Heads-up Strategie Teil 1: Welche Karten spielen

Chan vs. Ivey

Im ersten von drei Artikeln dieser Serie beschäftigen wir uns mit den grundlegenden Unterschieden zwischen Heads-up und Full-Ring-Spiel.

Wer heads-up erfolgreich spielen will, muss über umfangreiche Poker-Kenntnisse verfügen. Es ist von entscheidender Wichtigkeit, Situationen und Gegner korrekt lesen zu können. Manche Spieler sagen, dass erst die Leistung im Heads-up zeigt, wie gut jemand wirklich ist.

Es gibt Spezialisten, die  fast ausschließlich heads-up spielen, und die Topspieler dieser Welt sind grundsätzlich immer bereit, gegen jeden Spieler um jede Summe anzutreten. Das Heads-up gibt den weltbesten Spielern die Möglichkeit, im direkten Duell gegeneinander anzutreten.

Die besten Spieler gewinnen auf lange Sicht konstant

Das Prinzip des Heads-up erlaubt eine strategischere Spielanlage, und der Glücksfaktor ist deutlich geringer, was wiederum ein neues Spielelement einführt. Da Heads-up-Partien meistens solange dauern, bis einer der beiden Spieler kein Geld mehr hat, setzt man quasi darauf, dass man ein besserer Spieler ist als der Gegner.

Wenn man an einem Full Ring Tisch sitzt und einer oder auch mehrere Spieler besser sind als man selbst, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass man Geld verliert. Selbst wenn der halbe Tisch besser ist, bleiben immer noch genügend Spieler übrig, gegen die man einen Vorteil hat.

Man kann den guten Spielern aus dem Weg gehen und sich auf die schwächeren konzentrieren. Und die besseren Spieler werden dasselbe tun, bevor Sie ihre Aufmerksamkeit auf uns richten.

In einem Heads-up gibt es aber keinen anderen. Wer gewinnt, hat Recht, und deshalb spielen Prestige und Ego hier eine ebenso große Rolle wie das Geld. Full-Ring-Tische und sogar Turniere haben psychologisch bei Weitem nicht dieselbe Wertigkeit wie Heads-up Matches.

 

Chris Ferguson Chris Ferguson hat bewiesen, dass er einer der besten Heads-up Turnierspieler ist.

Aggressivität!

Aggressivität ist in jeder Pokervariante eine wichtige Größe. In einem Heads-up ist sie sogar von überwältigender Bedeutung. Man sitzt mit jeder Hand in den Blinds. Kauft man sich z. B. für $200 in eine $1/$2-Partie ein, verliert man in nur 66 Händen seinen halben Stack. An einem Full-Ring-Tisch verliert man in derselben Zeit nur $18-$21.

Abgesehen davon, dass man sich nicht ausblinden lassen kann, hat es auch strategische Vorteile, möglichst aggressiv an ein Heads-up heranzugehen. Alle Aspekte des Spiels, die wir hier noch ansprechen, hängen direkt oder indirekt mit Aggressivität zusammen.

Ließe man zwei exakt gleich starke Spieler gegeneinander antreten, gewänne auf lange Sicht der aggressivere.

Handstärke

So ziemlich jeder Spieler, der Hold'em beherrscht, wird behaupten, der 27o die schlechteste Hand ist, die man bekommen kann. Die meisten können auch erklären, warum das so ist (es handelt sich um die beiden niedrigsten Karten, die zusammen keine Straight bilden können).

Jedoch verstehen nur wenige, dass die schlechteste Hand in einem Heads-up eine andere ist.

Grund dafür ist, dass es in einem 52er Blatt insgesamt (52x51/2) = 1326 verschiedene Kombinationen für zwei Hole Cards gibt. Da Kartenfarben aber bei Poker keinen relativen Wert besitzen, sind viele Kombinationen gleichwertig.

A J und A J sind z. B. gleichwertig, denn beide Hände bestehen aus einem Ass und einem Buben derselben Kartenfarbe. Es gibt 169 nicht-gleichwertige Kartenkombinationen in NLHE (13 Pocket Paare, 13x12/2 = 78 Suited und 78 nicht-suited Hände; 13+78+78=169).

Hält man A-K auf einem Board T-Q-K, wird diese Hand nur von 14 der 169 Starthände geschlagen. D. h., nur 8% der Hände sind besser.

Diese 8% entsprechen allerdings nicht der Gewinnchance, denn die Chance, eine Hand wie 4-7 zu bekommen, ist weit größer als die auf ein Paar Asse. In dieser Situation halten wir außerdem bereits ein Ass, was die Möglichkeit, dass der Gegner Asse hält, noch unwahrscheinlicher macht.

Man muss sich hier vor Augen halten, dass ja nur eine weitere Person am Tisch sitzt. Die Chance, dass diese zu besagten 8% gehört, ist minimal. An einem Full-Ring-Tisch sind die Chancen bis zu neunmal so hoch, dass man geschlagen ist.

Deshalb werden die meisten Hände heads-up mit der höchsten Karte oder einem Paar gewonnen. Zwar kommt es auch zu Straights, Flushes oder Full Houses, aber bei Weitem nicht so häufig wie an einem Full-Ring-Tisch. Je weniger Karten gegeben werden, desto weniger Kombinationen sind möglich.

Der Wert jeder einzelnen Karte wird damit wichtiger als das Straight- bzw. Flush-Potenzial unserer Hände. Daraus folgt, dass die schlechteste Hand in einem Heads-up 23o sein muss.

 

poker cutie Eine bekannte Strategie besteht darin, den Gegner mithilfe riesiger ... Brillengläser zu irritieren.

Jedes Ass

Da wir nun erläutert haben, dass die Handstärke im Heads-up hauptsächlich vom Wert der höheren Karte abhängt, ist das „Jedes-Ass-Konzept" relativ einfach zu erklären.

Der Großteil der Hände in einem Heads-up spielt sich auf der Basis ungepaarte Hand gegen ungepaarte Hand ab. Da die höchste Karte bzw. ein Paar normalerweise gewinnt, wird ein Ass plötzlich zu einer sehr wertvollen Karte. Dan Harrington schrieb über Heads-up: „Kartenfarben spielen eine kleine Rolle, der Kartenwert eine große."

Jedes Ass ist unabhängig von der zweiten Karte 52% Favorit gegen jede zufällige Hand. Dies Zahl soll nur ungefähr vermitteln, wie sich die Anforderungen in einem Heads-up gegenüber dem Full Ring verändern. Würde man jedes Ass heads-up all-in stellen, gewänne man trotzdem nicht in 52% der Fälle.

Grund dafür ist, dass man nicht auf jedes All-in gecallt wird. Man kann davon ausgehen, dass man den Call von einer Hand bekommt, die besser ist als die eigene, und dass schlechte Hände grundsätzlich gefoldet werden. Trotzdem helfen die Zahlenangaben, sich klar zu machen, wie viel Aggressivität notwendig ist, um sich heads-up zu behaupten.

Je besser man spielt, desto aggressiver kann man auftreten, ohne leichtfertig zu werden. Je aggressiver man heads-up spielen kann, desto häufiger wird man den Sieg davontragen.

Im zweiten und dritten Teil sprechen wir über die Denkprozesse und darüber, wie man den Gegner dominiert.

No Limit Hold'em Strategie

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