Isildur heads-up Sit-out - Eine Frage der Moral

viktor-blom

Nehmen wir an, Sie spielen simultan zwei Heads-up SNGs gegen einen Multitabler. Versehentlich vergisst dieser einen der beiden Tische gegen Sie und wird auf Sit-out gesetzt. Sie können ihn ausblinden oder warnen. Was tun Sie?

Vor dieser Frage stand vor wenigen Tagen ein Spieler mit dem Namen [email protected] Er trat gegen Viktor „Isildur" Blom gleichzeitig in zwei $2200 Heads-up SnGs an. Zu diesem Zeitpunkt saß Blom ganz nach seiner Gewohnheit bereits an einer Reihe von Tischen und spielte gegen mehrere andere Gegner.

Er muss wohl kurzfristig die Übersicht verloren haben, denn Blom versäumte seinen Einsatz an einem der Tische und wurde von der Software auf „Sit-out" gesetzt, während das andere Duell gegen [email protected] normal weiterlief.

[email protected] hat nun zwei Möglichkeiten: Er kann Blom darauf aufmerksam machen, dass er an einem der beiden Tische nicht mehr spielt, oder er unterlässt dies und callt/checkt jede Hand, um Blom langsam herunterzublinden. [email protected] entschied sich für Letzteres und nahm Blom so über $2000 ab.

Im Forum von 2+2 löste dieser Vorfall eine längere Debatte darüber aus, ob ein solches Verhalten moralisch gerechtfertigt ist oder ob [email protected] sich korrekt verhielt.

Auf der einen Seite ist es offensichtlich Bloms Fehler bzw. liegt es in seiner Verantwortung, alle Tische, an denen er sein Geld investiert, im Blick zu behalten. Das gilt für jeden Spieler, und es ist keine Entschuldigung, auf die Vielzahl der Tische zu verweisen. Schließlich ist man nicht gezwungen, so viele Tische simultan zu spielen.

Auf der anderen Seite lässt [email protected] Blom hier wissentlich ins offene Messer laufen. Gegen einen Spieler zu spielen, während man ihn gleichzeitig an einem anderen Tisch ausblinden lässt, wirkt doch ein bisschen so, als würde man seinem Gegenüber freundlich die Hand schütteln, während man ihm mit der anderen Hand die Geldbörse aus der Hosentasche zieht.

Offenbar ist [email protected] an einem Duell gar nicht interessiert, sondern daran, seinen Gegner zu übervorteilen. Regeltechnisch ist ihm nichts vorzuwerfen, persönlich aber zeigt [email protected] hier die ethischen Maßstäbe einer Hyäne. Vielleicht hat diese Studie ja doch Recht, und Online-Pokerspieler sind vor allem unfreundliche Egomanen?

Bei 2+2 stellt sich derzeit die Mehrheit der Foristen auf die Seite von [email protected] und argumentiert nach dem Motto „selbst schuld, wer so blöd ist wie Isildur" bzw. „würde ich genauso machen, weil es ja jeder andere mit mir auch machen würde". Nur zwei Diskutanten zeigten sich darüber entsetzt und argumentierten, dass diese Form des Gelderwerbs an Diebstahl grenzt.

Als Gegenbeispiel führten sie u. A. Barry Greenstein an, der nicht umsonst „Robin Hood des Poker" genannt wird. Als bei seinem Gegner während eines Heads-up SNG plötzlich die Verbindung abbrach, wartete Greenstein auf Sit-out, bis sein Gegenüber wieder online war und an den Tisch zurückkehrte.

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