Jason Les: "Künstliche Intelligenz kann Poker am vollen Tisch nicht schlagen"

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Jason Les verlor gegen Libratus

Letzten Winter wurden Jason Les und eine Gruppe von No-Limit-Heads-Up-Spezialisten in ihrem eigenen Spiel vom Computerprogramm "Libratus" besiegt. Der Ausgang war nicht unerwartet, Les hatte schon im Vorfeld verkündet, dass es passiert.

Die Story erregte viel Aufmerksamkeit und brachte Poker weltweit auf die Titelseiten. Viele Pokerspieler machen sich seitdem Sorgen um das Spiel.

Unsere Partnerseite PokerListings hat Jason Les in einer Pause des $3.000 6-Max No-Limit Hold’em der WSOP getroffen und mit ihm über Poker-A.I., die Zukunft des Spiels und den Aufstieg von Bitcoin unter den Highstakes-Spielern geplaudert.

PokerListings: Du bist ja mittlerweile als Kommentator unterwegs, gefällt dir diese Seite des Spiels?

Jason Les: Ja, es macht viel Spaß, vor allem beim neuen Stream von PokerGo bei der World Series. Es ist eine tolle Produktion und ich bin froh, dabei zu sein und mit Kommentatoren wie Norman Chad und Lon McEachern zu arbeiten.

PokerListings: Wie denkst Du über PokerGo als Produkt? Denkst Du, es ist gut für das Business?

Jason Les: Ich liebe es. Immer wenn ich nicht spiele, bin ich zu Hause oder hänge an meinem Handy und schaue den PokerGo-Stream.

Die Qualität der Coverage ist fantastisch, es ist, als wäre jeden Tag Main Event. Ich liebe, was sie tun.

Brains vs AI Ergebnis
Libratus lag am Ende $1,7M vorne...

PokerListings: Lass uns über Februar sprechen, das Match Brains vs. Poker A.I. Wie fühlte sich das Verlieren gegen den Libratus-Bot an?

Jason Les: Ich würde sagen, dass wir so ungefähr in der Mitte der Challenge wußten, dass wir verlieren. Es gehört zum Skillset eines guten Heads-Up-Spielers, zu wissen, wie gut man im Vergleich zum Gegner ist und kein falsches Selbstbewusstsein zu haben.

Wir müssen ehrlich sein und eingestehen, dass uns der Bot komplett ausgespielt hat. Man konnte sich nur schwer von den Tiefschlägen erholen, Libratus ist ja kein Mensch, der Schwächen zeigt, die man dann ausnutzen kann.

Der Bot benutzte eine Strategie, die auf der Annäherung an das Nash-Equilibrium beruhte und wir konnten sie nicht schlagen. Es ging im Grunde nur darum, dass wir die nächsten Tage brav auftauchten und das Ganze zu Ende brachten.

Wir waren nicht traurig oder verärgert. Wir wussten, was passieren würde. Eines Tages würden die Programme uns schlagen, das war klar.

PokerListings: Du hattest das schon mal erwähnt, als wir uns vor ein paar Jahren unterhalten haben.

Jason Les: Yeah, und jetzt ist es echt passiert, oder? Die K.I. drängt in alle Bereiche des Lebens und ist oft besser als die Menschen. Es macht unser Leben besser, nicht schlechter.

Den Fortschritt der Technik sieht man schon daran, dass wir sie von paar Jahren noch locker schlagen konnten - und zwei Jahre danach nicht mehr. Die Technik wird immer besser.

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Rechenpower für Libratus

PokerListings: Wie sieht die Zukunft der Challenge aus? Eigentlich ist doch jetzt alles geklärt…

Jason Les: Naja, im Heads-Up hat der Bot gewonnen. Es gibt andere Pokervarianten, in denen A.I. bisher nicht erfolgreich ist und Heads-Up macht nur einen kleinen Teil der Pokerwelt aus.

An einem vollen Tisch oder bei Varianten wie PLO sind die Menschen immer noch besser.

PokerListings: Wird das Team der Carnegie Mellon sich nun auf diese Dinge konzentrieren?

Jason Les: Sie haben nicht ausdrücklich gesagt, dass sie es tun. Es ging ihnen ja nicht in erster Linie um das Spiel Poker, sie wollten eine künstliche Intelligenz schaffen, die Probleme lösen kann und Heads-Up-No-Limit-Hold'em war quasi nur ein Test.

Das Team wird nicht alle Pokervarianten durchgehen, dass werden andere besorgen. Andere Varianten werden aber in Zukunft solche Challenges erleben.

PokerListings: Was hältst Du davon, wie die großen Medien das Thema verarbeitet haben? Es klang ein bisschen nach "Poker ist tot", was ja übertrieben ist…

Jason Les: Der Mainstream liebte die Geschichte. Es war eine gute Geschichte, da das Programm beim ersten Mal verloren und dann schließlich gewonnen hat.

Wenn menschliche Pokerspieler gewinnen, interessiert sich dafür niemand. Die Schlagzeilen lauteten aber "Künstliche Intelligenz schlägt Top-Pros in ihrem Game" und das mochten die Leute.

Ich denke, die Behauptung "Poker ist tot" ist völlig übertrieben. Heads-Up ist ja nur eine von vielen Varianten, die auch fast nur online gespielt wird. Wie gesagt, an einem vollen Tisch sieht es anders aus.

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Jason Les

Allerdings sollte man im Heads-Up jetzt aufpassen, es kostet zwar viel Geld, solche Programme laufen zu lassen, aber wer weiß…

PokerListings: Ist Heads-Up online heutzutage noch sicher?

Jason Les: Keine Ahnung. Das ganze Experiment hat mich aber vorsichtiger gemacht.

Offen gesagt, ist Heads-Up eh kein großes Thema mehr, unabhängig von den ganzen Wind um die K.I. Es gab viele Änderungen und die Leute spielen es nicht mehr so viel. Es ist nicht mehr profitabel.

PokerListings: Warum ist das so?

Jason Les: Heads-Up war online schon vor der A.I.-Geschichte nicht mehr angesagt, das hat mit den Änderungen von Pokerstars zu tun.

Heads-Up existierte in den Highstakes-Bereichen praktisch nur auf PokerStars. Man konnte nirgendwo anders $25/$50 oder höher spielen.

Als sie mit diesem ganzen Zoom-Gedöns anfingen und die Rake erhöhten, haben sie das Spiel unprofitabel gemacht. Es war nicht mehr das Gleiche, viele Leute haben deswegen nicht mehr gespielt.

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Zukunft Bitcoin?

PokerListings: Es sieht so aus, als hätte die Highstakes-Community Bitcoin und andre Kryptowährungen für sich entdeckt. Kannst Du das erklären?

Jason Les: Es ist eine Technologie, die im Kommen ist. Obwohl man das ja nicht so sagen kann, es gibt sie ja schon seit sieben Jahren oder so. Natürlich waren Pokerspieler, die sich ja ständig damit beschäftigen, online Geld zu verschicken, immer an so was interessiert.

Jetzt wird gerade eine Menge investiert, die Leute spekulieren auf die Zukunft.

Unabhängig davon habe ich gesehen, dass es das Leben der Menschen einfacher machen kann. Das traditionelle Bankensystem macht es nicht leicht, Geld weltweit zu transferieren. Mit Bitcoin geht es aber.

PokerListings: Ich habe einen Tweet gesehen, in dem Du die anderen Spieler beim $300k Super High Roller Bowl gefragt hast, ob sie den ganzen $15-Millionen-Preispool in Kryptowährung tauschen wollen. Das war ein Witz, oder?

Jason Les: Na klar. In den letzten Monaten kamen so viele Alternativen zu Bitcoin auf, das ist verrückt. Ich dachte, es wäre ein guter Witz. Hauen wir die $15 Millionen in irgendeine "Shitcoin-Währung" und das Geld vermehrt sich.

PokerListings: Hätte es geklappt?

Jason Les: Kommt darauf an, wie "shitty" die "coin" gewesen wäre (lacht).

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