Hand der Woche – WSOP: Phil Ivey und der Amateur

Phil Ivey espn
Phil Ivey im WSOP Main Event 2013

Amateur gegen Superstar. Wir wenden uns wieder dem Main Event der WSOP zu. Die Hand stammt von Tag 3 des wichtigsten Pokerturniers der Welt, und im Mittelpunkt steht eines der Duelle, das dieses Turnier so reizvoll macht:

Natürlich präsentieren wir auch in dieser Woche wieder eine außergewöhnlich interessante Hand in der Analyse.

Letztes Mal untersuchten wir ein spannendes Cashgame-Duell zwischen Viktor „Isildur1“ Blom und Alex „IReadYrSoul“ Millar und zeigten auf welch grandiosem Niveau der Brite seinen schwedischen Rivalen ins Messer laufen ließ.

Unser Amateur heißt Phil Mader, ist Anfang Fünfzig und Farmer in Nebraska. 2009 schaffte er es beim Main Event ins Preisgeld, ansonsten erzielte er bei kleineren Turnieren achtbare Resultate. Er sitzt mit einem der größten, wenn nicht dem größten Spieler der Gegenwart am Tisch – Phil Ivey.

Beide Spieler haben zu Beginn der Hand beachtliche Stacks und liegen gut im Rennen. Wir wollen uns in die Perspektive des Amateurs, Phil Mader, begeben und schauen, wie er die Hand gegen Ivey spielt.  

Mit

   

raist Mader aus früher Position auf 3.500 und bekommt Calls von Ola Okeloa in später Position und Phil Ivey im Big Blind.

Diese drei Spieler haben die größten Stacks am Tisch, alle Entscheidungen haben damit zusätzliches Gewicht.

Der Flop bringt

     

und damit Top Pair für Mader. Ivey checkt und Mader setzt 5.500 in den Pot mit 12.900. Das ist eine normale Bet, die er vermutlich mit allen Händen gebracht hätte.

Phil Mader
Cleverer Amateur - Phil Mader.

Okeloa callt, aber Ivey checkraist auf 18.000.

Eine ziemlich überraschende Entwicklung. Auf einem staubtrockenen Board bekommt Mader mit seinem Top Pair zunächst einen Call und dann einen Check-Raise. Was kann Ivey haben?

Da das Board kaum Draws (eigentlich nur 65 für oben-unten) ermöglicht, ist seine Hand stark polarisiert. Entweder hat er ein Monster (77 oder 44) oder er blufft.

Mader mag seine Hand noch nicht aufgeben und callt. Das ergibt Sinn.

Ein Raise wäre völliger Unsinn, da er nur von besseren Händen gecallt würde und alle schlechteren Hände zum Folden brächte (außerdem sitzt hinter ihm noch Okeloa, der ein Monster haben kann). Mit einem Call in Position kann Mader auf dem Turn neu entscheiden.

Okeloa foldet (er hatte A 7) und mit 54.500 im Pot geht es auf den Turn, der den

 

bringt. Ivey lässt nicht locker und setzt weitere 35.000.

Für Mader hat sich nur wenig geändert. War er auf dem Flop vorne, ist er das nun immer noch, außer Ivey hat ihn gerade mit KJ überholt – sehr fraglich aber, ob Ivey damit gecheckraist hätte. Problematisch ist für Mader, dass er jetzt bereits wissen muss, was er auf dem River tut. Im Grunde trifft er – natürlich unter Vorbehalt – die Entscheidung, zweimal zu callen.

Mader callt die 35.000 schließlich und im Pot sind 124.400, beiden Spielern verbleiben noch etwas mehr Chips. Der River bringt die

 

und Ivey geht ohne größeres Zögern von vorne mit 138.800 All-In.

Wow. Mader hat eben Trips Damen getroffen, und sein Gegner geht All-In. Außerdem kam ein Backdoor Flush an, der aufgrund des Verlaufs der Hand aber vermutlich kaum eine Rolle spielt.

Mader steht vor einer extrem schwierigen Entscheidung. Entweder hat Ivey 77 oder 44 oder nichts.

QJ und AQ kommen im Grunde nicht infrage, da Ivey damit kaum den Flop gecheckraist hätte.

Nach längerem Nachdenken entscheidet sich der Amateur schließlich zum Fold. Eine kluge Entscheidung, denn Ivey hatte tatsächlich mit

   

das Full House getroffen, womit Mader schon auf dem Turn drawing dead war. Entsprechend enttäuscht schaut Ivey nach der Hand aus der Wäsche.

Phil Ivey enttauscht
Schief gegangen - Iveys Spielzug wurde erkannt.

Später meinte er, er hätte weniger setzen sollen, um Mader den Fold annähernd unmöglich zu machen. Ironischerweise doppelte Ivey einige Hände später genau diesen Spieler auf und bereitete dessen deep run vor.

Iveys Entscheidung, auf dem River All-In zu gehen, überzeugt dennoch. Sein Gegner hat einfach sehr oft eine Dame und damit sehr große Schwierigkeiten, die Hand zu entsorgen, zumal Ivey mit dem All-In seine Hand maximal polarisiert.

Phil Mader hatte in diesem Fall einfach einen guten Riecher, der ihn vor dem verhängnisvollen Call bewahrte.

Am Ende wurde Mader dafür mit Platz 43 und einem Preisgeld von über 185.000 Dollar reich belohnt.

Wer sich die Hand in bewegten Bildern ansehen möchte, kann das per Video tun. Im PokerZeit-Blog finden Sie alle bereits erschienen Folgen der WSOP 2013. Die Hand beginnt in Minute 26 von Teil 1 des Main Events.

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