Full Tilt Poker – keine falsche Aufregung

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Millionenschulden von Phil Ivey? Was bedeuten die Vorgänge dieser Woche wirklich?

Zu viele Nachrichten zum Fall FT werden in diesen Tagen von den deutschen Pokermedien ungefiltert weitergegeben. Nehmen wir die Meldungen um Phil Ivey.

Iveys fehlende Millionen

Mit Bezug auf eine gut unterrichtete amerikanische Seite, die über Kontenbewegungen von Ivey bei Full Tilt berichtete, titelten deutsche Seiten im Stil von „Ivey schuldet Full Tilt Millionen“. Was ist wirklich passiert?

Noah Stephens-Davidowitz, Redakteur bei Subject: Poker und Moderator im 2+2-Forum, beschrieb in einem Artikel die Überweisungen und Transfers, die seit Mitte 2009 bei den beiden Team-Profis vorgenommen wurden. Nach einer Reihe von als „Ausleihen“ und „Rückzahlungen“ gekennzeichneten Bewegungen errechnet der Autor ein Minus von 6.125.000 Dollar. Bedeutet das nun, dass Ivey bei FT mit sechs Millionen in der Kreide steht, wie hierzulande berichtet wurde? Nein.

Stephens gibt zu, keine Informationen über die Zeit vor Juni 2009 zu haben. Die Transfers, die ohne besondere Kennzeichnung vorgenommen wurden, sowie die von Spieler zu Spieler, fehlen sogar vollständig. Im Ergebnis haben wir kein zuverlässiges Bild davon, was auf Iveys Account wirklich ablief.

Fakten statt Echos

Ebenso gut könnte man die Äußerungen von Mike Matusow als Tatsachen darstellen, wenn er im Interview mit QuadJacks sagt, dass Tom Dwan eine Million Dollar auf seinem FT-Account hat und Daniel Cates gleich sechs, dass Howard Lederer mit Depressionen kämpft und mit den ersten Auszahlungen an die FT-Spieler ganz bestimmt vielleicht an diesem Wochenende zu rechnen ist.

Außerdem stellt merkwürdigerweise niemand die Frage, warum geheime Daten ausgerechnet über den Account von Phil Ivey an die Öffentlichkeit gelangten, den Spieler, der vor wenigen Wochen seinen eigenen Sponsor vor Gericht ziehen wollte.

Man erinnere sich nur an die unsägliche Pressemitteilung, die FT nach dem Bekanntwerden von Iveys Klage veröffentlichte, und in der von einer größeren Summe die Rede war, die der Spieler dem Pokeranbieter angeblich schuldete.

Über die Zuverlässigkeit von Stephens Quellen soll hier gar nicht spekuliert werden – es handelt sich um eine der seröseren Seiten auf dem Markt - aber die Motivation des Tippgebers muss ein Thema sein. Wollte hier jemand sich nur wichtig machen oder gezielt den Ruf von Phil Ivey schädigen? Hat vielleicht das Unternehmen selbst ein Interesse daran, seine Vorwürfe gegen Ivey bestätigt zu sehen? Oder ist das einfach nur Teil der Hinhaltetaktik (die schon bei der Anhörung in London offenkundig wurde), um die Auszahlungen an Spieler weiter hinauszögern zu können?

Wieso wird ein Transfer an Ivey als „Loan“ gekennzeichnet, wenn dieser wie im Herbst 2009 gerade fünf Millionen Dollar gewonnen hat?

Bisher gibt es keine zuverlässigen Antworten auf diese Fragen. Ebenso wenig wie die Gewissheit darüber, ob Phil Ivey FT eine Menge Geld schuldet oder nicht. Alles andere entbehrt der notwendigen Grundlagen.

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