Nach dem Jahr des Drachen

Jan Heitmann
Jan Heitmann.

Jan Heitmann über seine Erfolge im letzten Jahr, Poker bei EPT und GHR, für Famlienväter und für den guten Zweck.

Die EPT im Vergleich zu anderen Turnierserien, wie vereinbart man Poker und Familienleben, was ist das Besondere an den German High Rollers, und kann man in Deutschland mit Poker für den guten Zweck Erfolg haben? Sie werden sich wundern.

EPT, WSOP oder WPT?

PZ: 20% mehr Spieler bei der EPT Berlin als im letzten Jahr, fast 1000 beim Berlin Cup. Kann man nach dem vorletzten Event der EPT-Saison schon ein Fazit ziehen?

JH: Der Zuspruch hier ist sensationell. Auf der einen Seite wurden die einzelnen Stopps aufgewertet, einfach dadurch, dass es weniger gibt.

Auf der anderen Seite ist das Angebot bei den Events ganz außerordentlich, weil die großen EPT-Events jetzt ja in Verbindung mit den kleineren nationalen Turnierserien wie der Estrella in Spanien oder der IPT in Italien stattfindet.

Der Zulauf bei Turnierserien wie denen im King’s, die früher ja eine andere Zielgruppe hatten als die EPT, zeigt ja, dass das Interesse vorhanden ist.

Mit der Vielzahl an Turnieren lohnt es sich jetzt auch für einen ambitionierten Amateur, der zum Beispiel ein Satellite für ein 1000er Event gewonnen hat, auch tatsächlich hierher zu fahren, weil er dann auch noch ein 300er spelen kann oder etwas Ähnliches, das seiner Bankroll entspricht.

jan heitmann
Heitmann an Tag 7 des WSOP Main Events 2012.

PZ: Fast 1000 Spieler im Berlin Cup bestätigen das. Obwohl da auch viele Profis mitgespielt haben. Gewonnen hat Pieter de Korver.

JH: Die Größe dieser Events macht sie auch für Profis interessant, die ansonsten nur den Main Event und vielleicht noch das High Roller Event spielen.

Aber es gibt ja inzwischen auch ein paar ungewöhnliche Formate, wie das Win-the-Button oder Open Face Chinese Poker, das zum ersten Mal beim PCA angeboten wurde.

Man sieht, dass die Verantwortlichen bei der EPT den Spielern gut zuhören und auf ihre Wünsche eingehen.

PZ: Die Strategie der EPT mit weniger, aber größeren Stopps, scheint aufzugehen. Die WPT scheint dagegen den entgegengesetzten Weg einzuschlagen, mit vielen kleineren, aber auch günstigeren Turnieren. Was ist denn nun besser?

JH: Das Konzept der WPT ist einfach ein anderes. Man muss bei der WPT ja auch berücksichtigen, wie groß der Aufwand und die Ausrüstung sind, die man für jeden Event benötigt.

Da macht es einfach mehr Sinn, sich auf weniger, aber umfangreichere Veranstaltungen einzustellen, als ständig von einem Ort zum nächsten zu hetzen.

Bei der WPT gibt es neben den regulären Turnieren auch noch die National Events, bei der WSOP neben Las Vegas auch noch die WSOPE, die WSOP APAC und die Circuit Events, von denen es auch immer mehr gibt.

Das kann dazu führen, dass die einzelnen Turniere ein bisschen untergehen und die Serie damit etwas verwässert wird. Darunter kann dann die Wertigkeit eines Einzeltitels leiden.

Das heißt aber nicht, dass die Strategien von WPT und WSOP falsch sind. Sie sind enfach anders und auf ihre Weise auch interessant.

Für mich persönlich eignen sich die großen Pokerfestivals auch deshalb gut, weil ich inzwischen Familienvater bin und nicht ständig irgendwo hinfliegen möchte.

Das Jahr des Drachen

PZ: Das Jahr des Drachen 2012 war für dich sehr erfolgreich. Was kommt jetzt?

Drache Tierkreiszeichen 2012
Lukrativ - das Jahr des Drachen.

JH: Also was das Tierkreiszeichen betrifft, weiß ich das auch nicht. Eigentlich habe ich mit Astrologie nichts am Hut.

Ich habe aber im vergangenen Jahr sehr viel gelernt, was verschiedenste Turniersituationen angeht, vom Spiel mit zehn bis fünfzehn Big Blinds über späte Turnierphasen bis hin zum Heads-up.

In 2012 hatte ich zwei Turniere, in denen ich im Heads-up saß und es keinen Deal gab. Das passiert nicht vielen Spielern innerhalb eines Jahres.

Außerdem habe ich viel über das Spiel als Shortstack gelernt. Zum Beispiel darüber, wann man seine letzten Chips riskiert und wann nicht.

Viele Spieler denken sich so etwas wie „es ist kurz vor der Dinner Break. Entweder ich verdopple jetzt oder ich scheide aus“. Ganz so einfach sollte man es sich aber nicht machen.

Auch mit wenig Chips hat man noch alle Chancen. Man gewinnt zwei oder drei Hände, und schon ist man wieder mitten im Spiel.

Es macht vielleicht nicht so viel Spaß, Shortstack zu spielen, aber man hat auch dann nichts zu verschenken.

PZ: Ist die EPT in Deutschland etwas Besonderes für dich?

JH: Na klar. Das ist ja nicht nur die Heim-EPT, sondern auch die, an der bei Weitem die meisten deutschen Spieler teilnehmen.

Da will man natürlich gerade den Landsleuten mal zeigen, wo der Hammer hängt. (grinst)

Die deutsche Pokerszene ist ziemlich eng vernetzt. Man kennt sich, man unterstützt sich, und von Fehden oder Streitigkeiten zwischen irgendwelchen Gruppen habe ich eigentlich noch nie gehört.

poker baby
Poker und Familie - unvereinbar?

Trotzdem - oder gerade deswegen - will man bei einem Event wie der EPT Berlin den anderen zeigen, was man kann. Hier sitzen nämlich oft genug mehrere von ihnen am selben Tisch.

Das ist also nochmal ein zusätzlicher Ansporn.

Papa oder Poker?

PZ: Wie vereinbarst du das Leben als Pokerspieler mit dem als Familienvater?

JH: Ich befinde mich in einer ziemlich günstigen Situation. Ich konnte zum Beispiel nach der Geburt meiner zweiten Tochter im vergangenen Jahr einfach mal acht Wochen aussetzen und mich ausschließlich um die Famiilie kümmern.

Das geht bei vielen normalen Jobs eben nicht, insofern habe ich da Glück. Aber Poker ist ja auch der Job, von dem meine Familie und ich leben, also kann ich auch nicht ewig zuhause bleiben. Außerdem bringt mein Vertrag natürlich auch Verpflichtungen mit sich.

Also ist Zeitmanagement wichtig für mich, und deshalb mag ich auch diese Pokerfestivals. Wenn ich dann mal zehn Tage unterwegs bin, dann nutze ich diese auch intensiv.

Das bedeutet, es wird viel gepokert, und es wird gefälligst ständig dazuglernt. Ich kann mich nicht zurücklehnen und sagen, ich brauche nichts mehr dazulernen, während gleichzeitig meine zweijährige Tochter jeden Tag eine komplett neue Welt entdeckt.

Das inspiriert mich, und ich glaube, das mir das als Spieler sehr hilft. Außerdem habe ich das Glück, eine fantastische Frau zu haben, die akzeptiert, dass ich ab und zu zehn Tage unterwegs bin und sie die Kinder alleine versorgen muss - übrigens ein knallharter Full-Time-Job.

Ich habe vor allen Müttern einen Heidenrespekt. Kleine Kinder bedeuten, dass es keine Pause gibt, keinen Feierabend, kein Wochenende.

Andererseits macht es sehr viel Spaß, Vater zu sein. Man kann Leuten, die keine Eltern sind, überhaupt nicht klarmachen, wie viel Liebe man für seine Kinder empfindet.

Die jungen Spieler, die das jetzt lesen, werden denken „ja ja, schon gut“, aber die wissen eben auch noch nicht, was es bedeutet, Eltern zu sein.

Insgesamt kann ich den Nachwuchsspielern nur sagen, probiert es aus, aber lasst euch Zeit.

GHR - besser als HSP?

PZ: Du warst schon mehrmals bei den German High Rollern dabei, die eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht haben. Kann sie sich heute mit amerikanischen Shows wie High Stakes Poker messen?

JH: Vom Spielerischen her absolut. Es gibt enorm viele extrem starke Spieler aus Deutschland.

Jan Heitmann GErman High Rollers
Heitmann als Spieler und Kommentator bei den GHR.

In der Spitze sind jetzt seit einiger Zeit Spieler dabei wie Pius Heinz, oder Quirin Zech und Jonas Kronwitter, zwei absolute Experten für Live-Spiel und Deepstack No Limit Hold‘em.

Dazu kommen so große Namen wie Philipp Gruissem oder Tobias Reinkemeier, Spieler, mit denen ich mich eigentlich gar nicht in einem Atemzug nennen will.

Zum Erfolgskonzept gehören dann auch Spieler wie Hermann Pascha oder Leon Tsoukernik, die der Show nochmal so richtig Farbe geben.

Vor allem Leon ist jemand, der am Tisch eben manchmal ein bisschen verrückt spielt, aber das durchaus mit Absicht.

Wenn Leon spielt, dann will er hoch spielen, und das geht manchmal schief, aber wenn es funktioniert, baut er enormen Druck auf.

Die Pots, die wir bei der letzten Staffel gespielt haben, waren mit Abstand die größten, die ich bisher im Cash Game erlebt habe.

Auch kommentieren macht bei German High Roller großen Spaß. Derjenige, der sich am besten in die einzelnen Spieler einfühlen kann und Situationen aus ihrer Perspektive betrachtet, ist George Danzer.

Ich war mit meinem Spiel in dieser Staffel eigentlich ganz zufrieden, aber wenn ich so gut gespielt hätte, wie George analysiert, dann wäre das Ergebnis noch besser gewesen.

Poker als Wohltätigkeitsveranstaltung

PZ: Die CPT-LA veranstaltet ein jährliches Wohltätigkeitsturnier, an dem schon einige bekannte deutsche Spieler teilgenommen haben. Wie kommst du dazu?

JH: Zufall. Eine Anzeige in einem Wochanblatt in meiner Heimat im Sauerland hat mich darauf gebracht. Das war vor etwa vier Jahren.

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Charity-Poker im Sauerland - mit Danzer, Heinz und Heitmann.

Ich habe mich dann telefonisch gemeldet, und die Jungs haben zuerst gedacht, es wolle sie jemand auf den Arm nehmen.

So haben wir uns kennengelernt. Sie haben mich dann gefragt, ob ich bei dem Charity-Turnier, das sie schon länger geplant hatten, mitspielen würde, und ich habe sofort zugesagt.

Ich habe George angerufen und ihm gesagt, wir müssen dahin, also hatte er natürlich keine Wahl und musste auch mitspielen.

Das Turnier wurde dann etwas chaotisch. Die Jungs hatten mit einhundert Spielern gerechnet, aber die Werbetrommel so gut gerührt, dass plötzlich über dreihundert Leute vor der Tür standen.

War trotzdem eine tolle Aktion. Es kamen mehrere tausend Euro für den guten Zweck zusammen.

Zwei Jahre später hat sich dann sogar Pius Heinz bereit erklärt, ins Sauerland zu kommen, wofür er immer etwas gut bei mir haben wird.

Und im letzten Jahr war auch Christophe Grosse vor Ort.  Ich unterstütze solche Projekte immer gerne, wenn ich kann.

 


 

Jan Heitmanns Rätselfrage

Die Situation: Man sitzt mit dem ultimativen Bluffer am Tisch, also mit einem Spieler, der ständig auf allen Straßen feuert und seine Gegner aus jeder Hand zu drücken versucht.

Plötzlich checkt der Bluffer auf dem River zu uns. Wir sitzen auf einem geplatzten Flush Draw.

Sollten wir in dieser Situation versuchen, den Bluffer zu bluffen oder nicht? Und mit welcher Begründung?

Anmerkung von Jan Heitmann: "Diese Frage stammt nicht von mir, sondern von einem berühmten Pokerspieler und -theoretiker, der auch eine sehr schöne Antwort dazu gibt. Ich werde sie in den nächsten Tagen bei PokerZeit auf Facebook beantworten."

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