Ho: „Frauen haben Angst vor Männern"

Maria Ho

Jetzt mal Schluss mit der ewigen Schmeichelei und dem Gerede, dass Frauen ja eigentlich mindestens genauso gut spielen können wie Männer. Wenn sie nicht einmal die Nerven haben, sich an einen Tisch zu setzen, nur weil der von Männern besetzt ist, stimmt das einfach nicht.

Um es gleich vorauszuschicken: Es gibt keinen offensichtlichen Grund dafür, warum Frauen schlechter pokern können sollten als Männer. Unabhängig davon, wie hoch man Glücksfaktor, Geschicklichkeit, Psychologie usw. ansetzt, haben Frauen keine Nachteile in diesem Spiel.

Eingeschüchtert?

Auch nach Ansicht von Pokerprofi Maria Ho sind Frauen oft einfach nicht in der Lage, an einem Casino-Tisch Platz zu nehmen und sich der Herausforderung zu stellen.

Leo Margets
Warum bekommen Leo Margets ...

„Wenn ich mich mit Frauen privat unterhalte, sehe ich, dass viele davon ehrlich zu eingeschüchtert sind, um an einem Tisch voller Männer zu spielen. Sogar wenn manche versuchen, es ihnen einfach zu machen, sind da einfach zu viele Platzhirsche, die erwarten, dass jeder am Tisch genau weiß, wann er was zu sagen hat, wann und wie gesetzt wird und wie man sich verhält. Eine Frau am Tisch hat oft nicht die notwendige Erfahrung und tut sich dies vielleicht kein zweites Mal an. Deswegen sind Ladies Events so wichtig. Es ist kein Fehler, den Frauen zuerst die Möglichkeit zu geben, sich untereinander zu bekämpfen, bis sie sich sicher genug fühlen, um es mit dem Rest der Poker Community aufzunehmen."

Tja, das könnte euch jetzt vielleicht wie ein Schock treffen, Mädels: Das geht allen Anfängern so! Diese „Platzhirsche" versuchen, jeden einzuschüchtern! Da muss man durch. Wenn ich das richtig verstehe, sind Ladies Events damit als so etwas wie Anfängerturniere anzusehen. Eigentlich ist das kein Beweis dafür, dass die Fähigkeiten von Frauen am Pokertisch den Männern gleichkommen, sondern ein Armutszeugnis.

Maria Ho, 27 Jahre alt und gesegnet mit acht Jahren Pokererfahrung, wirkt mit ihrem Äußeren wie ein ideales Ziel für testosteronübersättigte Machospieler. Trotzdem ist es ihr gelungen, in Limit Poker auf Levels über $100/$200 aufzusteigen und einen Profivertrag zu bekommen. Offenbar ist es also möglich, mit dem Gebaren der Männer umzugehen bzw. es sogar für sich selbst zu nutzen. Also bitte keine Jammerei mehr über die bösen Männer.

Maria Ho
... und Maria Ho mehr Kamerazeit...

Last Woman Standing

In jedem Jahr liegt ein besonderes Augenmerk auf der letzten Frau im WSOP Main Event. Wirklich in jedem Jahr? Leo Margets erhielt 2009 eine Menge Kamerazeit, und auch Maria Ho konnte sich 2007 nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beschweren. Breeze Zuckerman dagegen wurde in diesem Jahr praktisch überhaupt nicht gezeigt. Woran liegt das?

Ganz einfach: Die letzte Frau im Main Event wird nicht gezeigt, um zu demonstrieren, dass auch Frauen in diesem Turnier weit kommen können. Sie wird gezeigt, weil sie hübsch aussieht - wenn sie hübsch aussieht -, damit die (mehrheitlich) Männer am Fernseher was zu gucken haben. Sind wir mal ehrlich, ist das ganz simpler Sexismus. Nichts, worauf wir Männer stolz sein könnten, aber auch nicht dramatisch.

Maria Ho hat das erkannt: „Ich möchte als Profi nicht als die letzte Frau im Turnier bekannt sein. Ich möchte auch nicht als die beste Spielerin der Welt bekannt sein. Ich will unabhängig von meinem Geschlecht die beste sein und nicht die Botschaft aussenden, dass es mir genügt, die anderen drei Prozent des Felds zu schlagen, die aus Frauen bestehen."

„Frauen", erklärt Maria Ho, „müssen sehen, dass eine andere Frau Erfolg hat. Sie brauchen das als Motivation, um selbst den Mut aufzubringen, sich zu engagieren."

breeze-zuckerman
... als Breeze Zuckerman?

Offenbar genügt das nicht, denn Erfolge von Frauen gab es bereits. Fragt sich, was noch passieren muss. Eine Frau unter den November Nine? Das klingt zwar unwahrscheinlich, ist aber immerhin möglich. Trotzdem glaube ich, dass dies nicht zu einem erstarkenden Interesse weiblicher Spielerinnen führen würde. Eine „November Ninerin" würde vielmehr bestaunt wie ein buntes Tier und sicherheitshalber schon vor dem Finale im Herbst zur Ikone stilisiert. Wer weiß, wann man so etwas wieder zu sehen bekommt?

Nur am Rande: Respekt, Barbara Enright! Aber: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

Keine Hilfe also in Sicht, verehrte Damen. Ihr müsst schon selbst wollen. Aber wenn es auch 2011 wieder nicht klappen sollte, dann gebt bitte nicht den Männern die Schuld. Vielleicht spielt Ihr ja einfach schlechter.

Interview: CardPlayer

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