Teilweise verdient

Jason Mercier
Jason Mercier in San Remo.

Jason Mercier spielt 34h Chinese Poker ohne Pause, kann mit Kritik umgehen und hält Phil Hellmuth für uneinholbar.

Wir sprachen mit Jason Mercier am Rande der EPT San Remo.

PZ: Ausgeschlafen? Wie lang hat die Chinese Poker Session denn gedauert?

JM: 34 Stunden am Stück. Zuerst waren Daniel Negranu und Scott Seiver dabei. Später kamen im Wechsel mehrere Russen und Chance Kornuth dazu.

PZ: Wirst du denn nicht müde?

JM: Doch, klar. Aber ich war nicht so müde, dass ich gleich umfallen würde. Viel Kaffee und regelmäßiges Essen helfen.

PZ: Um wie viel Geld ging es?

JM: Um €200 pro Punkt. Ich hatte mindestens sieben Swings über €20k. Einmal lag ich €25k vorn, dann fiel ich auf €55k Verlust, aber am Ende hatte ich nur €10k Verlust.

Jason Mercier
Bracelet-Gewinner Mercier - 40 Jahre, um Hellmuth einzuholen.

PZ: Ach, das geht ja. Zur EPT. Macht es einen Unterschied, ob man den Main Event oder einen High roller Event spielt?

JM: Eigentlich nicht. Es ist nicht so, dass Main Event viel einfacher sind. Heute hast du bei jedem dieser Events gute Spieler am Tisch.

PZ: Warst du eigentlich von Anfang an ein Winning Player?

JM: Ja, ich habe meine Bankroll kontinuierlich aufgebaut. Aber ich habe natürlich lange Zeit nur ganz niedrige Stakes gespielt und mich dann langsam über die mittleren zu den hohen Stakes hochgearbeitet.

PZ: Vor kurzem hast du dich bei Twitter darüber beklagt, dass das Glück dich verlassen hat. Was hat dich so frustriert?

JM: Ich lag in einer wirklich guten Partie $1000/$2000 Omaha 8 or better mit $100.000 im Plus und verlor dann in dieser einen Session $300.000. Da war ich eben stinksauer.

Es war eine brutal frustrierende Session, aber ich hätte meinem Ärger wohl nicht so öffentlich Luft machen sollen. Trotzdem, das ganze Jahr war bis dahin extrem frustrierend.

Ich hätte mir aber klar machen müssen, dass das einfach zum Spiel gehört und solche Sachen immer wieder passieren werden.

PZ: Du hast deswegen eine Menge Prügel einstecken müssen. War das deiner Meinung nach unfair?

Jason Mercier
Mericer im Main Event - "nicht so müde, dass ich gleich umfallen würde."

JM: Nein, das finde ich nicht. Die meisten Leute, die mir auf Twitter folgen, spielen nicht für ihren Lebensunterhalt, und die wenigen, die es doch tun, spielen auf viel niedrigeren Levels.

Aber der Großteil führt ein ganz normales Leben, während ich hier durch die Gegend fahre und diese großen Turniere spiele.

Es ist mir doch klar, dass ich ein Riesenglück habe, in dieser Situation zu sein. Ich sollte also ein bisschen mehr Rücksicht auf die Gefühle anderer nehmen, bevor ich so etwas sage, denn ich weiß, dass viele Leute alles tun würden, um in meinen Schuhen zu stecken.

So gesehen schätze ich, dass ich diese Prügel teilweise auch verdient hatte.

PZ: Inzwischen scheint sich das Blatt wieder gewendet zu haben.

JM: Ja! Ein Titel bei der WCOOP, gute Plätze in Cannes und bei der Partouche Poker Tour. Seit ein paar Wochen geht es wieder steil bergauf.

PZ: Wie erklärst du dir das?

JM: Mann, da schlägt schlicht und einfach die Varianz zu. Ich habe gespielt wie immer, und dieselben Partien wie immer. So läuft das eben.

PZ: Phil Hellmuth hat den Main Event in Cannes gewonnen.

JM: Ja. (schüttelt den Kopf)

PZ: Darf er sich jetzt zurecht als besten Spieler aller Zeiten bezeichnen?

JM: Also ehrlich, Hellmuth hat 13 Bracelets, davon zwölf in Hold’em. auf der ganzen Welt ist kein anderer Spieler auch nur in der Nähe, vor allem, wenn man nur die Hold’em Bracelets zählt.

Jason Mercier
Phil Ivey hat kein Problem. Das Casino hat ein Problem.

Niemand kann heute hergehen und sagen, „ich hole mehr Bracelets als Hellmuth“, nicht einmal ein ganz junger Spieler. Einfach unmöglich.

PZ: Du bist ja auch noch ziemlich jung.

JM: Ja schon, aber ich bin seit fünf Jahren bei der WSOP und habe zwei Bracelets gewonnen. Ansonsten bin ich kein einziges Mal auch nur unter die letzten drei gekommen.

Eigentlich habe ich die statistischen Erwartungen damit schon übertroffen. Wenn ich so weitermache, brauche ich 40 Jahre, um Hellmuth einzuholen.

Also, vielleicht in ferner Zukunft, irgendwann einmal. Aber realistisch ist das nicht, nicht für mich und für niemand anderen.

PZ: Phil Ivey hat da gerade ein Problem mit einem Casino in London, das ihn nicht auszahlen will. Ist dir schon mal etwas Ähnliches passiert?

JM: Phil Ivey hat kein Problem mit einem Casino. Das Casino hat ein Problem mit Phil Ivey.

Ich selbst spiele diese Tischspiele nur selten, und wenn, dann nicht um ein paar Millionen Dollar, deshalb hatte ich einen solchen Fall noch nie.

PZ: Vielen Dank für dieses Gespräch.

(Jason Mercier erreichte auch im High Roller leider nicht die Geldränge)

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