„Mikrokosmos der Entscheidungsfindung“

Jan Heitmann
Wählte Poker statt Businesskarriere - Jan Heitmann.

Jan Heitmann im Radiointerview über die Parallelen von Poker und Management.

Das Interview fand heute Nachmittag bei DRadio Wissen statt. Das Wichtigste in Auszügen.

DRW: Wann kamst du auf die Idee, dir mit Poker dein BWL-Studium zu finanzieren?

JH: Durch mein Hobby Zauberei. Ich hörte immer wieder den Spruch, „mit dir möchte ich aber nicht Poker spielen“, und irgendwann habe ich gedacht, Moment mal, das müsste ich doch mal ausprobieren.

DRW: Als du angefangen hast, gab es ja den Poker-Boom noch gar nicht.

JH: Stimmt, ich habe 1997 angefangen, also lange davor. Damals war es hoch ziemlich schwierig, überhaupt Poker im Casino zu finden.

Eine der Hochburgen war allerdings damals schon Wiesbaden, und ich habe in Koblenz studiert.

DRW: Du bist ja auch als so genannter Pokerexperte unterwegs. Was heißt das?

JH: Das heißt, dass ich inzwischen als Coach arbeite und Leuten Poker beibringe. Ich begleite die Pokersendungen auf Sport1 und unterstütze regelmäßig Spieler, die bei Stefan Raabs Show „TV Total Pokernacht“ dabei sind.

Außerdem wende ich Poker für Management-Trainings an.

DRW: Wie darf man sich das vorstellen?

JH: Poker ist im Prinzip ein Mikrokosmos für Entscheidungsfindung. Es gibt viele Parallelen zwischen Management und Poker.

jan heitmann radio interview
Selbstporträt - Jan Heitmann im Aufnahmestudio.

Es gibt sehr viele strategische Elemente, und man muss Entscheidungen treffen, obwohl man keine vollständige Sicherheit hat.

Man kann aber ausrechnen, welche Möglichkeiten es gibt.

Poker basiert auf Konzepten, die auf viele andere Lebensbereiche 1:1 übertragbar sind.

DRW: Bitte ein Beispiel.

JH: Man muss ganz allgemein etwas riskieren, um etwas zu gewinnen. Jetzt muss man sich ausrechnen, wir groß die Gewinnwahrscheinlichkeit ist.

Dafür wendet man Mathematik an. Um die Entscheidung zu treffen, zerlegt man sie in Faktoren und bewertet deren Wahrscheinlichkeit.

Poker bietet einen begrenzten, anschaulichen Versuchsraum. Man hat nur 52 Karten, kommt aber trotzdem immer wieder in spannende Entscheidungssituationen.

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Wer in den Kopf des Gegners eindringen kann, ist im Vorteil.

Ein wichtiges Element ist dabei, sich zu fragen, wie der Gegner über das Spiel denkt. Die Karten werden dagegen auf Dauer Beiwerk.

Auf lange Sicht bekommen alle dieselben Karten, gute wie schlechte, das gleicht sich aus.

Was aber bleibt, ist die Strategie, die Art und Weise, wie man seine Hände spielt. Außerdem: Wie sieht man dabei aus, welche Körpersprache zeigt man.

Und genau das ist auch für einen Manager entscheidend. Wenn es ihm gelingt, in den Kopf des Gegenübers einzudringen, dann werden alle äußeren Bedingungen zweitrangig.

DRW: Muss man als Pokerspieler sehr risikobereit sein?

JH: Lustigerweise bin ich persönlich sehr konservativ. Ich bin zweifacher Vater und gehe auf die 40 zu.

Ich sehe es als meine Aufgabe, das Risiko möglichst genau zu kontrollieren.

Sagen wir, ich habe eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 30%. Wenn ich dafür einen Preis von 30% des potenziellen Gewinns bezahlen muss, komme ich genau auf null.

Habe ich aber mehr als 30% Gewinnwahrscheinlichkeit, zahlt sich das auf Dauer aus. Mit Risiko hat das gar nichts zu tun.

Risiko bedeutet, alles auf eine Karte zu setzen, und genau das macht ein Pokerspieler eben nicht.

Ich treffe als Pokerspieler ca. 15.000-20.000 Entscheidungen pro Tag. Meine Zukunft ist also nicht von einem Tag abhängig, und schon gar nicht von einer einzelnen Entscheidung.

DRW: Letzte Frage. Würdest du Leuten empfehlen, sich mit Poker das Studium zu finanzieren?

JH: ich würde jedem Poker als Hobby empfehlen. Ob man sich damit das Studium finanzieren kann, wird sich dann ja zeigen.

Das komplette Interview können Sie hier nachhören.

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