ISPT Event in Wembley – Untergang der Titanic?

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Geniale Business-Idee oder einfach nur Größenwahn? Mitte nächsten Jahres sollen 30.000 Pokerspieler im Londoner Wembley-Stadion zusammenkommen und um einen Preispool von garantierten 20 Millionen Euro spielen. Kann die Group Bernard Tapie damit endlich Fuß im Konzert der großen Player fassen oder ist ihr Scheitern vorprogrammiert? Ein Kommentar.

Stephen McLean ist momentan so etwas wie ein Kugelfang für Kritik am ISPT-Event in Wembley. Wenn immer die Stimmen bezüglich des Projektes zu laut werden, tritt der Ire in Aktion.

Dann fallen in Interviews markige Sätze, die so gar nicht zu dem, an einen englischen Buchmacher erinnernden ISPT-Agenten (Zuständigkeitsbereich GB/ Irland) passen wollen. Von einem „gigantischen Projekt“ ist dann die Rede und davon, dass der Preispool von 20 Millionen Euro „absolut sicher“ sei.

Doch schon bei Letzterem wurde McLean von seinem Vorgesetzten kürzlich schmerzhaft vor Augen geführt, wie schnell einem ein solches Wahnsinns-Unternehmen aus der Hand gleiten kann. Denn kurz nach seinem Statement hieß es von anderer Seite nicht mehr, man garantiere einen Preispool von 20 Millionen Euro, sondern „die Organisatoren erwarten ein riesiges Feld und etwa 20 Millionen Preispool“.

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Stephen McLean.

Eine kleine aber entscheidende Umformulierung, die selbst McLean überraschte, wie er wenig später im 2+2-Forum zugab. Der Dubliner hatte noch Anfang 2012 in Irland versucht, das größte Live-Turnier Europas mit 4000 Spielern (877 kamen) auf die Beine zu stellen und weiß, wie viel bezüglich solch ambitionierter Projekte von der allgemeinen Glaubwürdigkeit solcher Zahlen abhängt.

Ungereimtheiten wie diese sind natürlich Wasser auf die Mühlen aller Skeptiker. Zu tief sitzt noch der Schock des Black Friday und der für unmöglich gehaltene Untergang von Full Tilt.

Und zu gewaltig erscheinen die Herausforderungen, mit denen die Organisatoren konfrontiert werden.

Die Frage lautet also zunächst, wie potent und glaubwürdig sind die Männer, hinter dem ISPT-Wembley-Projekt? Dabei steht hinter „potent“ ein Ausrufezeichen und hinter „glaubwürdig“ ein Fragezeichen. Laurent Tapie und Prosper Masquelier haben umfangreiche Erfahrung in der Ausrichtung von großen Sport-Events. Masquelier hat außerdem eine in Frankreich äußerst erfolgreiche TV-Pokershow produziert.

Hinsichtlich Tapie steht es außerdem außer Frage, dass er die finanziellen Mittel hat, um auch einen größeren Verlust verdauen zu können. Allerdings hat sich beim geplatzten Full-Tilt-Deal auch gezeigt, dass er sich mal im großen Stil verzocken kann.

Und die Stolpersteine auf dem Weg in den Pokerolymp sind zahlreich. Da wäre zunächst die Frage, wie eine stabile und starke Internetverbindung für 30.000 Computer bereitgestellt werden soll.

Wer z. B. einmal in einem Presseraum der EPT gesessen hat, weiß, dass das schon für 50 Computer nicht so einfach zu gewährleisten ist. Und bei einer solch gewaltigen Zahl von Laptops wird das bestimmt auch nicht sehr preiswert. Eine gewaltige Belastung wird die Anzahl der Spieler auch für die Software. IPoker hat bisher noch nie ein Turnier ausgerichtet, das auch nur ansatzweise in die Nähe dieser Zahlen gekommen wäre.

Man möchte sich ehrlich gesagt nicht vorstellen, was passiert, wenn 30.000 Spieler plötzlich tatenlos vor ihren Laptops sitzen, während den System-Administratoren und Technikern der Angstschweiß über die Stirn läuft.

Und aus welchen vorhergehenden Erfahrungen wollen die Organisatoren schöpfen? Das bisher größte Live-Turnier in Europa hatte nicht mehr als 1765 Spieler. Bis 30.000 werden da gleich ganze Erfahrungszeitalter übersprungen.

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Im großen Stil verzockt?

Und dann ist da natürlich noch die Hauptfrage: Wie sollen 30.000 Pokerspieler den Weg nach Wembley finden. Das Buy In beträgt effektiv 1800 Euro (600 Euro Buy In + plus ein Rebuy + plus ein möglicher Add-on). Sogar in den USA kommen die $1000er Turniere der WSOP auf nicht mehr als 4000 Spieler.

Für Unmut sorgt auch der extrem hohe Rake. Bei den Spielern, die erst in die Live-Phase einsteigen, werden von den €6000 Buy-in gleich €2000 als Turniergebühren abgezogen.

Und der ISPT fehlt momentan auch ein  starker Online-Partner. PokerStars hätte derzeit als einzige Seite die Kapazitäten, um genügend Satellites auszurichten. Doch der einstige Konkurrent Tapies im Full-Tilt-Gerangel wird einen Teufel tun, um sich mit dieser sehr risikovollen Unternehmung in Verbindung bringen zu lassen.

Gegen diesen Wald voller Kontras versuchen die Organisatoren mit aller Macht ihre Pros in Stellung zu bringen. Da ist ein  aufwendig produzierter Trailer, ein amerikanischer Top Pro (Michael Mizrachi) als Repräsentant, ein angekündigtes Satellite-Turnier in Marokko Ende August und die bereits feststehende Anmietung des Wembley-Stadions.

Ob das alles reichen wird, um die internationale Pokerszene zu mobilisieren, wird man in den kommenden Monaten sehen. Dann wird sich zeigen, ob die Tapies, Masqueliers und McLeans im Konzert der Großen mitspielen können, oder sich schon bald in einer Liga mit den Illusionisten Annie Duke, Chris Ferguson oder Howard Lederer wieder finden.

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