Heads-up Strategie Teil 2: Der Kopf entscheidet

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Im zweiten Teil dieser Serie diskutieren wir den Umgang mit verschiedenen Spielertypen und sprechen über typische Situationen für Heads-up Duelle.

In Heads-up Strategie Teil 1: Welche Karten spielen haben wir unterschiedliche Handstärken untersucht und erläutert, welches Aggressivitätsniveau notwendig ist, um erfolgreich zu spielen. Der Erfolg basiert demgemäß auf folgenden Eckpunkten:

  1. Die Aggressivität muss Ihrem Spielniveau angepasst sein, darf also nicht übertrieben werden. Im Idealfall ist unser Aggressivitätslevel höher als das unseres Gegners.
  2. Die Stärke unserer Hand wird hauptsächlich durch dessen höchste Karte bestimmt, jedes Ass ist daher für sich schon eine sehr starke Karte.

Wenn Sie diese beiden Konzepte verinnerlicht haben, können Sie mit diesem Artikel fortfahren und beginnen, Ihren eigenen Gewinnerstil zu entwickeln.

Pocket Paare

Wenn ein Ass prinzipiell schon 52% Gewinnchance hat, dann ist ein Pocket Paar logischerweise noch wertvoller. Als Grundregel gilt, dass ein Pocket Paar solange gut ist, bis das Gegenteil bewiesen wird.

Denken Sie daran, die Mehrzahl der Hände, wird von der höchsten Karte gewonnen. Jedes Paar ist besser als eine hohe Karte (es sei denn, das Board beweist das Gegenteil).

Interpretieren Sie das bitte nicht in der Hinsicht, dass Sie an jedem Paar sklavisch festhalten sollten. Selbst A-A ist prinzipiell „nur" 5:1 oder 6:1 Favorit. Das entspricht etwa einer 85% Gewinnchance. Wenn Sie nicht gegen ein anderes Ass spielen, werden Sie also in 15% der Fälle verlieren.

Ich habe mich hier aus einem bestimmten Grund mehrfach wiederholt. Viel zu viele Spieler glauben, ihre Asse müssten in mindestens 98% aller Fälle gewinnen. Ich lasse diesen Traum nur ungern platzen, aber die Asse verlieren eben doch in 15% der Fälle. So, jetzt habe ich es wohl oft genug gesagt.

Es gilt, die schwierige Balance zwischen massiver Aggressivität und der Fähigkeit, eine Hand loszulassen zu finden. Deshalb ist in Heads-up Poker der Read so extrem wichtig.

An einem voll besetzten Tisch ist es selten eine gute Idee, große Bets nur mit Ass hoch zu bezahlen (ohne Paar, ohne Draw), heads-up kann es jedoch häufig der korrekte Spielzug sein, je nachdem, mit was für einem Gegner wir es zu tun haben und wie gut wir ihn lesen können.

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Huck Seed gewann zuletzt die Open Heads-up Poker Championship 2008.

Aggressivität und wie man damit umgeht

Nehme wir an, unser Gegner hat die Kontrolle übernommen und ist nun der Aggressor. Was tun? Es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Entweder spielen wir noch aggressiver oder wir verwandeln uns in eine Calling Station.

Wenn wir den Eindruck haben, dass unser Gegner sein Spiel ausschließlich auf Aggression ausrichtet, müssen wir uns überlegen, ob er sich durch verschärfte Aggressivität unsererseits beeindrucken lässt oder nicht.

Hat der Gegner einen guten Read auf uns, kann er jederzeit over the top all-in gehen, um zu zeigen, dass er weiß, dass wir nur so tun, als hätten wir eine starke Hand, um ein Ausrufezeichen zu setzen.

Jedesmal all-in zu pushen, wenn der Gegner Stärke zeigt, kann vorteilhaft sein, aber damit zerstören wir jede Strategie. Außerdem laufen wir irgendwann gegen ein Monster. In manchen Fällen kann dies aber dennoch die richtige Vorgehensweise sein. Welche Fälle das sind, werde ich im nächsten Abschnitt erläutern.

An einem Full-Ring-Tisch ist es immer ein Problem, wenn man sich zur Calling Station macht. Heads-up kann dies aber eine starke, sogar fortgeschrittene Strategie sein, um mit einem Aggressor umzugehen.

Wenn wir in der Lage sind, den Gegner auf eine Range zu setzen und die Odds dieser Range gegen unsere Hand ausrechnen können, und zwar inklusive der potenziellen Einsätze auf der vierten und fünften Straße, können wir einen Gegner schlagen, indem wir nur callen.

Eine echte Calling Station ist jemand, der keinen Read hat und deshalb auch im Angesicht einer sicheren Niederlage nicht folden kann, weil er nur seine eigenen Karten kennt. Wenn wir in der Lage sind, die Hand unseres Gegners einzuschätzen, können wir ihn glauben machen, dass wir eine Calling Station sind, während wir in Wirklichkeit mit der besten Hand heruntercallen.

Wir erreichen dadurch, dass Gegner glaubt, es mache keinen Sinn, uns zu bluffen. Sobald unser Gegner davon überzeugt ist, sichern wir uns die Kontrolle und sind wieder handlungsfähiger.

Das Prinzip der Calling Station ist nur dann anwendbar, wenn unser Read so gut ist, dass er uns einen Vorteil verschafft. Besitzen wir einen eindeutigen Vorteil - so würden viele Spieler argumentieren -  müssen wir versuchen, möglichst viele Chips in den Pot zu bekommen wie möglich.

Ich glaube, dass dieses Konzept nur auf Full-Ring-Tische zutrifft. In Heads-up zu gewinnen, ist eher eine Frage des psychologischen Übergewichts als der besseren Karten. Wir versuchen, dem Gegner ein bestimmtes Bild zu vermitteln. Danach versuchen wir, dieses Image auszunutzen.

Zwei Überlegungen haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass Calls den Raises in dieser Situation vorzuziehen sind:

  • Hat unser Gegner nichts, wird er auf einen Raise folden. Versucht er, uns zu überrennen, und glaubt er, dass wir passiv genug sind, um zu folden, wird er eine oder zwei weitere Bets ansetzen, die wir kassieren können.
  • Wenn wir auf dem River nur callen, zeigen wir vordergründig Schwäche mit einer schwachen, aber dennoch ausreichend guten Hand. Dadurch verleiten wir den Gegner, zu glauben, dass wir eine Calling Station sind, oder aber wir beeindrucken ihn so sehr, dass sie sich ausgespielt fühlen und Angst bekommen.

Wie Sie sehen, gibt es auch einen einfacheren Weg als herauszufinden, wie unser Gegner uns sieht: Man kann sich auch überlegen, wie man die gegnerische Spielweise gerne hätte und baut dementsprechend das eigene Image auf.

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Einer der aggressivsten Spieler der Welt ist Gus Hansen.

Stackgröße

Profis erwähnen gelegentlich Small Stack Vorteil. Damit ist folgendes gemeint:

  • Wenn der Small Stack in jeder Situation all-in geht, wo er auch nur eine annähernd ansehnliche Hand hält, ist der Big Stack gezwungen, tighter zu werden und nur noch die Karten zu spielen. Dadurch kann der Small Stack beginnen, Blinds zu stehlen und wieder in die Partie zu finden.

Ich habe viele Heads-up Matches gesehen und gespielt, in denen die Small Stacks sich zum Chipgleichstand zurückkämpfen konnten, indem sie einfach nur die Blinds und versuchte Limps/Raises des Big Blinds stahlen.

Erarbeitet sich der Small Stack einen Chipgleichstand, hat er zu diesem Zeitpunkt die Kontrolle und kann seine Position leichter verteidigen als der vorherige Big Stack.

Das gilt allerdings nicht, wenn der Small Stack seine Chips verloren hat, weil er ausgespielt wurde. Wenn man der unterlegene Spieler ist, braucht man ein paar gute Hände, um gewinnen zu können.

Sie sollten nun eine ziemlich klare Vorstellung davon haben, wie stark ein Pocket Paar und ein Ass sind. Außerdem wissen Sie nun, wie wichtig Aggressivität ist und wie viel Sie davon an den Tisch bringen sollten.

Im letzten Teil unserer Serie werde ich darauf eingehen, wie man seine Aggressivität und seine Pokerkenntnisse einsetzt, um einen Gegner zu knacken. Ich werde als Beispiel eine meiner eigenen Heads-up Strategien erläutern und demonstrieren, wie Sie dies als Basis für Ihre eigene Spielweise verwenden können.

No Limit Hold'em Heads-up Strategie:

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