Jan Boye – Ein ganz normaler Verrückter

Jan Boye

Erinnern Sie sich noch an den Deutschen, der beim WSOP Main Event 2010 die Spieler an seinem Tisch mit einer gefährlichen Mischung aus Kartenglück (siehe Videos unten), guter Laune und deutschem Slang („Sis is Gembel time.“) reihenweise zur Weißglut trieb?

Für den Ass-Dame immer die Nuts waren, egal ob mit einer Overcard oder Runner Runner Flush, und den Norman Chad wahlweise als „Darvin Moon mit Akzent“ oder „one cheerful donkey“ bezeichnete?

Jan Boye erreichte im letzten Jahr die Top 300 des Main Events und wurde schließlich drittbester Deutscher. Für Platz 256 gab’s über $40.000, die der Lebemann aus Erfurt wohlweislich investiert hat:

„Ein C63 AMG Cabrio. Das Geld hätte nicht gereicht, also habe ich mir einen mit Frontschaden besorgt“, grinst Boye, der praktischerweise mit Autoteilen handelt. „Was nutzt mir denn das Geld auf der Bank?“

Das Abenteuer Las Vegas hat er im letzten Jahr voll ausgekostet und dabei auch den Wahnsinn Cash Game erlebt: „Ich habe im Bellagio an einem $25/$50 Tisch gesessen. Wenn die meisten Spieler $10.000 und mehr vor sich liegen haben, kriegt man schon mal weiche Knie.“

Dabei lässt er sich ansonsten von großen Namen wie Frank Kassela („Spieler des Jahres 2010“) oder Michael Mizrachi, die damals mit ihm am Tisch saßen, nicht weiter beunruhigen, ebenso wenig wie von dem Umstand, dass er damals am Feature Table saß und von Kameras umringt war.

„Heutzutage wird gerade von den jungen Spielern sehr viel vor dem Flop gespielt. Darauf muss man sich einstellen“, sagt er. Sein Geheimrezept: Ein Glas Wein, „das macht etwas lockerer, sodass man die richtigen Entscheidungen treffen kann“, und ein gelegentliches Re-Raise, gerade gegen die jungen Wilden.

„Einfach mal noch einen draufsetzen, dann werden wir ja sehen, was das Raise bedeutet und wer die dickeren Eier hat. Schließlich kochen die ja auch nur mit Wasser.“ Selten wurden Metaphern schöner kombiniert.

In dieser Woche spielt Boye den Main Event der EPT Prag, nachdem er sich erst am letzten Donnerstag online qualifiziert hat. „Ich spiele nur die Events, für die ich mich online qualifiziere. Wenn das klappt, schön, wenn nicht, auch nicht schlimm. Das Geld für so ein Satellite kann man schon mal riskieren.“

Immerhin haben ihn die Online-Satellites in den letzten zwei Jahren schon nach Macao, Las Vegas, Vilamoura und nun auch nach Prag geführt. „Ich bin ein ganz normaler Verrückter – so wie die meisten hier“, lacht er.

Im richtigen Leben besitzt Boye neben seiner Firma auch noch Immobilien und ist damit – wie er selbst sagt – „Kapitalist“. Poker ist für ihn ein schönes Hobby und ein willkommener Anlass dafür, in und außerhalb Europas durch die Gegend zu reisen.

Dabei  ist Boye bei allem Spaß am Spiel besonders wichtig, das es ein Hobby bleibt und man nicht den Bezug zur Realität verliert. Bei dem Pokernachwuchs sei das leider öfters der Fall: „Viele junge Spieler können außer Poker gar nichts. Die könnten ja nicht mal einen Nagel in die Wand schlagen.“

Ach ja, aus dem Main Event der EPT Prag schied Boye an Tag 1 aus. Mit Q-5 gegen K-Q und Q-Q. eine Fünf auf dem Board war nicht genug. Macht ja nichts, grinst er, die neuen Qualifier laufen schon. Nächste Station, wenn alles klappt: die PCA auf den Bahamas.

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