"Ivey ist der einzige, der lügen würde"

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8 Mai 2010, Von: The Hand
Geposted in: Blog
"Ivey ist der einzige, der lügen würde"
Daniel Negreanu über die Dominanz der EPT, seine Gegner bei High Stakes Poker und die Jagd auf WSOP-Bracelets.

PZ: Das EPT Grand Final war mit vielen Stars besetzt. Hat Europa in puncto Bedeutung für nordamerikanische Spieler inzwischen gleichgezogen?

DN: Absolut. Die EPT ist inzwischen sogar deutlich wichtiger als z. B. der ganze WSOP Circuit oder die WPT. Das WPT-Finale hatte nicht einmal 200 Spieler. Die wichtigen, berühmten Leute, Lindgren, Moneymaker, Raymer, Cada, Seidel usw. waren alle in Monaco. Und Ivey kommt schon seit Längerem regelmäßig jedes Jahr.

Außerdem gibt es hier ein $25k High Roller Event. Allein das hat in diesem Jahr 113 Spieler gesehen. Vergleichen Sie das mal mit der WPT. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe Spieler, die lieber nach Europa fliegen und San Remo und Monte Carlo spielen, weil dort einfach  viel mehr Value zu finden ist.

daniel negreanu
Mehr Value bei der EPT.

PZ: Sprechen wir einen Moment über die WSOPE, wo Sie das Heads-up des Main Events erreicht haben. In einer Hand Q-J gegen Shulmans Asse trafen Sie je einen Buben auf dem Flop und dem Turn, um dann doch noch zu verlieren. War das der schlimmste Moment Ihrer Turniergeschichte?

DN: Das war verdammt hart. Leider sehen Sie im Fernsehen nicht, wie oft ich Bad Beats bekam und mich wieder nach oben arbeitete. Das Ganze dauerte schließlich fast sechs Stunden.

Mein schlimmster Turniermoment war aber ganz sicher das WSOP Main Event 2001. Bei noch 12 Spielern war ich klarer Chipleader. Am Ende wurde ich Elfter. Ich verlor einen Riesenpot bei einem Coin Flip mit A-K gegen 6-6. Dabei hat er seine Hand schlecht gespielt und ich hätte meine gar nicht erst spielen sollen. So ein Fehler würde mir heute nicht mehr passieren.

WSOPE Main EVent Heads-up: Daniel Negreanu vs. Barry Shulman.

PZ: Und was war der beste Moment Ihrer Turniergeschichte?

DN: Das war im Dezember 2004, beim WPT Five Diamond Classic im Bellagio. Ich musste den letzten Tisch erreichen, um bei Cardplayer Spieler des Jahres zu werden und noch ein paar andere Preise zu gewinnen. Ich kam nicht nur an den Finaltisch, sondern hatte dort auch den höchsten Chipvorsprung in der Geschichte der WPT. Am Ende gewann ich das Turnier im Heads-up gegen Humberto Brenes.

PZ: Sie sind auch bei High Stakes Poker regelmäßiger Gast. Mal ehrlich, sagt in diesen kleinen Interviews, in denen einzelne Hände nachbesprochen werden, irgendjemand die Wahrheit?

DN: Durchaus. Ich würde sagen, meistens ist das der Fall. Erinnern Sie sich an die Hand, in der David Benyamine mich auf dem River geraist und mich zu einem Fold gebracht hat, obwohl ich den höheren Flush hielt? Ich glaube nicht, dass er wusste, was ich auf der Hand hatte, aber ich bin sicher, er hielt das für eine Möglichkeit.

Die meisten Spieler sagen, was sie denken, wobei sie natürlich im Fernsehen auch nicht als Idioten dastehen wollen. Der einzige, der wahrscheinlich lügen würde, ist Phil Ivey.

High Stakes Poker: Daniel Negreanu vs. David Benyamine.

PZ: Wie bitte?

DN: Yeah. Weil er der beste ist. Und weil es ihn nicht weiter kümmert. Ich meine, er weiß, dass man in der Kunst des Krieges keine Geheimnisse verrät.

PZ: Er würde also abstreiten, den richtigen Read gehabt zu haben?

DN: Ja. Er würde wahrscheinlich so etwas sagen wie „na ja, ich dachte nur, es ist einen Versuch wert".

PZ: Und war würde Matusow sagen?

DN (ruft in bester Mike-Matusow-Manier): „Ich wusste, dass es diese Hand ist. Ich kenne den Typen doch gut genug. Ich weiß, wie er spielt. Ich wusste genau was er hatte." (lacht) So etwas in der Art.

PZ: Sie sind für Ihre ausgezeichneten Reads berühmt. Ist Tom „durrrr" Dwan ein Spieler, der an Ihre Fähigkeiten heranreichen könnte?

daniel negreanu
Durrrr ist ein Phänomen.

DN: Durrrr ist ein Phänomen, keine Frage. Er sammelt unglaublich viel Erfahrung, weil er ununterbrochen spielt. Er ist sehr kreativ, und wenn man zusieht, wie er seine Hände spielt, denkt man, der Typ ist verrückt. Aber er weiß genau, was er tut. Und er weiß, wie man Menschen manipuliert.

PZ: Wie entwickelt man gute Reading Skills überhaupt?

DN: Letztlich muss man ständig spielen. Genau wie ich früher. Ich stand morgens auf und begann zu spielen. Den ganzen Tag, bis es wieder Zeit war, schlafen zu gehen. Und am nächsten Tag wieder dasselbe. Das habe ich jahrelang so gemacht, um mir eine Bankroll aufzubauen. Nur so kann man die notwendige Konzentration entwickeln.

PZ: Die WSOP steht vor der Tür. Ist die 8-Game Players Championship die wahre Weltmeisterschaft?

DN: Ja, absolut. Das ist das Turnier des Jahres. Schon allein, weil es nun von HORSE zu 8-Game verändert wurde. Ich behaupte ja gerne von mir, dass ich alle Varianten beherrsche. Bei einem solchen Turnier muss man so etwas beweisen.

Es gibt viele Spieler, die No Limit Hold'em und Omaha beherrschen, aber bei Stud oder Triple Draw sieht die Sache ganz anders aus.

Ich glaube nicht, dass irgendjemand den Finaltisch erreichen kann, der noch nie im Big Game gesessen hat. Man muss ganz oben mitspielen können, um bei diesem Event zu bestehen.

daniel negreanu
Man mus ganz oben mitspielen können.

PZ: Also werden nur die Besten am Start sein? Und ein paar Wohlhabende, denen das Geld egal ist?

DN: Und einige Internet-Kids, die glauben, man kann das Turnier mit Omaha Hi-Lo, PLO und NLHE gewinnen und den Rest einfach aussitzen. Natürlich geht das gar nicht, aber wir sollten es ihnen nicht verraten. (lacht)

PZ: Welches ist Ihre bevorzugte Variante? No Limit Hold'em?

DN: Nein. Ehrlich gesagt war es nie No Limit Hold'em. Mein Lieblingsspiel ist Seven Card Stud 8 or better. In der Variante habe ich irgendwie die besten Reads.

PZ: Also werden Sie alle Stud Events bei der WSOP spielen?

DN: Ich werde auf jeden Fall alle $10k Championship Events spielen. Aber wenn ich die Wahl habe, ein NLHE Event oder etwas Anderes zu spielen, entscheide ich mich normalerweise für das Andere.

PZ: Phil Ivey hat eine ziemlich verrückte 5-Mio.-Wette mit Howard Lederer abgeschlossen. Würden Sie gegen Ivey wetten, wer am meisten Geld in Turnieren erspielen kann? Schließlich führen Sie beide diese Tabelle an.

DN: Zwischen Phil und mir läuft sowieso eine ständige Wette. Gewinnt einer von uns ein Turnier, bekommt er vom Anderen $200k dazu. Aber was die Wette in Ihrer Frage betrifft, da ist Ivey für mich der klare Favorit. Ich würde eine Menge Geld auf ihn setzen. Eigentlich würde ich so ziemlich alles setzen, was ich habe.

Außerdem gibt es eine Zusatzvereinbarung: Wenn Ivey ein Bracelet gewinnt und ein Turnier in Europa gewinnt, gilt sie als unentschieden. Wie soll Ivey da verlieren?

PZ: Phil Hellmuth hat gesagt, dass er irgendwann 24 Bracelets haben wird, und dass es Ivey und er sein werden, die um den Rekord wetteifern.

DN: Und schon wieder wette ich eine Menge Geld. Und zwar dagegen, dass Hellmuth auch nur 15 gewinnt. Die NLHE-Turniere sind mit ihren mehr als 1000 Spielern einfach kaum zu schlagen. Und Hellmuth hat noch nie ein Turnier in einer anderen Variante gewonnen. Noch nie! Ivey wird Stud-Turniere mit 150 Teilnehmern spielen und sie vernichten. Phil Hellmuth kann das einfach nicht.

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