Ivey, Dwan und Antonius lüften ihre Pokergeheimnisse

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9 Dezember 2010, Von: The Hand
Geposted in: PokerZeit Blog
Ivey, Dwan und Antonius lüften ihre Pokergeheimnisse
Die drei am meisten gefürchteten Spieler der Welt über Strategie, Million Dollar Swings und das perfekte Poker.
Phil Ivey, Tom Dwan und Patrik Antonius haben die größten Swings der Pokergeschichte durchlebt und trotzdem seit 2007 über $36 Mio. angehäuft. Damit stehen sie weit über allen anderen Spielern dieser Generation. Was ist das Besondere an ihnen?

Im Gegensatz zu vielen anderen bekannten Größen der Branche halten diese drei sich ziemlich bedeckt. Bücher und Faustregeln können nicht erklären, wie sie ihre Bankrolls so aufbauen konnten, und alle drei berühmt für ihre Zurückhaltung, wenn es um Strategiediskussionen geht. Sie ziehen es vor, ihren Reichtum zu vergrößern, anstatt denen etwas beizubringen, die ihnen auf den Fersen sind.

Pokerplayer.uk traf sich mit allen drei Spielern und erhielt bisher unbekannte Einblicke. Sie sprachen darüber, wie man mit Swings von mehreren Millionen Dollar umgeht, wie man sich vor Tilt schützt und warum es für perfektes Poker entscheidend ist, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Phil Ivey

Falls Sie nicht wissen sollten, wer Phil Ivey ist, dann sind Sie hier falsch. Ivey war schon einer der größten Namen der Pokerbranche, als der Boom losbrach, und er gilt heute unumstritten als der beste Spieler der Welt. Wie gelingt es dem achtfachen Bracelet-Gewinner, derartige konstant zu spielen?

Was halten sie von der Aussage, das Sie, Tom Dwan und Patrik Antonius die besten Spieler der Welt sind?

Es kümmert mich nicht weiter, was andere Leute sagen. Wir gehören wahrscheinlich zu den besten Spielern. Tom ist ein sehr, sehr guter No-Limit-Spieler, und für Patrik gilt dasselbe.

Macht Ihr Ruf es Ihnen schwerer, Gegner zu finden?

Nein, denn ich spiele gegen jeden. Also macht mir das nicht viel aus.

Wie halten Sie dieses hohe Niveau?

Wir alle haben eine strikte Arbeitsmoral. Wir spielen viel und wir verstehen etwas von Menschen und Psychologie. Wir wissen, wie man gewinnt, wann man am besten aufhört und wann man sitzen bleibt. Solche Dinge.

Gibt es Elemente im Spiel von Dwan oder Patrik, die Ihrem überlegen sind?

Ja, es gibt ein paar Sachen, die die beiden besser machen, aber ich möchte nicht über Strategie sprechen. Deshalb habe ich auch nie ein Buch geschrieben. Das würde mir mehr schaden als nutzen.

Sie alle spielen manchmal tagelang ohne Pause. Sind solche Marathon-Sessions nicht sehr ermüdend?

Das Adrenalin hält uns wach. Es weckt den Kämpfer in dir, und deshalb wird man auch nicht wirklich müde. Sollte das doch passieren, tut man eben etwas dagegen. Man steht auf, geht spazieren, isst, macht sich frisch, und schon geht es wieder weiter.

Könnten Sie den Weltrekord im Dauerpoker brechen?

Das habe ich wahrscheinlich schon getan.

Es muss doch auch Zeiten geben, in denen Sie keine Lust mehr auf Poker haben?

Manchmal brauche ich etwas Abstand von Poker, aber nie mehr als eine Woche, dann bin ich wieder dabei. Nach Ende der World Series nehme ich mir eine Woche Auszeit und entspanne. Lese ein paar Bücher, spiele Golf, gehe ins Kino und lade meine Batterien wieder auf. Aber ich brauche dafür nicht lange. Monatelanger Urlaub ist nichts für mich.

Sie tragen nie eine Sonnenbrille. Warum nicht?

Ich möchte in der Lage sein, meinen Gegnern in die Augen zu sehen, also wäre es mir lieber, wenn sie auch keine Brille trügen. Ich glaube, das wäre ein Vorteil für mich, und es würde auch im Fernsehen besser aussehen. Wenn man jemandem in die Augen sieht, kann er sich nicht verstecken. Bei welcher Hallensportart darf man denn Sonnenbrillen tragen? Wenn wir Poker als Sport ansehen wollen, sollten wir Sonnenbrillen vielleicht verbieten.

In letzter Zeit sagt man, Sie hätten Chip Reese als besten Spieler aller Zeiten überholt. Stimmen Sie dem zu?

Chip Reese war ein guter Freund von mir, und ich habe viel von ihm gelernt. Nur dadurch, dass ich ihn beobachtet habe. Nicht allein beim Pokern, sondern auch abseits des Tisches. Er war einfach ein Stehaufmännchen. Zu behaupten, ich hätte ihn als besten Spieler aller Zeiten abgelöst, ist lächerlich. Für mich bleibt er der größte, und ich weiß nicht, ob es jemals einen vergleichbaren Spieler geben wird. Das kann man vielleicht beurteilen, wenn ich nicht mehr da bin, aber solange ich lebe, wird Chip für mich der großartigste Spieler bleiben, mit dem ich je am Tisch saß.

Wie steht es mit Braceletgewinnern wie Phil Hellmuth? Ist er gut genug, um auch einmal in einer anderen Variante als Hold'em zu gewinnen?

Er spielt so viele Turniere in verschiedenen Varianten, dass ihm das wohl irgendwann passieren muss. Aber ich werde ihn überholen [was die Bracelets betrifft]. Ich würde eine Menge Geld darauf wetten, dass ich ihn in den nächsten zehn Jahren einhole. Eine Menge Geld. Ich hoffe, ihn schon in fünf Jahren einzuholen. Ich schätze, das müsste klappen

 

tom dwan cannes

Tom Dwan

Tom „durrrr" Dwan ist der vielleicht interessanteste Spieler, den es zurzeit in der Branche gibt. Er hat online ein Vermögen erspielt, ist aber inzwischen mehr und mehr live unterwegs. Wie hat er den Übergang geschafft und wie geht ein Pokermillionär mit Tilt um?

In letzter Zeit haben wir Sie immer häufiger live gesehen. Spielt man live anders als online?

Wenn man Poker spielt, muss man genau wissen, was man tut. Die Leute suchen immer nach Regeln, nach denen sie spielen können, anstatt wirklich nachzudenken. Manche werden dadurch zu Online-Nits, andere denken, wenn sie sich in einer Live-Partie eine Sonnenbrille aufsetzen, haben sie an alles gedacht. Es ist allerdings besser, sich zu überlegen, was man tut und die Situation zu analysieren, wenn man von einem Spieler angegriffen wird.

Gibt es eine Routine in Ihrem Spiel?

Als ich anfing, gab es das. Ich hielt das für eine gute Idee. Ich bereue nicht, so gespielt zu haben, und ich bin heute sehr viel sicherer, sodass ich viel besser variieren kann.

Wonach halten Sie Ausschau, wenn sie live spielen?

Viele Spieler tragen Sonnenbrillen, wenn es losgeht, und denken, damit seien sie sicher. Was sie aber nicht bemerken ist, dass man durch die Gläser hindurchsehen kann, oder dass sie ihre Chips mit einer Drehung in die Mitte werfen, wenn sie bluffen, aber in einer geraden Bewegung, wenn sie eine starke Hand haben.

Ist es wichtiger, eigene Tells zu verbergen, als Tells bei anderen zu entdecken?

Natürlich ist es extrem wichtig, bei anderen Spielern Tells zu entdecken, aber erwarten Sie bitte nicht, dass Sie in irgendeinem Buch lesen können, wie das geht - so etwas ist Quatsch. Man muss sich überlegen, warum die Gegner das tun, was sie tun, und das gilt für jede Pokervariante.

Spielen Sie heute lieber live oder online?

Wenn ich spiele, dann um Geld zu verdienen. Trotzdem, ich habe immer gerne zwischen beidem gewechselt, aber in letzter Zeit spiele ich zunehmend gerne live. Vielleicht kommt es daher, dass ich in den letzten Monaten mit vielen Leuten gespielt habe, mit denen ich sehr gut auskomme.

Was ist einfacher?

Im Allgemeinen verdient man live weniger Geld, außerdem müssen die Partien softer sein. Ich würde live nie gegen Phil oder Patrik heads-up spielen, weil ich das einfach online machen kann. Falls ich verliere, kann ich schneller lernen, und falls ich gewinne, kann ich mehr gewinnen. Deshalb würde ich eine Partie online gegen die beiden immer vorziehen.

Sind Sie so gut wie Ivey und Antonius?

Es gibt viele wirklich gute Spieler, aber die beiden sind insgesamt allen anderen ein Stück voraus. Es gibt vielleicht zwei Varianten, in denen ich mithalten kann, in allen anderen bin ich keine Konkurrenz. Die beiden sind einfach die besten Allround-Spieler.

Was ist das Besondere an den beiden?

Sie sind einfach besser. Punkt. Eine Menge Spieler kommen und gehen, die wirklich ziemlich gut sind, einen Lauf erwischen und einen Haufen Geld gewinnen. Aber Phil und Patrik sind einfach so offensichtlich gut, dass sie sich über so lange Zeit halten konnten.

Haben Sie noch Probleme mit Tilt?

Ich glaube nicht, dass ich je so auf Tilt gerate, dass es mein Spiel beeinflusst. Aber ich tilte in dem Sinn, dass ich nach dem Essen meinen Teller nicht wegräume und stattdessen eine Putzfrau anrufe oder so etwas. Man muss lernen, mit Tilt umzugehen und die Emotionen in eine andere Richtung zu lenken, weg vom Tisch. Auch wenn man verliert, muss man sein bestes Spiel zeigen.

Also macht es Ihnen nichts aus, einen 1 Mio. Dollar Pot zu verlieren?

Natürlich macht es mir etwas aus. Aber es gehört zum Spiel und es ist der einzige mögliche Rückschlag, und es ist kein wirklich schwerer. Es sieht vielleicht schlimm aus, wenn man in einem Pot eine Million verliert, aber man muss das im größeren Zusammenhang sehen.

 

Patrik Antonius

Patrik Antonius

Der wahrscheinlich beste PLO Cahs-Game-Spieler der Welt ist seit fünf Jahren eine feste Größe in der Pokerszene. Er hat in dieser Zeit allein online über $10 Mio. verdient. Was denkt er von der Konkurrenz und wie ist zu dem Spieler geworden, der er heute ist?

Sind Sie, Tom und Phil wirklich die besten Spieler der Welt?

Leider scheint das zu stimmen, aber es wäre besser für uns, wenn mehr Spielerbereit wären, die hohen Partien zu spielen. Das Negative ist für uns, dass es weniger Action gibt. Das Gute ist, dass es uns ziemlich gut ergangen ist.

Was unterscheidet Euch drei von den anderen Spielern?

Also, Phil ist ja schon sehr lange dabei. Er macht einfach alles auf die bestmögliche Weise. Er steht auf, wenn er glaubt, dass er aufhören sollte - wenn er z. B. müde ist oder verliert. Tom ist noch relativ jung, aber dafür unglaublich talentiert.

Gibt es noch andere Spieler, die auf demselben Niveau spielen?

Jedes Jahr ein paar, aber sie können das Niveau meistens nicht halten. Eine Reihe von Spielern haben Talent und spielt sehr gut und ambitioniert, aber Poker ist eine lange Geschichte. Viele können einen Monat lang stark spielen, aber erst wenn es dann bergab geht und man Geld verliert, sieht man, wie stark jemand wirklich ist.

Warum bringen andere Spieler die Konstanz nicht auf?

Manchmal gibt es keinen besonderen Grund dafür, warum Spieler verschwinden. Es gibt Spieler, die in den Big Games spielen, gut verdienen und das Geld dann in Immobilien oder Firmen investieren. Sie kaufen sich etwas Großes und spielen danach niedriger.

Gegen Sie Ihre Gewinne auch so aus?

Ich glaube, dass die meisten Spieler auf den hohen Levels investieren und keine großen Bankrolls besitzen. Ich habe Anfang des Jahres fast vier Millionen Dollar verloren, und das war wirklich hart, denn ich hatte Geld investiert - in Immobilien. Niemand hat immer 8-10 Mio. Dollar auf der Seite, um Poker zu spielen.

Wie schwierig ist es, mit solchen Swings umzugehen?

Man muss die Dinge tun, die einem am meisten Spaß machen - ich verbringe Zeit mit meiner Familie, treibe Sport, esse gut, analysiere. Man darf sich von Swings und großen Geldsummen nicht beindrucken lassen. Ich bin schon so lange dabei und habe so oft große Summen verloren, dass ich weiß: Ich kann immer wieder aufstehen. Wäre ich davon nicht überzeugt, hätte ich ein großes Problem.

Und so gelingt es, den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren?

Es hilft mir sehr. Ich war im Sommer zwei Wochen in Finnland, verlor eine Million und war krank. Ich war allein und hatte sonst nichts zu tun. Wäre ich bei meiner Familie gewesen, hätte ich Zeit mit meiner Familie und meiner Tochter verbracht. So wie man sein Leben organisiert, so spielt man auch Poker. Wenn man sein Leben nicht im Griff hat, ist es schwierig, richtig gut Poker zu spielen. Ich spiele nie, wenn ich müde bin, und mein Instinkt ist ziemlich gut. Oft weiß ich schon vorher, ob es gut laufen wird oder nicht.

Aber was macht eine Partie zu einer guten Partie?

Wenn mehrere Spieler dabei sind, die normalerweise nicht so hoch spielen. Mein Motto ist: „Ok, jetzt sind sie dabei, das muss ich ausnutzen."

Macht Sie jemand auf solche Partien aufmerksam?

Ich habe kein festes Abkommen mit irgendjemandem, aber ich habe da einen Freund, oder meine Verlobte könnte mir Bescheid sagen, und manchmal rufen auch Tom oder Phil selbst an. Wir sind ja alle befreundet. Wir versuchen zwar, uns gegenseitig das Geld abzunehmen, aber wir helfen uns auch.

War es für Sie wichtig, in Partien zu spielen, in denen Sie am Anfang Ihrer Karriere Nachteile hatten?

Ja, unbedingt. Als ich anfing, mit den Besten zu spielen, lernte ich sehr schnell. Manchmal verlor ich, aber es war trotzdem großartig. Man sieht, wie sie einen besiegen, und dann geht man auf niedrigere Levels und wendet das Wissen dort an, bis man jeden schlagen kann. Ich habe mir alles selbst beigebracht. Genau wie Phil. Er spricht nie mit jemandem über irgendeine Hand. Er will einfach nichts preisgeben.

Was fasziniert Sie heute noch an Poker?

Manchmal habe ich keine Lust auf Poker, und manchmal spiele ich wie verrückt. Herausforderungen reizen mich, und ich bin eben ein Action-Junkie. Ich möchte gern in einer Partie sitzen, in der ich zwei Millionen verlieren kann. Die Monte Carlo Championship [$250k Buy-in], das ist etwas für mich. Das Gefühl, zu verlieren, gibt einem viel, es bringt einem eine Menge bei.

Quelle: pokerplayer.co.uk

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