„Ich plane nur bis zur WSOP"

Thomas Bihl

SnG-Spezialist und WSOPE Bracelet-Gewinner Thomas „Buzzer" Bihl spricht im Interview mit Pokerlistings über die CAPT, seine Pläne bei der WSOP und die grassierende SnG-Rekordjagd.

PL: Guten Tag Herr Bihl. Wo sind Sie denn gerade?

TB: Ausnahmsweise zuhause in Frankfurt.

PL: Sie haben 2007 nicht nur das Seven Card Stud Event bei der EPT London gewonnen, sondern kurz zuvor bei der Erstausgabe der WSOPE auch das erste Event (£ 2500 H.O.R.S.E). Damit sind Sie damit der erste, dem es gelang, auf europäischem Boden ein Bracelet zu erspielen. Was ist seitdem passiert?

TB: Zu dieser Zeit war ich ständig sehr aktiv, sowohl online als auch bei Live Events. 2008 habe ich dann etwas weniger gespielt. Als dann auch die Erfolge ausblieben, war ich natürlich noch weniger motiviert und habe dementsprechend noch weniger gespielt. Es war eben eine Durststrecke, durch die ich hindurch musste. Dieses Jahr lässt sich dagegen schon wieder viel besser an.

PL: Wie denn?

TB: Ich bin mal wieder nach Österreich gefahren und habe die CAPT in Salzburg gespielt. Beim Main Event saß ich dann am Final Table und wurde Sechster. Ebenso bei einem Side Event in Seefeld. Bei der EPT San Remo habe ich auch gespielt und dabei ganz gut abgeschnitten. Jetzt mache ich ein bisschen Pause und bereite mich auf das kommende Großereignis vor.

Thomas Bihl
SnG auf Autopilot - Thomas Bihl.

PL: Wobei es sich zufällig um die WSOP handelt?

TB: Genau. Ich werde vier Wochen in Las Vegas sein und habe vor, dort 10-15 Events zu spielen. Das bedeutet praktisch jeden Tag rund um die Uhr, wenn es gut läuft, und da brauche ich schon ein bisschen Vorbereitung. Unter anderem wird übrigens auch das $50k H.O.R.S.E dabei sein. Wer möchte, kann mich sogar online dafür staken und bekommt dann einen entsprechenden Teil des Gewinns. (Anm. d. Red.: Die anderen geplanten Events von Thomas Bihl sind: $10k Omaha Hi-Lo; $3k HORSE; $1,5k NLHE Shootout; $2,5k Mixed Hi-Lo; $5k PL Omaha Hi-Lo; $1,5k HORSE; $10k Stud Hi-Lo; $5k NLHE Shootout; $2,5k Razz; $2,5k Omaha Hi-Lo; $2,5k Mixed Holdem; $1,5k PL Omaha Hi-Lo; $1,5k Stud Hi-Lo; $5k NLHE)

PL: Und wie geht es danach weiter?

TB: Das behalte ich mir noch vor. Bis jetzt plane ich nur bis zur WSOP. Es kommt dann darauf an, in welcher Stimmung ich aus Las Vegas zurückkomme. Manchmal fühlt man sich völlig ausgepumpt und leer nach einem solchen Marathon, aber manchmal ist es auch, als hätte man Wind unter den Flügeln. Sollte letzteres der Fall sein, fahre ich vielleicht direkt weiter, z. B. nach Velden.

PL: Warum ist die österreichische CAPT eigentlich so beliebt? Und wieso kriegen wir eine solche Serie in Deutschland nicht hin?

TB: Zum einen sind die Buy-ins sehr angenehm. Wenn man bei einem €1000,- Event ausscheidet, tut das eben nicht ganz so weh wie bei einem EPT Main Event für €5000,- oder noch mehr. Dann sind die Teilnehmerfelder im Vergleich zur EPT kleiner. Damit steigt die Chance, ins Geld zu kommen. Außerdem herrscht ein interessantes und sehr entspanntes Verhältnis zwischen den Profis und Amateuren, die vielleicht gerade im Urlaub sind und sich sagen, das Turnier nehme ich jetzt auch mal mit.

PL: Und so ein EPT Event spielt man eben nicht mal so aus Spaß.

TB: Genau. Und warum das in Deutschland nicht klappt, kann ich auch nicht beantworten. Für die einzelnen Casinoturniere lohnt sich bei Buy-ins von €300-500 meistens einfach die Anreise nicht. Man muss ja die Reisekosten auch einkalkulieren. Und dann ist die Kapazität in den meisten Casinos ja auch spätestens bei 100 Spielern erschöpft. Sogar in Pokerhochburgen wie Wiesbaden.

Heads-up!
Heads-up gegen Jennifer Harman bei der WSOPE 2007.

PL: Sie waren Mitgründer des Blogportals Overcards. Jetzt haben Sie Ihren Ausstieg angekündigt.

TB: Ich wurde schon vor längerer Zeit von meinem Sponsor gebeten, dort zu bloggen. Ich hielt den richtigen Zeitpunkt jetzt eben für gekommen. Es hat Spaß gemacht bei Overcards, aber nun werde ich wieder etwas Neues beginnen. Ich gehe davon aus, dass die anderen Spieler, die bei Full Tilt unter Vertrag stehen, auf mittlere Sicht auch umsteigen. Wie es dann bei Overcards weitergeht, weiß ich natürlich auch nicht.

PL: Spielen Sie nebenher auch noch viel online, und wenn ja, auf welchen Seiten?

TB: Hauptsächlich spiele ich natürlich bei meinem Sponsor. Das bietet sich ja auch an. Ich spiele aber längst nicht mehr so viel wie früher. Da war ich ja praktisch rund um die Uhr an den Tischen.

PL: Sie sind als Sit-and-Go-Spezialist bekannt geworden und haben auch das entsprechende Kapitel in der Poker Matrix geschrieben. Was ist von Rekordversuchen wie denen von buko und ElkY zu halten?

TB: Ich finde es schon beeindruckend, dass diese Spieler in der Lage sind, so viele Tische gleichzeitig zu spielen. Allerdings muss man natürlich auch beachten, dass dort nur SnGs mit sehr niedrigen Buy-ins von $3-$6 gespielt wurden. Das macht es natürlich einfacher. Früher habe ich Leute damit beeindruckt, wenn ich zehn Tische gleichzeitig gespielt habe. Was den Rekord von ElkY angeht, musste er ja auch nur irgendwie positiv abschneiden, damit er anerkannt wird.

PL: Und am Ende hatte er $20 gewonnen. Ist das wirklich noch Poker oder handelt man da vollkommen nach Schema? Und wo liegt Ihre Multi-Tabling-Obergrenze?

TB: Wenn man SnG spielt, ist die absolute Mehrheit der Entscheidungen sowieso automatisiert. Welche Hände man in welcher Position folded oder eben all-in stellt, ist nach einer gewissen Zahl von Turnieren Routine, da gewissen Situationen sich eben immer wieder wiederholen. Ich schätze, ich könnte etwa 20 Tische gleichzeitig spielen, darüber wird es dann unübersichtlich.

PL: Thomas Bihl, vielen Dank für das Gespräch.

 

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