfer eines Raubüberfalls wurde.

„Es ist ein bisschen wie ein Flashback, und es macht mich echt fertig, dass so etwas immer wieder passiert. Ich wünsche Theo alles erdenklich Gute.“ Duhamel weiß, wovon er spricht, er war ja schon in derselben Situation.

„Es gibt da ein generelles Missverständnis über Pokerspieler“, klärt Katchalov auf.

„Die Leute sehen im Fernsehen gewaltige Berge von Geld und denken, dass wir diese Haufen dann zuhause auf dem Esszimmertisch lagern. Das ist natürlich eine vollkommen falsche Vorstellung.

jonathan duhamel 5
Solche Vorfälle machen mich fertig.
 

Man kann nur hoffen, dass die Bande komplett geschnappt wird, so wie damals auch in Jonathans Fall.“

Fragt sich, ob das Leben als Pokerspieler gefährlicher geworden ist. Der Umstand, dass man Jörgensen ins Bein geschossen hat, um mehr Geld aus ihm herauszupressen, zeugt doch wohl davon, dass es sich um Profis gehandelt hat? Katchalov widerspricht dem entschieden:

„Zunächst mal ist man kein Profi, nur weil man jemandem ins Bein schießt. Es kommt viel auf die Planung an. Wie viel Geld haben die Gangster eigentlich bekommen?“

Ungefähr 5000 Euro.

„Dann waren es garantiert keine Profis, denn die gehen nur dann in ein Haus, wenn sie sicher wissen, dass dort viel Geld zu holen ist. Meiner Meinung nach waren das Amateure.“

Gutes Argument.

Über den Autor: Dirk Oetzmann
Dirk Oetzmann ist leitender Redakteur bei PokerListings/Europa.

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