Apple iPhone 5s – mit Sensor, ohne Datenschutz

iphone touch id
Sensortechnologie für die Gegenwart.

Sicheres Einloggen oder gläserner Spieler? Welche Konsequenzen der neue Fingerabdruck-Scanner für Online-Aktivitäten hat und welche Gefahren sich dahinter verbergen.

Apple bringt die Biometrie in die Alltagstechnik. Unter großem – firmeninternen – Jubel wurde gerade das neue iPhone 5s präsentiert.

Der Clou: Touch ID – der Startbutton, der gleichzeitig Ihren Fingerabdruck ausliest.

Dadurch wird die Eingabe des Passworts unnötig, man erhält noch schneller und einfacher Zugang zum eigenen iPhone.

Außerdem, gibt die Firma Apple an, wird man per Fingerabdruck bald auch iTunes, iBooks und Apps einkaufen können, ohne sein Passwort eingeben zu müssen.

Damit werden natürlich auch Türen für Anbieter geöffnet, die ganz andere Produkte oder Dienstleistungen über das Netz anbieten.

Online-Poker wird zunehmend auf Handys und Tablets gespielt. Auf Dauer kann man also davon ausgehen, dass es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein wird, sich bei einem Anbieter einzuloggen, indem man den Finger auf den Sensor des Telefons legt.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese neue Technologie nun Segen oder Fluch für Handybenutzer ist.

Revolution oder Orwellscher Alptraum?

Gerne würde Apple sein neues Features als revolutionäre Neuerung verkaufen, die dem Handyuser ganz neue Dimensionen eröffnet.

apple poker apps
Die Zahl der Mobil-Spieler wächst stetig.
 

Tatsächlich gab es ein ähnliches Feature schon 2011 von Motorola, später auch von Toshiba. Keines der damit ausgerüsteten Modelle erreichte ungewöhnlich hohe Verkaufszahlen.

Außerdem macht es dem heutigen Nutzer kaum etwas aus, seine verstellige Kennzahl einzugeben, um Zugang zum iPhone zu bekommen. Dauert ja auch nur eine Sekunde. Warum also der Sensor?

Entscheidend dürfte werden, wie intensiv der Sensor mit dem iOS zusammenarbeitet.

iTunes und Bücher oder Filme sind erst der Anfang. Die App. „Passbook“ dient zum Speichern von Eintrittskarten, Tickets, Coupons usw. Sie soll schon bald per Fingerabdruck bedient werden können und damit ein höheres Level an Sicherheit bieten.

Die Kehrseite der Medaille

Leider ist der Fingersensor nicht halb so rosig zu sehen wie es auf den ersten Blick scheint.

Denn die Individualisierung des Users erleichtert auch seine Identifkation, und die Daten sind entgegen anderslautender Angaben des Hersteller keineswegs gesichert und unauslesbar.

Bleiben wir zunächst beim ersten Punkt. Angenommen, das Sensorkonzept setzt sich durch, und um sich bei Ihrem bevorzugten Pokerraum einzuloggen, brauchen Sie nur noch Ihren Finger auf den Sensor legen, und schon öffnet sich die Lobby.

ufed
Das UFED und seine Fähigkeiten im Detail.
 

Das bedeutet allerdings auch, dass alle in der Lobby erhobenen Daten zu Ihrem Spieler Ihnen definitiv zugeordnet werden.

Ein Passwort könnte man theoretisch „verleihen“, bei einem Fingerabdruck ist das unmöglich.

Außerdem werden Sie direkt als Person gespeichert, der Fingerabdruck erhöht also Ihre Anonymität nicht, sondern reduziert sie auf null.

Und falls Sie glauben sollten, man könne Ihre Daten nicht abfragen, weit gefehlt:

In den USA benutzt die Polizei (z. B. in Michigan) schon seit geraumer Zeit ein Gerät, das so ziemlich alle Daten aus Ihrem Gerät auslesen kann.

Das UFED genannte Gerät (Universal Forensic Extraction Device) liest in Sekundenschnelle Adressen, SMS, Bilder, Videos, den gesamten Inhalt des Chips und klont die SIM-Karte gleich mit.

Das UFED hätte auch keinerlei Schwierigkeiten, den gespeicherten Fingerabdruck zu kopieren und bei Bedarf wiederzuverwenden.

Kabelverbindungen zwischen dem UFED und dem Handy sind nicht notwendig, die Verbindung läuft über Bluetooth, und die Passworteingabe wird zügig ausgesetzt.

Sollten Sie also zu der wachsenden Gemeinde der „Mobil-Pokerspieler“ gehören, warten Sie nicht auf das neue iPhone mit Fingersensor. Es wird Ihren Datenschutz nicht gerade verbessern.

Und das ist in Zeiten des NSA-Skandals keine besonders gute Nachricht.

Über den Autor: Dirk Oetzmann
Dirk Oetzmann ist leitender Redakteur bei PokerListings/Europa.

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