Internet-Poker auf dem Prüfstand

Dice and Chips
Poker und Gambling sind nicht dasselbe.

Macht Internet-Poker süchtig? Die Abteilung für Suchtverhalten der Harvard Medical School legt nun die erste epidemiologische Studie zum Verhalten von Online-Spielern vor.

In den Medien ist das Thema höchst umstritten. Gambling. Bisher waren allerdings weder die Verfechter noch die Gegner in der Lage, ihre Aussagen mit Belegen zu untermauern. Zwar liegen Studien zum Suchtverhalten von Glücksspielern vor, deren Fokus lag jedoch nicht auf Internet-Gambling im Speziellen. Die Division on Addictions (LaPlante et. al.) beobachteten daher ausschließlich das Spielverhalten von Online-Pokerspielern.

 

Die Studie

Die Studie wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren durchgeführt, beobachtet wurden alle 4459 Spieler, die sich im Februar 2005 bei dem Online-Pokerraum bwin angemeldet hatten und keine Casino-Spiele, sondern ausschließlich Poker spielten. Ein Teil der Spieler wurde später gestrichen, da sie im gesamten Verlauf der Langzeitstudie weniger als vier Stunden gespielt hatten und daher keine aussagekräftigen Ergebnisse über ihr Spielverhalten möglich waren. Berücksichtigt wurde die Zeit, die die Spieler an den Tischen verbrachten, sowie die Summen, die sie dabei einsetzten.

Zur Ausgangslage erklärten die Wissenschaftler: „Die meisten Spieler bekommen keine ernsthaften, durch Glücksspiel verursachten Probleme. Allerdings erfahren manche von ihnen finanzielle und gesundheitliche Schwierigkeiten. Da diese Folgen denen anderer Suchtkrankheiten ähneln, wird Gambling notwendigerweise mit derselben Besorgnis gesehen wie bekannte Suchtmittel. [...] Politiker, Anwälte und Forscher haben sich besorgt über die Gefahren von Internet-Gambling für die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung geäußert. Die Stichhaltigkeit dieser Besorgnis ist allerdings nicht belegt. Zwar ist bekannt, dass Glücksspiel im Allgemeinen suchtgefährdend ist, aber da Internet-Gambling Lotterien, Casino-Spiel und Poker umfasst, wissen wir nicht, welchen Einfluss die verschiedenen Spiel auf die Entwicklung einer Sucht haben. Poker ist vor allem wegen seiner derzeitigen Beliebtheit interessant. [...] Wir legen hiermit die erste epidemiologische Analyse tatsächlichen Spielverhaltens vor, basierend auf der Beobachtung einer signifikanten Menge von Internet-Pokerspielern."

Die Ergebnisse

Aufgrund des Spielverhaltens wurden die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt. Die Versuchsdauer betrug 18,5 Monate.

-         Gruppe 1 umfasste ca. 95 % der Testpersonen. Ihr Durchschnittsalter lag bei 27,9 Jahren, fast 95 % der Gruppe waren Männer. Sie spielten durchschnittlich alle drei Tage und setzten dabei durchschnittlich € 13 ein. Die Durchschnittskosten des Spiels betrugen € 1,80 pro Session. Die Mitglieder dieser Gruppe werden in der Studie als „typische Pokerspieler" bezeichnet.

-         Gruppe 2 umfasste die 5 % der Spieler, die deutlich aktiver waren. Sie setzten durchschnittlich € 89 ein und spielten durchschnittlich zehn Sessions pro Woche. Die aktivsten Spieler verloren prozentual weniger als die „typischen Pokerspieler". Daraus folgt, „dass die Spieler in der Lage sind, ihre Leistung zu verbessern, was bei reinem Glücksspiel nicht der Fall wäre".

-         Die meisten Spieler hielten sich „moderate Zeiten" im Internet auf. Die Untersuchung zeigte, dass die Spieler bei Verlusten, die Zeiten, Einsätze und die Zahl der Sessions grundsätzlich reduzierten und damit „rationales Verhalten zeigten". Die 5 % hochaktiven Spieler reduzierten ebenfalls die Einsätze (blieben aber per definitionem weiterhin sehr aktiv).

Die Studie erhebt nicht den Anspruch, das Verhalten von Online-Spielern abschließend zu klären. Sie versteht sich als „erster notwendiger Schritt zur Erläuterung der behavioristischen Epidemiologie von Internet Poker."

 

Pokerplattform: bwin Poker.

Durchführung der Studie: LaPlante, D. A., et al. "Sitting at the virtual poker table: A prospective epidemiological study of actual Internet poker gambling behavior", in: Computers in Human Behavior (2009).

Quelle: www.divisiononaddictions.org

 

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